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Wirtschaft Ganz einfach Hochzeit feiern
Nachrichten Wirtschaft Ganz einfach Hochzeit feiern
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10:00 13.01.2018
Pompös ist out: Viele Hochzeitspaare setzen statt fetter Torte und rüschiger Tischdeko auf Einfachheit und Natürlichkeit Quelle: iStock
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Hannover

Festlich eingedeckte runde Tische mit Stuhlhussen in der Farbe der Stoffservietten und in Steckschaum erstickten Blumenarrangements – dieser jahrelange Standard für Hochzeitsfeiern ist passé. Immer mehr Paare mögen es weniger steif. Die Branche hat reagiert und „Einfachheit und Natürlichkeit“ zum diesjährigen Hochzeitstrend erhoben. Doch das nach außen Unkonventionelle und Unkomplizierte erfordert, ähnlich wie in der Mode, oft besonders viel Mühe und ist auch nicht unbedingt kostengünstiger.

Fünfstelliges Budget für den schönsten Tag im Leben

Heiraten ist ein gewaltiger Markt, an dem neben Floristen, Goldschmieden, Gastronomen, Friseuren und Brautmodenausstattern mittlerweile auch Eventagenturen und Hochzeitsplaner verdienen. Der schönste Tag im Leben ist mit einem Durchschnittsbudget, das immer öfter im fünfstelligen Bereich liegt, nicht selten auch der teuerste. Die Hochzeitsindustrie macht Branchenanalysen zufolge jährlich allein in Deutschland rund 2 Milliarden Euro Umsatz. Dafür versprechen die Händler einmütig ein „individuelles und einzigartiges Erlebnis“. Gar nicht so einfach umzusetzen, wenn man bedenkt, wie viele angeblich individuelle Ideen rund ums Heiraten in den sozialen Netzwerken geteilt und schließlich nachgeahmt werden.

Locker, natürlich und stilvoll feiern

Nun zählt also alles, was möglichst locker, aber doch stilvoll, unaufgeregt, aber doch edel anmutet. Für die Location heißt das eher Gutshof als Gaststätte, für das Outfit eher Boho als Beautyqueen und für das Essen eher gehobenes BBQ als Büfett mit Braten. Unverzichtbar ist Hochzeitsplanern und einschlägigen Magazinen und Internetportalen zufolge auch ein „Sweet Table“, der im Zweifel die klassische mehrstöckige Hochzeitstorte ersetzt: Cupcakes, Cake Pops, Mini-Gugelhupf, Macarons oder auch sogenannte Couture Cookies im Wunschdesign, die sich im Zweifel auch der Farbauswahl für die gesamte Deko anpassen, sollen die Party versüßen.

Der „Sweet Table“ mit Cupcakes und Co. ersetzt mitunter die Hochzeitstorte. Quelle: pixabay

Die Hochzeitsfeier wird zum Live-Event

Farbtrends sind neben dem unverwüstlichen Rosa Metallic-Töne und ein frühlingshaftes Grün. In unterschiedlichen Gefäßen arrangierte Wiesenblumen oder Gräser, Oliven- und Rosmarinzweige auf den Tischen bestimmen die florale Deko. Im Idealfall wird, ganz im Zeichen mediterranen Landlebens, auf Bistrostühlen an langen Tafeln gespeist. Läufer aus Leinen ersetzen bodenlange Tischdecken und angesagtes Keramikgeschirr restauranttypische Porzellanteller.

Damit sich die Gesellschaft nicht nur am Tisch aufhält, sind fantasievoll zusammengestellte Bars mittlerweile ein Muss. Neben der Süßigkeitenecke liegen Kaffee- oder Eiscremebars im Trend, darüber hinaus Gin- oder Whiskeybars, an denen es auch ausgewählte Zigarren gibt. Für den wahrhaft einzigartigen Touch sind die Brautleute selbst gefordert: Eigenhändig gebastelte Deko und individuelle Tischkärtchen sind höchst angesagt.

Die Gästeliste wird immer häufiger klein gehalten – mit den engsten Freunden und Verwandten. Dafür wird beim Trend „Microwedding“ besonders viel Wert auf die Qualität von Essen, Trinken und Lokalität gelegt. „Live-Cooking“ mit einem Sternekoch ist keine Seltenheit mehr.

