Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Lebensmittel-Lieferdienste tun sich schwer
Nachrichten Wirtschaft Lebensmittel-Lieferdienste tun sich schwer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:36 26.05.2018
Amazon-Fresh-Lager in Berlin: Auf Dauer ein Nischenphänomen? Quelle: dpa
Düsseldorf

Die Sorgen waren groß, als Amazon vor einem Jahr seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh in Deutschland startete. „Wir müssen uns warm anziehen“, sagte zum Beispiel der damalige Rewe-Chef Alain Caparros. Doch auch ein Jahr danach lässt der Boom des Online-Handels mit Dingen wie Obst, Fleisch oder auch Zahnpasta auf sich warten: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kommt in einer aktuellen Studie zum Ergebnis, das Segment trete in Deutschland „mehr oder weniger auf der Stelle“.

Die Marktforscher sind mit ihrer Einschätzung nicht allein. Auch der E-Commerce-Experte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) hat Zweifel, ob sich der Online-Lebensmittelhandel noch zum Massenmarkt entwickeln wird. Möglicherweise sei das Angebot doch nur für spezielle Zielgruppen interessant.

Amazon selbst legt bei dem von der Konkurrenz anfangs mit so großer Sorge betrachteten Ausbau bisher ein überraschend geruhsames Tempo vor. Amazon Fresh ist ein Jahr nach dem Start nur in Berlin, Hamburg und München tätig.

Rückzieher von Lidl

Die eingesessenen Supermarktketten beeilen sich auch nicht mehr, ihre eigenen Lieferdienste auszuweiten. „Viele haben einen Gang zurückgeschaltet“, sagt Handelsexperte Hudetz. Beim Branchenvorreiter Rewe stagniert die Zahl der abgedeckten Regionen seit geraumer Zeit bei 75. Großstädte wie Hannover und Braunschweig gehören zum Liefergebiet, kleinere Städte wie Celle oder Neustadt am Rübenberge nicht.

Bei Edeka liefern nur wenige der selbständigen Kaufleute zum Kunden nach Hause. „Online ist ein Nischenphänomen. Wir drücken das nicht in Zahlen aus“, sagte Mark Rosenkranz, Chef der Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover, vor Kurzem. Der Discounter Lidl hat im Herbst sogar fast alle Lebensmittel wieder aus seinem Online-Shop herausgenommen. Aldi Süd und Aldi Nord haben das neue Geschäftsmodell in Deutschland noch gar nicht ausprobiert.

Warum der Online-Handel mit Lebensmitteln nicht richtig in Gang kommt, dafür haben die GfK-Experten eine einfache Erklärung: Die Kern-Klientel seien Stadtbewohner, auch weil die Angebote derzeit nur sie betreffen. Doch gerade für Städter sei der Online-Einkauf oft umständlicher als der schnelle Besuch in einem der vielen Läden in der Nachbarschaft.

In der Stadt umständlich, auf dem Land teuer

„Bevor man sich durch die Produktlisten geklickt hat und dann auch noch eine zumeist kostenpflichtige Terminlieferung vereinbart, für die man dann auch noch wirklich zu Hause sein muss, geht der Stadtbewohner doch lieber schnell einmal vor die Tür“, erklären die Marktforscher.

Auf dem Land habe der Online-Handel wegen der geringeren Supermarktdichte zwar theoretisch ein größeres Kundenpotenzial. Doch hier rechne sich das Angebot für die Händler häufig nicht, weil die Zustellung mit den großen Entfernungen zu teuer sei.

Nach den jüngsten Zahlen des E-Commerce-Branchenverbandes bevh lagen die Umsätze im Internethandel mit Lebensmitteln im ersten Quartal 2018 zwar immerhin um gut 16 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das klingt sehr ordentlich, doch in anderen Bereichen wie Bücher erzielten Amazon und Co. anfangs zum Teil dreistellige Wachstumsraten. Und insgesamt liegt der Online-Anteil am Gesamtumsatz mit Konsumgütern des täglichen Bedarfs nach wie vor deutlich unter zwei Prozent.

Von Erich Reimann und Christian Wölbert

Wirtschaft Urteil im Bundesverfassungsgericht - Kabinett entschädigt Konzerne für Atomausstieg

Der Atomausstieg hat viele Energiekonzerne überrascht und einige sogar in finanzielle Notlage gebracht. Nun hat das Bundeskabinett eine Entschädigung für die Einbußen auf den Weg gebracht.

23.05.2018

Wegen Salmonellen-Verdachts hat der Supermarkt-Riese Kaufland eine Mandelsorte zurückgerufen. Die Erreger können Durchfall und Erbrechen hervorrufen.

22.05.2018

Der Rückgang von Schäden und Kosten lässt bei Niedersachsens größtem Versicherer den Gewinn steigen. Allerdings hat die VGH auch viele Kunden verloren. Jetzt will sie wieder Gas geben, aber vorsichtig.

25.05.2018