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Wirtschaft Enercon steht vor Stellenabbau
Nachrichten Wirtschaft Enercon steht vor Stellenabbau
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00:17 04.08.2018
Enercon verkauft aktuell weniger Windkraftanlagen als geplant. Quelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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Hannover

Der Windkraftanlagenhersteller Enercon will sich unabhängiger von seinem Heimatmarkt Deutschland machen. Weil die Politik die Bedingungen für die Förderung neuer Anlagen verschlechtert habe, gingen die Aufträge aus dem Inland zurück, sagte Konzernchef Hans-Dieter Kettwig am Donnerstag. Deshalb richte Enercon sich künftig „konsequent auf internationale Märkte aus“. Das hat Folgen für die deutschen Zulieferbetriebe – bei ihnen sollen mehr als 800 Stellen wegfallen.

Bisher konzentriert sich das Auricher Unternehmen mit weltweit 18.000 Beschäftigten vor allem auf Deutschland und Europa und kam hier zuletzt auf Marktanteile von 38 beziehungsweise 22 Prozent. Weltweit ist Enercon mit einem Anteil von 7 Prozent eine eher kleine Nummer – international dominieren Vestas, Siemens Gamesa und Goldwind.

Die Probleme bei Enercon haben sich schon länger abgezeichnet. „Wir durchleben turbulente Zeiten“, hatte Konzernchef Kettwig im Herbst dem „Handelsblatt“ gesagt. „Und es wird noch ein paar Erschütterungen in unserer Branche geben.“ Der Bundesverband Windenergie rechnet für 2018 nur mit einem Zubau von bis zu 3500 Megawatt hierzulande. Im ersten Halbjahr war die neu installierte Kapazität mit rund 1600 Megawatt um 29 Prozent niedriger ausgefallen als im Vorjahreszeitraum.

Die Branche macht dafür vor allem den Gesetzgeber verantwortlich: Während die Anlagen-Betreiber früher feste Förderbeträge bekamen, müssen sie sich inzwischen über Ausschreibungen für einzelne Projekte bewerben – den Zuschlag bekommt dann der günstigste Anbieter. Das erhöht den Kostendruck für die Hersteller: So wurden bereits Werke von Senvion in Husum, Powerblades in Bremerhaven und Carbon Rotec in Lemwerder geschlossen. Der Branchenverband BWE sieht jeden siebten der insgesamt 140.000 Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr.

Auch Enercon hat seine Ziele im vergangenen Geschäftsjahr deutlich verfehlt. Das Unternehmen konnte weltweit nur Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3350 Megawatt installieren – das waren 650 Megawatt weniger als geplant. Bereits zu Jahresbeginn hatte man deshalb „unpopuläre Maßnahmen“ angekündigt, um kostengünstiger arbeiten zu können.

Das soll nun offenbar vermehrt im Ausland geschehen. Enercon werde seine Komponenten künftig dort beziehen, wo man die Windkraftanlagen auch installiere, sagte Kettwig. „Aufgrund der angespannten Marktsituation in Deutschland ist eine Auslastung unserer Zulieferer hier im nötigen Umfang nicht mehr möglich.“ Gleichwohl werde Enercon auch weiterhin „auf den deutschen Markt und eine Fortsetzung des Langzeitprojekts Energiewende setzen“.

Bei der Gewerkschaft reagierte man gestern ungehalten auf die Pläne zum Stellenabbau. „Wir sind überrascht“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Leer-Papenburg, Thomas Gelder. Die betroffenen Zulieferer seien nur formal unabhängig und deshalb dem Konzern zuzurechen: „Wir erwarten von Enercon, dass man an anderen Standorten nach Ersatzarbeitsplätzen sucht.“ Sollte das nicht gelingen, dringt die Gewerkschaft auf baldige Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan. „Auch das Land ist gefordert“, sagte Gelder. „Der Wirtschaftsminister muss zu einem Runden Tisch mit allen Beteiligten einladen.“

Von Jens Heitmann

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