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Der Home Run-König von Korea

US-Baseballspieler Eric Thames Der Home Run-König von Korea

Der amerikanische Baseballspieler Eric Thames ist in Südkorea ein Superstar. Jetzt will er auch in seiner Heimat den Durchbruch schaffen.

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Schweinsteiger-Transfer in die USA ist perfekt

Comeback in der Major League Baseball: Eric Thames, 2011 noch im Trikot der Toronto Blue Jays.

Quelle: Imago

Milwaukee. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und der amerikanische Baseballprofi Eric Thames haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam: Der eine ein ehemaliges Shampoo-Werbegesicht mit perfekt sitzender Frisur, der andere ein kahl rasierter Muskelberg mit einem Bart Marke Harry Rowohlt. Was sie verbindet, ist die sportliche Vita: Beide sind Spätstarter, die erst im Ausland ihr Glück fanden. Bierhoff in Italien, wo er Nationalspieler und Torschützenkönig wurde, Thames in Südkorea, wo er verehrt wird wie ein Rockstar. Jetzt will der 30-Jährige seine bemerkenswerte Karriere in der Heimat krönen.

Die Wahrscheinlichkeit, es als amerikanischer Jugendspieler bis in die Major League Baseball (MLB), die höchste Profiklasse zu schaffen, ist verschwindend gering. Dass Eric Thames vor sechs Jahren sein MLB-Debüt für die Toronto Blue Jays gab, ist insofern schon ein beachtlicher Erfolg. Knapp die Hälfte der Spiele bestritt er 2011 für die Kanadier, der endgültige Durchbruch gelang ihm nicht. Im Lauf der folgenden Saison wurde Thames an die Seattle Mariners abgegeben, kam dort aber nur sporadisch zum Einsatz. 2013 folgten noch kurze Stationen bei den Baltimore Oriols und den Houston Astros, auf ein weiteres Spiel in den Majors wartete Thames vergeblich. Als die Texaner ihn am 9. Dezember 2013 aus seinem Vertrag entließen, schien seine Profikarriere in den USA vorbei.

„Junge Frauen weinten, wenn sie Eric sahen“

Thames hielt sich zu diesem Zeitpunkt in einer Winterliga in Venezuela fit, dort erreichte ihn sein Agent mit der schlechten Nachricht. Und mit einem ungewöhnlichen Angebot: Ein Team aus Südkorea interessierte sich für ihn. Baseball ist dort Volkssport, amerikanische Spieler verschlägt es aber nur selten in die koreanische Liga KBO. Dass Thames die Verantwortlichen der NC Dinos mit seiner muskulösen Statur und seinem langen Bart an einen Comicbuch-Helden erinnerte, der bei den heimischen Fans vor allem gut vermarktbar wäre – für den damals 27-Jährigen egal. Andere Optionen hatte er nicht. „Ich habe spontan gesagt: Okay, ich versuche das für ein Jahr“, erinnert sich Thames. Aus einem Jahr wurden drei denkwürdige: Der Amerikaner drosch die Bälle reihenweise aus den koreanischen Stadien, insgesamt gelangen ihm 124 Home Runs für die NC Dinos, seine Batting Average hätte die amerikanische Baseball-Legende Babe Ruth stolz gemacht. Und mit jedem erfolgreichen Schlag wuchs seine Popularität. Thames: „Im ersten Jahr wusste niemand, wer ich bin. Im dritten Jahr war es außer Kontrolle, ich konnte nirgends hingehen.“ Sein Agent Adam Karon findet beim Sportsender ESPN noch deutlichere Worte: „Es war, als ob man mit den Beatles auf die Straße geht. Junge Frauen weinten, wenn sie Eric sahen, die Menschen wollten ihn anfassen und sich mit ihm fotografieren lassen. Ich habe so etwas noch nie erlebt.“

Hoffnung auf ein MLB-Comeback fast aufgegeben

Trotz sportlicher Höchstleistungen – 2015 wurde der Amerikaner als bester Spieler der Liga ausgezeichnet – rechnete sich Thames kaum Chancen auf eine Rückkehr in die MLB aus: „Ich habe zwar immer mal wieder gehört, dass Scouts mich beobachten. Aber noch im Sommer bin ich fest davon ausgegangen, dass ich in Korea bleibe oder vielleicht nach Japan gehe.“ Doch dann meldete sich sein Agent wieder, diesmal mit einem Angebot der Milwaukee Brewers aus der Major League. Wenig später unterschrieb Thames einen Drei-Jahres-Vertrag über 16 Millionen Dollar. „Seine bisherige Karriere ist inspirierend. Man muss Respekt und Bewunderung für jemanden haben, der solch einen Weg hinter sich hat“, sagt Brewers-Trainer Craig Counsell. „Das sind beste Voraussetzungen, hier Erfolg zu haben.“

Vergangene Woche hat Thames in einem Vorbereitungsspiel seinen ersten Home Run in der neuen, alten Heimat geschlagen. In der anstehenden Saison, die für die Brewers am 3. April beginnt, sollen noch viele dazu kommen. Damit er auch in den USA zum Star wird, genau wie Oliver Bierhoff vor gut 20 Jahren in Deutschland.

Von Sebastian Heintz

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