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Wirtschaft Was der neue Mobilfunkstandard 5G bringt
Nachrichten Wirtschaft Was der neue Mobilfunkstandard 5G bringt
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00:46 15.06.2018
Im Takt: Die Professoren Sami Haddadin und Gerhard Fettweis trainieren dank 5G-Mobilfunk mehrere Roboter synchron Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Einige Funktionen des kommenden Mobilfunkstandards 5G klingen fast nach Science Fiction. Zum Beispiel das „Beamforming“. Dabei versorgen Basisstationen bestimmte Orte temporär mit hoher Leistung, zum Beispiel das Messegelände in Hannover während der Cebit. Die Antennen können sogar fahrende ICE „verfolgen“, damit auch bei 300 km/h der Videostream nicht ruckelt. Und natürlich beschleunigt der Standard das mobile Surfen. 10 Gigabit pro Sekunde sind theoretisch möglich, das ist zehn Mal so schnell wie beim aktuellen 4G.

Für den hannoverschen Robotik-Forscher Sami Haddadin, den Dresdner Mobilfunkprofessor Gerhard Fettweis und den Deutschland-Chef von Vodafone, Hannes Ametsreiter, ist jedoch ein anderer 5G-Vorteil wichtiger: die extrem kurze Reaktionszeit oder, wie Fachleute sagen, niedrige Latenz. Das sagen die drei unabhängig voneinander, als sie nacheinander zum Gespräch im Vodafone-Pavillon auf der Cebit eintrudeln. Ametsreiter hat gerade seine Pressekonferenz gehalten. Die Professoren Haddadin und Fettweis sind dabei, weil der Mobilfunkkonzern ihre Forschung finanziell fördert.

Ferngesteuerter Roboter mit Feingefühl

Im aktuellen 4G-Standard reagieren Roboter oder Autos bestenfalls binnen 40 Millisekunden auf einen Befehl aus dem Netz. 5G verkürzt den Wert auf 1 Millisekunde. Eine Maschine antwortet dann genau so schnell auf einen Reiz wie ein Mensch, der einen Ball auf sich zufliegen sieht. „Wenn wir Menschen mit Technik angenehm interagieren wollen, brauchen wir diese niedrige Latenz“, sagt Fettweis. Wer schon einmal über Skype telefoniert hat und aufgrund der Verzögerung ständig seinem Gegenüber ins Wort gefallen ist, weiß, was er meint.

Haddadin erklärt es am Beispiel eines Roboters, der aus der Ferne von einem Arzt gesteuert wird. Mit aktueller Technik könnte der Arzt den Patienten nicht abtasten, weil er Widerstände viel zu spät spüren würde. „Mit 5G agieren Sie aus der Ferne taktil und audiovisuell so, als wären Sie vor Ort.“ Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ könnten so zum Beispiel Ebola-Patienten helfen, ohne sich in Gefahr zu begeben.

2020 soll der Ausbau beginnen

Auch die Industrie soll vom neuen „Echtzeit“-Gefühl profitieren. Haddadin und Fettweis demonstrieren das mit zwei Roboter-Armen. Führen sie den ersten Roboter mit der Hand zu einem Werkstück, um ihn neu zu programmieren, folgt der zweite Roboter dieser Bewegung ohne wahrnehmbare Verzögerung. Künftig sollen Ingenieure Hunderte Maschinen synchron einrichten können, auch wenn die eine Hälfte in Deutschland steht und die andere Hälfte in China.

Vodafone-Chef Ametsreiter nennt Virtual Reality als ein Beispiel für die Vorteile niedriger Latenz. „Nutzer können die virtuelle Welt mit ihren Sinnen dann deutlich besser wahrnehmen“, erklärt er. Die meisten Vorteile sieht er jedoch im Bereich der Industrie oder beim autonomen Fahren. „Die Wirtschaft wird smarter, effizienter. Die Verbraucher profitieren durch neue Produkte und Services.”

Ametsreiter rechnet damit, dass Vodafone 2020 mit dem 5G-Ausbau in Deutschland beginnen kann. Was die Tarife kosten, kann er aber noch nicht sagen: „Noch ist völlig offen, welche Frequenzen wir erhalten werden und wie viel wir für sie bezahlen müssen. Viele Faktoren stehen noch nicht fest.“

Bundesregierung hofft auf zweistellige Milliarden-Einnahmen

Die Bundesnetzagentur will 2019 die ersten Frequenzen für 5G-Netze versteigern, ein Jahr später als ursprünglich geplant. Außerdem muss die Behörde noch die Vergabe-Bedingungen festlegen. Das wird in den nächsten Monaten für Streit sorgen: Die Unionsfraktion im Bundestag und der verantwortliche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plädieren dafür, die Netzbetreiber zu einem schnellen flächendeckenden 5G-Ausbau zu verpflichten. 5G soll auch auf dem Land das Internet beschleunigen.

Netzbetreiber wie die Telekom und Vodafone hören solche Ideen nicht gern. Tatsächlich erlauben die zur Versteigerung anstehenden 5G-Frequenzen im Vergleich zu den für 4G verwendeten nur geringe Reichweiten. Sie taugen also eher für Ballungsräume als für dünn besiedelte Gegenden. Für einen flächendeckenden Ausbau wären dann deutlich mehr Sendemasten nötig, also mehr Geld.

Ametsreiter sieht das Auktionsverfahren grundsätzlich kritisch. „Statt das Geld für 5G-Lizenzen auszugeben, würde ich es lieber in den 5G-Netzausbau stecken“, sagt er. Bei 3G (beziehungsweise UMTS) habe die Versteigerung „massiv geschadet“ und den Ausbau verlangsamt. Telekom-Chef Timotheus Höttges äußerte sich vor Kurzem ähnlich. Man könne „jeden Euro nur einmal ausgeben“.

Hinter den Kulissen werden die Provider also noch mit der Politik um die Bedingungen rangeln. Erst, wenn diese feststehen, lässt sich absehen, wann 5G wirklich kommt – und wohin.

Handynetze mit analoger Sprachübertragung bezeichnet man heute rückblickend als die erste Generation oder 1G. Sie wurden in Deutschland bis Anfang der Neunziger Jahre genutzt.

Mit GSM oder 2G wurde Sprache erstmals digital übertragen, was Störungen minimierte. Zu Beginn des Jahrtausends gingen Handys über GSM auch ins Internet, allerdings nur mit 55 Kilobit pro Sekunde.

Die Versteigerung der Frequenzen für das schnellere UMTS oder 3G brachte dem Fiskus im Jahr 2000 spektakuläre 100 Milliarden Mark ein. Ein zweifelhafter Erfolg: Aufgrund der Lizenzkosten bauten die Provider das Netz langsam aus und verlangten viel Geld für die Tarife.

Aktuell surfen die meisten Smartphone-Nutzer über 4G (LTE). Theoretisch sind Datenraten von einem Gigabit pro Sekunde möglich. In der Praxis erreicht man eher ein Zehntel davon, aber das ist immer noch schneller als an typischen DSL-Anschlüssen.

Die internationale Fernmeldeunion (ITU) und Industrieverbände haben erste Spezifikationen von Geräten für 5G festgelegt. Ungefähr 2020 soll der Ausbau in Deutschland beginnen.

Von Christian Wölbert

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