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Eine Frage der Brille

IFA lockt mit Fernsehen in 3D

In die Röhre guckt man auf der IFA schon lang nicht mehr - dafür durch die Brille. 3D-Fernsehen war am ersten Tag der Publikums-Hit. Aber mancher zweifelt, ob das auch etwas für zu Hause ist.
© dpa

Die IFA im Zeichen der Brille: Tausende Technikfreunde blicken auf der Funkausstellung in Berlin in die dreidimensionale Zukunft des Fernsehens. Die Technik, die flache Fernsehbilder um die räumliche Dimension erweitert, stand am ersten Messetag am Freitag klar im Mittelpunkt. „Alles ist zum Anfassen nah“, „beeindruckend“, waren die Kommentare. Der Durchbruch für den Hoffnungsträger der Branche? Wohl noch nicht. Viele können sich nicht vorstellen, die für 3D notwendige Spezialbrille auch daheim zu tragen.

Bis Mittwoch zeigen auf der nach Fläche größten Elektronikmesse der Welt mehr als 1400 Aussteller ihre Neuheiten. 230 000 Besucher werden bis Mittwoch erwartet. Sie drängten sich am Freitag auch besonders um Fernseher mit Internetanschluss. Verpasste Filme aus Mediatheken ziehen, online Videos ausleihen, Bildschirmtelefonie - viele Besucher staunten über die neuen Möglichkeiten. Die Messegesellschaft sprach von einem „starken Start“. Sprecher Michael Hofer hob den großen Andrang in den Fachhändlerbereichen hervor.

Die noch junge Hausgeräte-Abteilung auf der IFA muss den Vergleich mit der Unterhaltungselektronik nicht mehr scheuen. Dichte Menschentrauben umgaben die zahllosen Kochshows, Besucher standen für Kaffee-Proben Schlange. Eine Firma wie der Espressomaschinenhersteller DeLonghi macht inzwischen 40 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland auf der IFA.

Blickfänger waren propellerlose Ventilatoren, Kühlschränke und Trockner mit immer größeren Sparversprechen oder Waschmaschinen, die das Waschmittel automatisch dosieren. „Für mich ist das eine Mischung aus Empire-State-Building, Maschinengewehr und Blumenvase“, spottete Komiker Wigald Boning über die Einfüllvorrichtung.

Das Marktforschungsinstitut GfK machte den Hausgeräte-Herstellern am Freitag Hoffnung. Weltweit zögen die Märkte an, auch in Europa, wo der Absatz aber noch auf dem Niveau von 2006 liege. Vielerorts befeuerten staatliche Anreizsysteme zum Kauf energieeffzienter Geräte den Markt.

Auch die Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik-Hersteller sind optimistisch. 636 Euro erhoffen sie sich in diesem Jahr im Schnitt von jedem Haushalt, und die Fülle des Angebots ließ manchem auf der IFA den Schädel rauchen. Geduldige Hostessen lotsten geduldig durch den Kürzel-Dschungel von HbbTV, HDMI, LTE und natürlich: 3D-TV. 100 000 Geräte mit dreidimensionaler Darstellung sind in Europa nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik verkauft, bis zum Jahresende sollen es knapp eine Million werden.

Allerdings gibt es derzeit kaum Filme in 3D, und Forscher werden noch Jahre brauchen, bis man den Effekt auch ohne Brille bekommt. „Solange die Leute Brillen aufsetzen müssen, wird sich das nicht durchsetzen“, meint deshalb der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Außerdem seien die wirklich guten Geräte für Normalkunden noch zu teuer, sagte Bolz im ARD-Mittagsmagazin.

Verbunden war der erste IFA-Tag angesichts der rasanten technischen Entwicklung auch mit Skepsis: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Vorabend moniert, dass bei den Inhalten die Tiefgründigkeit verloren gehen könnte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) warnte beim Eröffnungsrundgang davor, im Internet zu viel von sich Preis zu geben. Dazu passte der Tipp in einer Netz-Etikette-Sammlung am Stand der Telekom: „Stelle nur Bilder ins Netz, die Deine Mutter freigeben würde.“

dpa


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