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Wirtschaft Azubis im Stress - Was eine Ausbildung für viele zur Belastung macht
Nachrichten Wirtschaft Azubis im Stress - Was eine Ausbildung für viele zur Belastung macht
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22:54 03.09.2018
Aller Anfang ist schwer – nicht nur angehende Schweißer können in der Ausbildung auf Probleme stoßen. Quelle: Foto: Oliver Berg/dpa
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Berlin

Druck vom Chef, Überstunden, lange Arbeitstage – viele Azubis in Deutschland klagen über Stress im Job. Das zeigt der Ausbildungsreport 2018, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu Beginn des Ausbildungsjahrs am Montag vorgestellt hat. Über Monate waren fast 15.000 Azubis befragt worden.

Welche Sorgen haben Azubis mit ihren Arbeitszeiten?

Regelmäßig Überstunden müssen 36,3 Prozent der Azubis leisten. 13 Prozent von ihnen bekommen sie nicht bezahlt oder zeitlich ausgeglichen – obwohl das gesetzlich vorgeschrieben ist. Ein Viertel der Azubis arbeitet in Schichten, und bei der Hälfte von ihnen wird die vorgeschriebene Ruhezeit von elf Stunden nicht eingehalten. Bei 54,4 Prozent der Azubis erwarten die Chefs mobile Erreichbarkeit außerhalb der Ausbildungszeiten.

Läuft die Ausbildung immer nach Plan?

Nein. Jedem dritten Azubi fehlt die Voraussetzung, die Lerninhalte zu überprüfen: der gesetzlich vorgeschriebene Ausbildungsplan, der die Lehre gliedern soll. Der Anteil derer, die häufig ausbildungsfremde Arbeiten machen müssen, stieg binnen eines Jahres von 10,5 auf 11,9 Prozent.

Sind die Azubis überwiegend unzufrieden mit ihrer Lehre?

Nein. Insgesamt waren rund 70,2 Prozent der Azubis mit ihrer Lehre sehr zufrieden oder zufrieden. In den vergangenen Jahren aber lagen die Werte etwas höher.

Wo gibt es die meisten Probleme?

Angehende Hotelfachleute, Zahnmedizinische Fachangestellte, Einzelhändler, Tischler und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk bewerten ihre Lehre überdurchschnittlich schlecht. Besonders gut schneiden hingegen Ausbildungen zu Verwaltungsfachangestellten ab, zu Mechatronikern, Industriemechanikern und Elektronikern für Betriebstechnik.

Wie ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt aktuell?

Die Bundesagentur für Arbeit erwartet, dass es 2018 weniger Bewerber als Stellen in der betrieblichen Ausbildung gibt. So wurden 531 426 Lehrstellen fürs neue Ausbildungsjahr gemeldet, aber nur 501 878 Interessenten. Die Schülerzahlen sinken – der Bedarf der Firmen an Mitarbeitern steigt.

Was plant die Bundesregierung?

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will die Ausbildung stärken. So sollen kleine Betriebe, in denen die Ausbildungsquote zurückgegangen ist, dabei unterstützt werden, eine Ausbildereignung zu machen und Lehrstellen anzubieten. Das Berufsbildungsgesetz soll reformiert, eine Mindestausbildungsvergütung verankert werden.

Was fordert der DGB?

DGB-Vize Elke Hannack dringt darauf, dass Karliczek Dampf macht. „Dreh- und Angelpunkt sind gute und engagierte Ausbilderinnen und Ausbilder in den Betrieben“, sagt sie. Sie müssten durch ein Recht auf Weiterbildung gestärkt werden.

Was verlangt der DGB beim Geld?

Als Mindestvergütung für Azubis fordert der DGB im ersten Ausbildungsjahr 635 Euro im Monat, im zweiten Jahr 696 Euro und im dritten 768 Euro. Laut Ausbildungsreport gibt es große Branchenunterschiede: Für angehende Tischler gebe es 573 Euro im ersten Jahr, für Friseure nur 406 Euro. Weit besser schneiden etwa Bankkaufleute mit 1028 Euro im dritten Lehrjahr ab.

Von Basil Wegener/dpa

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