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Neue Bult

Viebeiner ernten beim 6. Galopprenntag die größte Aufmerksamkeit

Zurück zum Wesentlichen: 10.400 Besucher kamen am Sonntag zum 6. Galopprenntag auf die Neue Bult in Hannover. Den Großen Preis des Hannover Airport entschied Golden Whip zu ihren Gunsten.
Auf dem Weg zum Sieg: David Breux liegt mit Golden Whip im Großen Preis des Hannover Airport kalr vor Andre Best auf Devillish Lips.

Auf dem Weg zum Sieg: David Breux liegt mit Golden Whip im Großen Preis des Hannover Airport kalr vor Andre Best auf Devillish Lips.

© Florian Petrow

Auf einmal, kurz nach 16 Uhr, wurde das Publikum von der Neuen Bult auf eine Zeitreise mitgenommen. Die Lautsprecher an der Galopprennbahn knarzten, französische Wortfetzen flogen über die Bahn, die Lautstärke steigerte sich mit jeder Sekunde, ebenso wie das Stakkato der Pferdenamen, das der fremde Sprecher mit fast traumwandlerischer Sicherheit zelebrierte. Addi Furler im öffentlich-rechtlichen Fernsehen war noch Zukunftsmusik – man fühlte sich vielmehr in die Zeiten des guten alten Dampfradios versetzt oder wie in den Wettbüros der dreißiger Jahre, in die seinerzeit die Rennverläufe durchtelefoniert wurden.

Doch die verrauschte Liveschilderung vom Prix de l’Arc de Triomphe in Paris, dem prestigereichsten Galopprennen in Europa außerhalb Großbritanniens, zog auch am Sonntag, im Jahr 2010, das Publikum noch in seinen Bann. Galoppsportfreunde brauchen keine Großleinwände, wenn die Pferdenamen Workforce (englischer Derbysieger), Nakayama Festa und Sarafina herauszuhören sind und damit auch der Einlauf in dieser Reihenfolge.

Zurück zum Wesentlichen hätte das Motto des gestrigen 6. Saisonrenntags des Hannoverschen Rennvereins lauten können. Der Veranstalter schuf zwar für die jüngsten Besucher wieder ordentlich Platz zum Toben hinter der Renntribüne und sorgte unter anderem mit Ponyreiten und Torwandschießen dafür, dass niemandem langweilig wurde.

Doch die Erwachsenen unter den immerhin 10.400 Besuchern hatten vor allem eines im Sinn – zu wetten und dabei möglichst auch etwas zu gewinnen. Dabei wurden sie nicht durch Modenschauen, Essens- und Getränkestände sowie Vorführungen allerlei anderen Getieres abgelenkt. Die Gespräche auf der Rasenfläche am Rande der Rennbahn drehten sich konsequenterweise um die Vierbeiner wie in einer munteren Fünferrunde. „Du hast im 1. Rennen abgestaubt, sie im 2., er im 3. Rennen“, sagte der Wortführer. „Aber ich bin jetzt dick dabei, ich habe auf Sieg gesetzt und nicht auf Platz wie ihr.“ Einige Meter weiter konnte ein Pärchen sein Glück ebenfalls kaum fassen und bemühte einen gewagten Vergleich mit dem hiesigen Fußball-Aushängeschild. „War wirklich das 96-Pferd vorn?“

Das „96-Pferd“ hatte tatsächlich das 4. Rennen, den Preis der Neuen Presse, gewonnen. Und North Star, so heißt der Galopper tatsächlich, bekam dieses Attribut, weil er Martin Kind gehört, dem Hörgeräteunternehmer und Klubchef von Hannover 96. Kind hat seit einigen Jahren auch für den Galoppsport ein Faible und herzte prompt im Absattelring Trainer Torsten Mundry, der North Star so flott gemacht hatte. Und in solchen Minuten perlte an dem 66-Jährigen auch die kleine Sottise des Rennbahnsprechers ab, dass er ja nun doch noch zu seinem „Erfolgserlebnis am Wochenende“ gekommen sei.

Das gestrige Thema indes blieben die schnellen Galopper. Bestes Indiz neben den langen Schlangen vor den Wettschaltern war die Zuschauerwelle. Sie schwappte beständig zwischen Führring und Grasbahn hin und her: erst die Pferde und ihre Verfassung begutachten, dann auf dem Weg zur Bahn die Tippscheine ausfüllen und abgeben und schließlich einen möglichst guten Platz suchen, um den kompletten Rennverlauf mitzubekommen.

Somit gab es für 96 ohne Pferd den gebührenden Platz – im bunten Rahmenprogramm. Fußballprofi Konstantin Rausch hielt im Rennen der sogenannten Minitraber nichts von der Devise „Ladies first“, von Zurückhaltung gegenüber Vorgesetzten und schon gar nichts von reinen Gangarten. Er galoppierte (!) im Sulky vor vier Fahrerinnen und dem 96-Sportkoordinator Valérien Ismaël ins Ziel. Und es freuten sich vor allem die Kinder, die auf Rausch und sein Pony gesetzt hatten. Ihre Eltern schauten sich derweil die großen Pferde an, die im folgenden 5. Rennen liefen.

[Carsten Schmidt]

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