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Wirtschaft Allianz hält die Zinsen für Lebensversicherer stabil
Nachrichten Wirtschaft Allianz hält die Zinsen für Lebensversicherer stabil
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00:18 07.12.2017
Der Allianz-Konzern in München hat entschieden, die Gewinnbeteiligung der Kunden in diesem Jahr nicht anzutasten. Quelle: dpa
Hannover

Stets zum Jahresende legen die deutschen Lebensversicherer fest, wie sie im folgenden Jahr das Geld ihrer Kunden verzinsen. Wie üblich gehört auch jetzt die Allianz Lebensversicherung zu den Vorreitern: Am Montag teilte Deutschlands größter Versicherungskonzern mit, dass er diesen Wert im kommenden Jahr konstant halten will. Damit gebe er „ein starkes Signal“ an seine Kunden, erklärte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber. Es ist aber auch ein Signal an die Konkurrenz, die das Verhalten des Marktführer aufmerksam beobachtet. 

Damit bekommen bei der Allianz die Lebensversicherungs-Kunden im Jahr 2018 für herkömmliche Verträge 2,8 Prozent in Form der sogenannten laufenden Verzinsung gutgeschrieben. Da zum Vertragsende noch ein zusätzlicher Schlussgewinn ausgezahlt wird sowie ein Anteil an den sogenannten Bewertungsreserven, summiert sich die Gesamtverzinsung der klassischen Lebens- beziehungsweise Rentenversicherung auf 3,4 Prozent. 

Allerdings ist diese Variante mit einem für die ganze Laufzeit geltenden Garantiezins sowie der zusätzlichen Überschussbeteiligung nicht nur bei der Allianz ein Auslaufmodell. Wegen der extremen Niedrigzinsen am Kapitalmarkt haben viele Versicherungsunternehmen in den vergangenen Jahren neue Tarife auf den Markt gebracht, die den Versicherten weniger Leistung garantieren, ihnen dafür aber höhere Renditen ermöglichen, weil die Versicherer das Geld lukrativer anlegen können. 

So bietet die Allianz seit mehr als vier Jahren Verträge an, bei denen nur garantiert ist, dass zum Schluss mindestens die eingezahlten Beiträge noch da sind. Dafür fällt die nicht garantierte Überschussbeteiligung etwas höher aus. Für 2018 schreibt der Versicherer auf diese Verträge insgesamt 3,7 Prozent gut. Inzwischen würden sich die meisten Kunden für dieses Angebot entscheiden, berichtet die Allianz. So habe die Zahl der Vertragsabschlüsse in den ersten neuen Monaten mit 150 000 den Vorjahreswert um etwa 50 Prozent übertroffen. Dagegen würden klassische Lebensversicherungen „kaum mehr nachgefragt“. Die Allianz rechnet damit, dass die Nachfrage 2018 weiter zunimmt. Schließlich sieht die Verzinsung im Vergleich zu den Zinsen für Geldanlagen bei der Bank attraktiv aus. 

Wie es die Konkurrenten mit der Gewinnbeteiligung im nächsten Jahr halten, ist noch weitgehend unbekannt. Nur wenige haben sich bisher geäußert. Vor wenigen Tagen hatte die Alte Leipziger mitgeteilt, dass sie die Verzinsung senkt. Dagegen hieß es am Montag bei der Versicherungsgruppe Hannover (VGH), dass die Provinzial Lebensversicherung Hannover die Überschussbeteiligung der Kunden gegenüber 2017 nicht verändern wird. Damit bleibt es in der klassischen Variante bei 2,5 Prozent laufenden Verzinsung und 4 Prozent Gesamtverzinsung. Die VGH bietet jedoch seit einiger Zeit ebenfalls Verträge an, die weniger Garantie, aber dafür mehr Gewinnchancen biete. Die traditionelle Lebens- beziehungsweise Rentenversicherung habe aber noch nicht ausgedient, sie sei weiter gefragt, erklärte ein Sprecher. Auch die Concordia in Hannover tastet die Gewinnbeteiligung dieses Jahr nicht an. Dagegen hieß es bei der Hannoverschen Leben, dass noch keine Entscheidung getoffen sei. 

Die Lebensversicherer stehen seit Jahren wegen der Minizinsen am Kapitalmarkt unter Druck, der sich sogar stetig verschärft. Sie sitzen schließlich auf einem großen Berg an alten Verträgen mit hohen Garantiezinsen für die Kunden von bis zu 4 Prozent. Wer dagegen heute einen neuen Vertrag abschließt, bekommt nur noch 0,9 Prozent auf den Sparanteil der Prämie garantiert. So muss zum Beispiel die Allianz ihren riesigen Bestand an klassischen Verträgen durchschnittlich noch mit 2,7 Prozent verzinsen. 

Dies ist gemessen an den Zinsen, die die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen heute erzielen können, ein hoher Wert. Sichere Anlagen wie zum Beispiel zehnjährige Bundesanleihen bieten heute gerade mal eine Rendite von 0,3 Prozent. Und auch vergleichbare Unternehmensanleihen verzinsen sich, soweit sie als sicher gelten, nur noch mit etwa einem Prozent. 

Noch profitieren die Lebensversicherer zwar von einem hohen Berg an alten Kapitalanlagen mit weit höheren Zinsen, aber er wird jedes Jahr kleiner, weil die Papiere auslaufen. Deshalb müssen die Lebensversicherer auf Druck der Aufsicht schon seit mehreren Jahren die sogenannte Zinszusatzresserve aufbauen. Dabei handelt es sich um ein zusätzliches Sicherheitspolster, damit die Unternehmen auch noch in einigen Jahren die Garantien erfüllen können, die sie ihren Kunden gegeben haben. Ende 2016 hatten die 84 von der Aufsichtsbehörde Bafin kontrollierten Lebensversicherer schon 44 Milliarden Euro in diese Reserve gesteckt. Da nun aber jährlich mehr als 20 Milliarden Euro in diesen Topf fließen, dürfte er nach Einschätzung der Aufsicht bis Ende 2021 auf 175 Milliarden Euro anschwellen. Um diese gewaltige Summe überhaupt aufbringen zu können, müssen die meisten Versicherer Reserven angreifen, die in ihren Anleihenbeständen stecken. Sie verkaufen also Anleihen, um die darin enthalten Kursgewinne zu realisieren. Auch die Kunden bekommen dies zu spüren, weil ihre Überschussbeteiligung dadurch künftig noch stärker gekürzt werden muss als ohnehin schon wegen der Niedrigzinsen. 

Von Albrecht  Scheuermann

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