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Energiemarkt

Vattenfall verkauft Hochspannungsnetz in Deutschland

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall verkauft sein Hochspannungsnetz in Deutschland. Die rund 9700 Kilometer Netz gehen an zwei Eigentümer aus Belgien und Australien.
Energiekonzern Vattenfall verkauft Stormnetz in Deutschland.

Energiekonzern Vattenfall verkauft Stormnetz in Deutschland.

© dpa

Nach Eon hat auch der Versorger Vattenfall sein deutsches Hochspannungsnetz an Investoren im Ausland verkauft. Die 9700 Kilometer langen Stromtrassen im Osten und Norden der Republik gehen für rund 500 Millionen Euro an den belgischen Betreiber Elia und den australischen Investor Industry Funds Management (IFM). Die Transaktion wurde am Freitag bekanntgemacht. Sie werde „keine Auswirkungen auf die Übertragungstarife für Endverbraucher haben“, teilten die neuen Eigentümer in Berlin mit.

Damit haben zwei der vier deutschen Stromriesen ihr Netz abgegeben. Die beiden anderen, RWE und EnBW, wollen ihre Leitungen behalten. Die von der Bundesregierung angestrebte unabhängige Gesellschaft mit einem gesamtdeutschen Netz ist damit in weite Ferne gerückt.

Das Vattenfall-Netz ist das Rückgrat der Versorgung von mehr als 18 Millionen Menschen. Es sichert die Verbindung von Europas größtem Strommarkt nach Dänemark, Polen und Tschechien. Wegen der Nähe zu den nord- und ostdeutschen Windkraftstandorten hat dieses Netz besondere Bedeutung für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Es erstreckt sich über die fünf neuen Bundesländer und Hamburg.

Der Wert der Vattenfall-Netzbetriebsgesellschaft 50Hertz Transmission GmbH wurde mit 810 Millionen Euro angegeben. 60 Prozent des Unternehmens gehen an Elia und 40 Prozent an IFM. Die neuen Eigentümer übernehmen aber auch Schulden in Höhe von 320 Millionen Euro, sagte der Vorstandschef von Vattenfall Europe, Tuomo Hatakka, am Freitag in Berlin. Diese Summe habe 50Hertz in Form eines Beteiligungsdarlehens erhalten. Vattenfall Europe ist die deutsche Tochter des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall.

Elia und IFM hoben hervor, sie wollten langfristig engagiert bleiben. Die künftigen Eigentümer übernehmen auch von Vattenfall zugesagte Investitionen. Elia-Vorstandschef Daniel Dobbeni wollte sich aber nicht zu einzelnen Projekten äußern. Er bezeichnete die Netze von Elia und Hertz50 als „Bindeglieder für ein europäisches Verbundsystem“.

Der größte deutsche Energiekonzern Eon hatte bereits im Februar sein Hochspannungsnetz an die niederländische Tennet verkauft. Die Karslruher EnBW hat keine entsprechende Pläne. „Unsere Position ist da unverändert“, sagte eine Sprecherin am Freitag auf Anfrage. „Wir wollen unsere Netz behalten. Sie sind integraler Bestandteil unseres Kerngeschäfts.“

Hatakka sagte, die Käufer aus Belgien und Australien erfüllten die Anforderungen an Finanzstärke und langfristige Zuverlässigkeit. Die Übernahme soll bis Ende Juni abgeschlossen werden und muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Er erwarte dabei keine Probleme, sagte der Vattenfall-Europe-Chef. Letztlich sei der Verkauf eine strategische Entscheidung gewesen. „Es gehört zu einem guten Markt, dass man Netze von Erzeugung trennt“, fügte er hinzu.

Die Frage der Netze spielt eine wichtige Rolle im politischen Ringen um mehr Wettbewerb und niedrigere Preise auf den europäischen Energiemärkten. Eon hatte mit der EU-Kommission vereinbart, sein Netz abzugeben und sich von Kraftwerkskapazitäten zu trennen. Damit wurde ein lange schwelender Kartellstreit beigelegt. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag das Ziel festgeschrieben, die Netze aller vier großen Strombetreiber in Deutschland in einer unabhängigen „Netz AG“ zu verschmelzen.

„Natürlich haben wir die Transaktion mit der Bundesregierung diskutiert“, sagte Hatakka. Es habe aber keine große Kritik an dem Vorhaben gegeben. Er halte eine europäische Netz SE für wichtiger als eine deutsche Netz AG. „Wir brauchen eine europäische Perspektive für den Netzausbau, um Engpässe zu beseitigen.“

Die Umweltorganisation Greenpeace bewertete den Verkauf als „richtigen Schritt zum Knacken der Monopolstellung der vier großen Energiekonzerne“. Allerdings habe Vattenfall das Stromnetz für einen Apfel und ein Ei bekommen und „sich mit dem Verkauf jetzt eine goldene Nase verdient“.

dpa


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