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Hannover Scorpions

Verhandlung mit pikanter Randnotiz

Andy Reiss spielt bei den Hannover Scorpions groß auf – und steht auf dem Wunschzettel zahlreicher DEL-Klubs.
Andy Reiss

Andy Reiss

© Ulrich zur Nieden

Er kam fast ein wenig schüchtern aus dem Kabinengang. So wie Andy Reiss abseits der Eisfläche häufig wirkt. Die Baseballkappe nach hinten gedreht, in Badelatschen und kurzer Hose plauderte der 23-Jährige am Sonntag über den vorausgegangenen 5:2-Sieg der Hannover Scorpions gegen Krefeld. Er sah dabei wieder einmal gar nicht so aus wie jemand, der mit zwei Vorlagen sowie einem Tor maßgeblichen Anteil am Sieg seiner Mannschaft gehabt hatte und den Trainer Hans Zach kurz zuvor als den „derzeit besten deutschen Verteidiger“ in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bezeichnet hatte.

Knapp zweieinhalb Jahre ist es inzwischen her, dass Zach den talentierten Stürmer aus Personalnot in die Abwehr versetzte. Dort überzeugte der gebürtige Hannoveraner mit seiner läuferischen Klasse, guter Technik und seinem unglaublich cleveren Zweikampfverhalten derart, dass er acht Monate später in den WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft berufen wurde. Und spätestens seitdem haben ihn auch die Manager anderer Klubs auf dem Wunschzettel.

Zumal Reiss sich inzwischen zu einer Rarität entwickelt hat. Seit eineinhalb Jahren steht er regelmäßig in Über- und Unterzahl auf dem Eis – was in der DEL für deutsche Nationalspieler keine Selbstverständlichkeit ist. In der vergangenen Saison machte ihm diese Mehrbelastung deutlich zu schaffen. „Das erste Jahr mit so viel Eiszeit war wirklich ein Lehrjahr für mich“, sagt der Verteidiger, dem mehr Fehler unterliefen und dem es an der Souveränität fehlte, die ihn im Jahr seines Durchbruchs ausgezeichnet hatte. Auch in dieser Spielzeit lief es für Reiss nicht durchgehend rund. Doch in den vergangenen Partien zeigte die Formkurve nicht nur wegen des vierten Saisontreffers deutlich nach oben.

„Ich hoffe, es läuft so weiter“, meint Reiss – und klopft sich sicherheitshalber dreimal mit den Fingern an die Schläfe. Immerhin stehen für ihn wichtige Wochen an. Auf dem Eis, wo er mit den Scorpions langsam in Schwung zu kommen scheint. Und am Verhandlungstisch. Denn sein Vertrag in Hannover läuft im Sommer aus. Bereits heute werden sich Reiss und sein Vater Siggi zu Gesprächen mit Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth treffen. Dass der ehemalige Profi, der seinem Sohn am Pferdeturm das Eishockey-Einmaleins beibrachte und der ihn nun berät, unter Stichnoth in der TUI Arena arbeitet, ist nur eine pikante Randnotiz der Verhandlung. Wichtiger wird aber das Ergebnis sein. Und das scheint so offen wie nie zuvor. Denn finanziell – das dürfte angesichts der angekündigten Etatsenkungen klar sein – werden die Scorpions nicht mit der Konkurrenz mithalten können. Doch eine Tendenz lässt sich Reiss nicht entlocken. „Warten wir mal ab“, sagt er – und lächelt spitzbübisch.

Schlechte Nachricht: Die Knieverletzung von Tino Boos hat sich als Innenbandriss herausgestellt. Dem Stürmer droht damit eine längere Zwangspause.

[Björn Franz]

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