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Wirtschaft Elektro-Fachmärkte behaupten sich gegen Amazon
Nachrichten Wirtschaft Elektro-Fachmärkte behaupten sich gegen Amazon
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00:20 01.07.2018
Expert-Markt: „Weiße Ware“ und Smartphones treiben das Wachstum an Quelle: Tim Schaarschmidt
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Langenhagen

Fast jede Woche verkünden Händler neue Hiobsbotschaften. Nicht nur kleine, inhabergeführte Läden verzeichnen Einbußen, auch große Ketten wie H&M, Kaufhof oder Real. Es gibt allerdings eine Branche, in der die klassischen Läden sich behaupten, trotz besonders aggressiver Konkurrenten aus dem Internet: Elektromärkte wie Saturn, Media Markt oder Conrad.

Auch die Expert-Gruppe wächst nach wie vor. Die Zentralgesellschaft mit Sitz in Langenhagen steigerte im letzten Geschäftsjahr ihren Umsatz um 1,3 Prozent, der Gesamtumsatz aller angeschlossenen Fachmärkte legte um 0,7 Prozent zu, wie Expert am Donnerstag mitteilte. Es sind keine traumhaften Zahlen – aber Werte, von denen die meisten Modeketten und Kaufhäuser nur träumen können.

Wachsender Markt zieht alle mit

Fragt man Expert-Chef Jochen Ludwig, warum die Elektromärkte sich besser behaupten als andere, verweist er – überraschend uneitel – erst einmal auf seine „hochinnovativen“ Lieferanten. Vor allem die Hersteller großer Haushaltsgeräte würden immer wieder „Wertgrenzen verschieben“, also Konsumenten mit Neuerungen dazu bewegen, immer mehr Geld für einen Herd oder eine Waschmaschine auszugeben. Hinzu kämen gesellschaftliche Trends wie die Schwemme an Kochsendungen, der aus Italien importierte Kaffee-Kult und der nicht endenwollende Smartphone-Boom.

Anders gesagt: Die Deutschen geben immer mehr Geld für Elektro und Elektronik aus, und das zieht auch die stationären Händler mit. Sie wachsen zwar nicht so schnell wie ihre Online-Konkurrenten, aber immerhin wachsen sie.

Kunden zücken im Laden das Handy

Außerdem, so erklärt Ludwig, hätten die Elektromärkte sich schon besser auf die Online-Konkurrenz eingestellt als andere Branchen. Für Expert-Verkäufer sei es längst „Tageserlebnis“, dass Interessenten im Markt ihr Smartphone zücken und auf günstigere Online-Preise verweisen. Für Ludwig ist so etwas kein Affront, sondern eine Chance, ins Gespräch zu kommen.

Ob es dann einen Rabatt gibt oder nicht, entscheiden die selbständigen Expert-Kaufleute selbst. In der Zentrale in Langenhagen sagt man aber klipp und klar, dass Amazon in der Branche „als Preismarke akzeptiert ist“. Man könne da „gut mithalten“. Außerdem seien Verhandlungen auch immer eine Gelegenheit, über „Gesamtpakete“ zu sprechen, also Ware inklusive Lieferung, Aufstellung oder Service.

Damit die Mitarbeiter mit den Smartphone-bewaffneten Kunden „auf Augenhöhe“ diskutieren und die Online-Preise überprüfen können, stattet Expert sie mit Tablets aus. 1500 der rund 5000 Verkäufer sind schon versorgt, der Rest soll folgen.

Nicht verraten wollen die Langenhagener, wie gut das eigene Online-Geschäft läuft. Zur Höhe des Umsatzes machen sie keine Angaben. „Die Online-Umsätze steigen, aber wir sind noch nicht zufrieden damit“, heißt es nur. Und, dass man nächstes Jahr „den Abstand zu den großen Online-Wettbewerbern verkleinern“ will.

Vermuten kann man jedenfalls, dass Expert noch nicht so weit ist wie der große Konkurrent Media-Saturn, der schon 11 Prozent seiner Erlöse im Netz macht. Gelingt den Langenhagenern die Aufholjagd nicht, dürfte das früher oder später zum Problem werden. Schauen die Deutschen bei Handys oder Waschmaschinen wieder stärker auf den Preis, zum Beispiel, weil die Konjunktur lahmt, wird das die Märkte härter treffen als die Onliner.

Gruppe mit 190 Partnern

1962 schlossen sich zehn Fachhändler in Hannover zur Handelsgesellschaft „Bild und Ton“ zusammen – heute ist sie unter dem Namen Expert die zweitgrößte deutsche Elektro-Kette nach MediaMarkt-Saturn.

Insgesamt gehören 422 Standorte zur Expert-Gruppe. 61 davon betreibt die Langenhagener Zentralgesellschaft selbst, der Rest gehört 190 angeschlossenen Unternehmern. Diese sind Gesellschafter der Zentrale und werden von ihr beliefert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte die Zentrale einen Gewinn von 3,1 Millionen Euro, nach 3,4 Millionen im Vorjahr. Außerdem schüttete sie 204 Millionen Euro an ihre Gesellschafter aus, rund 8 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Von Christian Wölbert

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