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Wirtschaft Rossmann und dm legen sich mit Amazon an
Nachrichten Wirtschaft Rossmann und dm legen sich mit Amazon an
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12:17 06.06.2018
Behörden kontrollieren Produkte von stationären Händlern - aber nicht bei Online-Plattformen wie Amazon, kritisiert Rossmann. Quelle: dpa
Hannover

Rossmann, dm und Douglas fordern die Politik auf, Konzerne wie Amazon und Ebay stärker zu regulieren. Online-Händler aus dem Ausland verkauften über solche Plattformen „nicht verkehrsfähige“ Kosmetikprodukte in Deutschland, warnen die drei Drogerieketten in einem gemeinsamen Brief an die Bundesregierung, der der HAZ vorliegt. Die Behörden könnten die Händler allerdings nicht sanktionieren, weil sie außerhalb Europas sitzen. Die Konsequenz seien „erhebliche Wettbewerbsnachteile“ für redliche Händler sowie eine „immense Gefährdung der Verbraucher“. Die drei fordern deshalb, dass künftig auch Plattformbetreiber wie Amazon und Ebay „in die Produktverantwortung genommen werden“.

Amazon und Ebay wickeln als Verkaufsplattformen die Zahlungen für andere Händler ab. Amazon lagert und versendet außerdem viele Produkte im Auftrag Dritter – gilt dabei rechtlich aber nur als Vermittler. Diese Rechtslage kritisieren Rossmann, dm und Douglas in ihren Briefen an Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner (CDU) und Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU). Immerhin würden die Plattformen erhebliche Provisionen von den ausländischen Händlern erhalten. Im stationären Handel werde „selbstverständlich auch das kleinste Geschäft mit aller notwendigen Strenge kontrolliert“.

Amazon erklärte, dass die Sicherheit der Kunden für das Unternehmen oberste Priorität habe. Marketplace-Händler müssten sich an die lokalen Verkaufsbedingungen halten. Erlange man Kenntnis von Verstößen, überprüfe und entferne man Produkte. Auch die Schließung von Verkäuferkonten könne zu den Maßnahmen gehören. Kunden sollten sich bei Bedenken an den Kundendienst wenden, damit man nachforschen könne. Ebay betonte, dass Verkäufer sich selbstverständlich stets an alle gesetzlichen Bestimmungen halten müssten. Man sei „in erheblichem Umfang proaktiv tätig, um unzulässige Angebote zu blockieren oder zu beenden“.

„Pathogene Keime“

Ihre Forderung untermauern die drei Unternehmen mit den Ergebnissen eines Produkttests. Sie haben 24 der 100 meistverkauften Artikel der Kategorie „Beauty“ auf dem Amazon-Marktplatz von einem Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: Von den 24 Artikel seien nur zwei rechtlich gesehen nicht zu beanstanden. Bei den restlichen 22 habe man insgesamt 93 Verstöße festgestellt, zum Beispiel fehlerhafte oder unverständliche Warnhinweise auf der Verpackung, nicht deklarierte Allergene oder unlautere Werbeaussagen. Ein Haarwuchsmittel war „stark mit pathogenen Keimen belastet“.

„Übertragen auf alle kosmetische Mittel, die millionenfach auf Plattformen wie dem Amazon Market Place in Deutschland erhältlich sind, bedeutet dies: Kaum ein Artikel davon darf hierzulande überhaupt vertrieben werden“, lautet die Schlussfolgerung.

Auf die Kooperation zwischen Rossmann und Amazon beim Lieferdienst „Prime Now“ habe die Kritik keinen Einfluss, sagte eine Rossmann-Sprecherin. Es handele sich um „getrennte Angelegenheiten“.

Keine aktive Kontrolle

Die Kritik an Plattformen wie Amazon ist nicht neu. Deutsche Händler weisen immer wieder auf gefährliche, gefälschte oder wettbewerbswidrige Produkte von Konkurrenten zum Beispiel aus China hin. Die Plattformbetreiber lagern und verschicken die Produkte und wickeln die Zahlung ab. Sie müssen illegale Produkte zwar entfernen, wenn sie auf Verstöße hingewiesen werden. Sie müssen laut Gesetz aber nicht aktiv kontrollieren und haften bei Verstößen der Händler in der Regel nicht.

Von Christian Wölbert

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