Natürlich und schick: Ein paar Lichterketten in den Baum gehängt, Tische aufgestellt – und schon wird auch mal der eigene Garten zu einer stilvollen Feierlocation. Quelle: Ben Rosett/Unsplash

Das interessiert alle: Was trägt die Braut?

Bei allen Neuheiten bleibt die wichtigste Frage: Was trägt die Braut? 2018 auf jeden Fall Spitze und Rückendekolleté. Das will früh ausgesucht sein. Nach einer Umfrage des Fachverlags Brautmedia kaufen deutsche Bräute ihr Kleid der Kleider im Schnitt achteinhalb Monate vor dem großen Tag. Wer eher spät startet, braucht jedoch bei der mittlerweile sehr großen Auswahl auch auf Hochzeitsmessen keine Angst zu haben, leer auszugehen. Auch die Stilrichtungen sind vielfältig. Besonders gefragt waren im vergangenen Jahr Prinzessinnen-, Meerjungfrauen- und Hippie-Style. Bei letzterem fallen die Kleider luftig locker und sind mit Spitze oder Pailletten verziert. Das figurbetonte Meerjungfrauenkleid liegt bis zum Knie eng an und läuft dann weiter aus.

Auch die pompösen Tüllkleider sind zurück, mit langen Schleppen, vielen Rüschen und Spitzenkorsagen. Neu sind Kleider, deren obere Stofflage komplett aus Spitze besetzt ist. Bei Boho-Kleidern dominieren Häkelspitze oder auch der sogenannte Tattoo-Effekt, bei dem Spitze auf dünnen, transparenten Tüll gestickt wird, sodass es aussieht, als säßen die filigranen Muster direkt auf der Haut. Das kommt besonders bei langen Ärmeln zur Geltung. Allen Kleidvarianten ist zu eigen, dass sie in diesem Jahr vermehrt aufs Rückendekolleté setzen. Farblich ist neben Weiß und Elfenbein vor allem bei den Tüllkleidern Ombré in. Dabei sind die unteren Lagen des Rocks in Cappuccino-Tönen eingefärbt, während die oberen heller sind. Für Bräute, die sich trauen, ist neben Zartrosa vor allem Eisblau eine trendige Alternative.

Die Mode für den Bräutigam setzt 2018 wieder auf einen Klassiker: die Weste. Ansonsten dominiert der Clean-Chic mit schmalem Schnitt und gedeckten Farben. Wer es extravaganter mag, findet auch Hochzeitsanzüge mit Karomuster oder heiratet in Beige oder Flieder.

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Immer beliebt sind Prinzessinenkleider mit einem ab dem Bauchband ausladenden Rock. Auch sie kommen in dieser Saison nicht ohne Spitze aus.

Ehevertrag: Taktlos oder sinnvoll?

Zwei haben sich gesucht und gefunden. Alles passt perfekt, die Liebe soll mit einer Hochzeit gekrönt werden. Doch trotz der Gewissheit, mit dem oder der Richtigen zusammen zu sein, brennt dem einen das Thema Ehevertrag auf den Nägeln. Viele trauen sich nicht, mit dem anderen darüber zu sprechen – aus Angst, den Partner zu verletzen. Paare sollten an dieser Stelle allerdings mehr Mut haben, findet Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht aus Berlin. Denn ein Ehevertrag kann letztendlich sogar für mehr Vertrauen sorgen. „Es ist besser, wenn ein Paar in guten Zeiten festlegt, wie es sich im Falle eines Scheiterns finanziell einigt, als wenn das in schlechten Zeiten mit viel Streit geschieht“, erklärt Becker, die in der AG Familienrecht im Deutschen Anwaltverein tätig ist.

Ein Ehevertrag bietet sich vor allem an, wenn einer im Gegensatz zum anderen über ein großes Vermögen verfügt oder Unternehmer ist. Dann kann verhindert werden, dass im Falle einer Scheidung der andere zu stark vom Geld des anderen profitiert.

Ein Ehevertrag muss immer von einem Notar beurkundet werden. „Viele machen sich aber von dem Dokument völlig falsche Vorstellungen“, sagt der Bonner Notar Michael Uerlings. Ein Ehevertrag ist nach seinen Angaben immer eine individuelle Angelegenheit.

Von Kerstin Hergt/RND

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