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Gipfeltreffen

Runder Tisch gegen Gewalt im Fußball

Vor Beginn des Gipfeltreffens zur Gewalt im Fußball haben sich die Beteiligten klar positioniert. Teile der Politik wollen härtere Strafen und mehr Stadionverbote. Dagegen wehren sich Verbandsvertreter, Fans fordern mehr Mitspracherechte.
Fans von Hannover 96 zünden bengalische Feuer vor einem Spiel gegen SV Werder Bremen am 2.10.2011 in der AWD-Arena in Hannover.

Fans von Hannover 96 zünden bengalische Feuer vor einem Spiel gegen SV Werder Bremen am 2.10.2011 in der AWD-Arena in Hannover.

© dpa/Archiv 2.10.2011

Berlin . Liga-Präsident Reinhard Rauball ist gegen die von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich geforderte Verschärfung des Strafenkatalogs für gewaltbereite Fußball-Fans. „Da macht die Liga nicht mit“, sagte Rauball vor dem Runden Tisch zur Gewalt im Fußball am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“. Eine Ausweitung der Sanktionen würde auch für die 99 Prozent der friedlichen Stadionbesucher negative Konsequenzen haben, erklärte Rauball. Er werde sich dafür einsetzen, dass bei Straftaten weiterhin ein Stadionverbot von bis zu drei Jahren ausgesprochen werden könne.

Friedrich hatte zuvor der „Welt am Sonntag“ gesagt: „Es gibt eben nach wie vor viele Gewalttäter, die nur deshalb zum Fußball gehen, um Gewalt zu suchen. Bei denen werden wir allein mit gutem Zureden wenig Erfolg haben. Da müssen Sanktionen wie zum Beispiel Stadionverbote ausgesprochen werden. Und das Entscheidende: Diese Verbote müssen dann auch durchgesetzt werden und zwar bundesweit.“

Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt am Rande von Fußballspielen wollten sich am Montag auf Initiative von Friedrich DFB-Präsident Theo Zwanziger, Rauball, Vertreter der Innenminister der Länder und Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, in Berlin treffen.

Gründung einer Task Force

„Da ist ein sehr dickes Brett zu bohren“, befand Rauball. Geplant ist die Gründung einer Task Force. In der Arbeitsgruppe sollte neben der Politik, den Verbänden und der Justiz auch ein Vertreter der Dachorganisation der Fans sitzen, betonte Rauball.

Die von Polizeivertretern bereits mehrfach geforderte Beteiligung des Fußballs an den Kosten für die Einsätze der Sicherheitskräfte bei den Spielen lehnte der Ligapräsident erneut ab. „Wir sträuben uns dagegen, weil die öffentliche Sicherheit und Ordnung eine staatliche Aufgabe ist“, sagte Rauball. Sollte eine Kostenbeteiligung dennoch beschlossen werden, will sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) dagegen „auch rechtlich wehren“ - bis hin zum Bundesverfassungsgericht.

Dieser Punkt könnte noch für Konflikte sorgen. „Ich glaube schon, dass wir da Potenzial haben“, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Montag im „SWR2 Tagesgespräch“. Man könne erwarten, dass „die Veranstalter sich verstärkt auch den allgemeinen Lasten der inneren Sicherheit annehmen. Und das bedeutet, nach meiner Einschätzung könnte man sich schon vorstellen, dass dort eine gewisse Mitfinanzierung dann auch durchgeführt werden kann.“

Lewentz sprach sich gegen ein generelles Alkoholverbot oder die Abschaffung von Stehplätzen aus. Zahlreiche Unions-Politiker dagegen forderten vor dem Treffen in Berlin eine Verschärfung der Maßnahmen.

„Die zunehmende Fangewalt ist eine Herausforderung, auf die Fußballvereine und der Staat gemeinsam reagieren müssen. Fans mit Stadionverboten müssen konsequenter als bisher von Fußballspielen ferngehalten werden, etwa durch polizeiliche Meldepflichten während des Spieltags und gezielte Gefährderansprachen“, sagte der Vorsitzende des Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag).

„Gerade gegenüber extremen Gewalttätern müssen bundesweit wirksame Stadionverbote über mehrere Jahre konsequent angewendet werden“, sagte der bayerische Innenminister Joachim Hermann (CSU). Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) betonte: „Null Toleranz gegenüber gewaltbereiten Fußballfans, ein anderes Credo kann es nicht mehr geben.“

dpa/kas


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