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Wirtschaft Der Arbeitsmarkt macht Reiche noch reicher
Nachrichten Wirtschaft Der Arbeitsmarkt macht Reiche noch reicher
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21:11 13.06.2017
Während es im Bereich der mittelqualifizierten Beschäftigung immer weniger Jobs gibt, steigt der Bedarf an niedrigqualifizierten Arbeitskräften.  Quelle: dpa
Berlin

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat vor gesellschaftlicher Spaltung durch wachsendes Auseinanderklaffen der Einkommen gewarnt. „Die Einkommensungleichheit ist beispiellos im Moment und gefährdet den sozialen Zusammenhalt“, sagte OECD-Generalsekretär Ángel Gurría am Dienstag bei einer Konferenz in Berlin. Laut OECD ist das Einkommensgefälle auf dem höchsten Stand seit 50 Jahren.

Einkommenskluft in OECD-Ländern so groß wie nie

Das durchschnittliche verfügbare Einkommen der reichsten 10 Prozent der Bevölkerung stieg im OECD-Raum demnach auf über das Neunfache des Einkommens der ärmsten 10 Prozent. Vor einem Vierteljahrhundert war es nur siebenmal so hoch.

Auch in Deutschland gibt es die sogenannte „Lohnspreizung“: Seit dem Jahr 2000 ist das Einkommen des neunten Lohndezils in der Bundesrepublik, also der zweitreichsten zehn Prozent der Bevölkerung, vom 3-fachen auf das 3,4-fache des ersten Lohndezils, also der zehn Prozent der Bevölkerung mit dem niedrigsten Einkommen, gestiegen. Das zeigt ein neuer Beschäftigungsausblick, der bei der Konferenz vorgestellt wurde.

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Immer weniger Jobs für Menschen mit mittlerer Qualifikation

Gleichzeitig arbeiten immer weniger Menschen in den OECD-Staaten in Jobs für Mittelqualifizierte und mit mittlerem Lohn. Der Anteil der Jobs für Arbeitskräfte mit mittlerer Qualifikation fiel zwischen 1995 und 2015 um 7,6 Prozentpunkte. Der Anteil an Arbeitsplätzen für hoch und gering qualifizierte Arbeitskräfte stieg zwischen 1995 und 2015 dagegen an.

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Tiefgreifender technologischer Wandel ist laut OECD die Hauptursache für die „Beschäftigungspolarisierung“. Denn Beschäftigung verlagert sich weg vom verarbeitenden Gewerbe hin zu Dienstleistungen. Auch innerhalb der einzelnen Branchen gebe es eine deutliche Polarisierung. Viele Fabrikarbeiter hätten etwa schlechter bezahlte Dienstleistungsjobs annehmen müssen.

Automatisierung könnte Arbeitsplätze vernichten

Neun Prozent der Arbeitsplätze in den OECD-Ländern könnten in den kommenden Jahren automatisiert werden, heißt es in dem Bericht weiter. Deutschland wäre davon besonders stark betroffen: 43 Prozent der Jobs seien demnach von Automatisierung stark gefährdet oder könnten sich dadurch signifikant verändern. Die Bundesrepublik liegt damit deutlich über dem OECD-Mittelwert von 34 Prozent.

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Die Forscher beschreiben einen Prozess der „De-Industrialisierung“, wonach Arbeitsplätze vom produzierenden Gewerbe in den Dienstleistungssektor abwandern. Der Bericht empfiehlt Politikern, „dass Bildung die jungen Menschen mit soliden Sprach- und Rechenkenntnissen, sowie Problemlösungsstrategien, aber auch elementaren Computer-Fertigkeiten und Soft-Skills ausrüstet“. Auch ältere Arbeitnehmer sollten Möglichkeiten zu Fortbildungen bekommen, da sie im Bereich der digitalen Fähigkeiten besonders schlecht abschnitten.

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Gleichberechtigung: Deutschland schlechter als der Durchschnitt

Doch der Bericht hat auch positive Seiten: Er prognostiziert etwa, dass die langsame Verbesserung von Arbeitsmarktbedingungen ab jetzt bis Ende 2018 anhalten solle. So steige der Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung OECD-weit von 60,8 auf 61,5 Prozent. Deutschland schneidet hier mit einer Verbesserung von 66,4 auf 67,4 Prozent besonders gut ab.

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Gleichzeitig gehe die Arbeitslosenrate OECD-weit nach unten. Ausnahmen seien unter anderem Groß-Britannien, Estland und Mexiko. Für Griechenland, Portugal und Italien, die im Euro-Raum die höchsten Arbeitslosigkeitsraten aufweisen, prognostizieren die Forscher teils deutliche Erholungen.

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Was die Lohngleichheit von Männern und Frauen angeht, hat Deutschland laut dem Bericht zwar aufgeholt, liegt aber bei der Lücke im Jahreseinkommen immer noch deutlich über dem Durchschnitt. Seit 2005 sei der Unterschied zwar von 51,4 Prozent auf 45,4 Prozent gefallen – OECD-weit liegt der Wert aber bei 39 Prozent (von 43,5).

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Nahles will 20 000 Euro pro Kopf für Qualifizierung und Ehrenamt

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigte sich bei der Vorstellung des Berichts optimistisch, „dass der Transformationsprozess der Digitalisierung und Globalisierung gut gemeistert werden kann“. Wegen der schnellen technischen Entwicklung sei die Zeit aber knapp. „Es geht nicht immer ohne Ruckeln.“

Nahles gab dabei bekannt, sie für ein persönliches Erwerbstätigenkonto mit 20 000 Euro Guthaben für jeden Über-18-Jährigen eintritt, der eine Arbeit aufnimmt. „Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer bekommt ein Startguthaben“, sagte Nahles. Einkommensausfälle bei Qualifizierung, Existenzgründung oder ehrenamtlichem Engagement sollten so kompensiert werden können.

20 000 Euro könnte eine sinnvolle Summe sein. „Wir sind bei dieser Idee am Anfang“, räumte Nahles ein. Nun komme es ihr darauf an, Unterstützung dafür zu sammeln. Zur Finanzierung wollte sie sich deshalb zunächst nicht äußern. OECD-Generalsekretär Ángel Gurría lobte die Pläne.

Vorgeschlagen hatte Nahles so ein Konto bereits Ende November. Nahles` Staatssekretär Thorben Albrecht hatte gesagt, man brauche erstmal das nötige Steuergeld.

Nahles verhöhnt die Betroffenen“

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach lobte, dass die OECD nicht mehr Deregulierung um fast jeden Preis wolle, sondern verstärkt auch Arbeitnehmerrechte. Linke-Chef Bernd Riexinger sagte, Nahles` Aussage, die Anpassungen an die Digitalisierung gingen nicht „ohne Ruckeln“, verhöhnten die Betroffenen und ihr Schicksal.

Von RND/Kilian Haller/dpa

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