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Wirtschaft Continental vernetzt Reifen, um Unfallrisiko zu senken
Nachrichten Wirtschaft Continental vernetzt Reifen, um Unfallrisiko zu senken
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00:19 25.03.2018
Continental-Reifen. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Kann ein Lkw-Reifen intelligent sein? „Continental und Vodafone machen Nutzfahrzeug-Reifen schlau“, verkündeten die beiden Unternehmen am Donnerstag. Das ist wohl etwas übertrieben. Allerdings kann man sagen, dass die neue Technik der Hannoveraner und Düsseldorfer die Betreiber großer Lkw-Flotten schlauer macht. Diese können künftig im Internet sehen, welcher Reifen an welchem ihrer Fahrzeuge zu wenig Luft hat.

„Wir haben Kunden mit einer vierstelligen Zahl von Lkw“, erklärte ein Conti-Sprecher. Die Spediteure könnten mit dem neuen System viel Zeit sparen, weil sie nicht mehr jedes Fahrzeug einzeln kontrollieren müssten. „Sie sehen ihre ganze Flotte auf einen Blick.“

Das neue System namens ContiConnect besteht aus drei Teilen: aus Sensoren in den einzelnen Reifen, einer Empfängereinheit sowie einem Internet-Portal. Die Sensoren erfassen laufend Reifendruck und -temperatur. Sie senden diese Daten an eine Empfängereinheit, sobald der Lkw in deren Nähe steht – zum Beispiel im Hof des Spediteurs oder an einer Tankstelle. Von dort wandern die Informationen über das Mobilfunknetz ins Internet, wo der Spediteur sie einsehen kann. Ist der Druck stark abgefallen, alarmiert das System ihn sowie den Fahrer zudem per SMS. 

Die Sensoren selbst sind zwar nicht neu. Bislang funkten sie ihre Daten allerdings nur an einen Empfänger im Lkw, der sie dem Fahrer auf einem Display im Cockpit anzeigte, ähnlich wie in modernen Pkw. 

Langfristig wollen Conti und Vodafone auch die Empfängereinheit an der Tankstelle überflüssig machen: Die Daten sollen dann vom Lkw in Echtzeit ins Internet gefunkt werden. Auch andere große Reifenhersteller wie etwa Pirelli arbeiten daran, Reifen mit Hilfe von Sensoren zu überwachen und zusätzliche Dienste aufzusetzen. 

Die Technik soll die Zahl von Reifenplatzern senken und damit auch das Unfallrisiko reduzieren. Nach Angaben von Conti fahren viele Lkw mit deutlich zu wenig Reifendruck. Das erhöht die Aufstandsfläche, die Reifen nutzen schneller ab. „Flottenmanager können Reifenwechsel besser planen und Wartungen zielgerichtet in Auftrag geben“, werben Conti und Vodafone.

1000 Liter im Jahr sparen

Außerdem verbrauchen Lkw mehr Sprit, wenn sie mit zu wenig Druck fahren. „Fährt ein Reifen mit einem Fülldruck von nur 80 Prozent, werden rund 0,9 Liter mehr pro 100 Kilometer Kraftstoff verbraucht. Das entspricht bei einer Fahrstrecke von 120.000 Kilometer im Jahr einem Mehrverbrauch von 1080 Liter Kraftstoff pro Reifen“, rechnen die Anbieter vor.

Wie viel das System kostet, verrät Conti nicht. Bei Testkunden in den USA habe es sich aber schon nach weniger als einem Jahr amortisiert. In den USA, Kanada, Malaysia und Thailand ist es ab sofort verfügbar. Weitere Länder sollen folgen, darunter auch Deutschland. 

Das Ende der Reifen-Digitalisierung ist mit der Druck-Kontrolle nicht erreicht. Continental arbeitet auch daran, die Profiltiefe mit Sensoren zu erfassen. „Die aktuellen Lösungen sind noch nicht exakt genug“, sagte ein Sprecher.

Von Christian Wölbert und Renate Grimming

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