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Das Jahr nach dem Ziegen-Fluch

MLB-Saisonvorschau 2017 Das Jahr nach dem Ziegen-Fluch

Können die vom Fluch des Ziegenbock befreiten Chicago Cubs ihren Titel verteidigen? Oder beenden die Cleveland Indians ihre jahrzehntelange Durststrecke? Wer sind die spektakulärsten Spieler? Und schafft ein Deutscher den endgültigen Durchbruch? Eine Vorschau auf die Baseball-Saison 2017.

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Der Niedergang einer Sportart

Wieder Mitfavoriten: Die aktuellen World-Series-Champions Chicago Cubs um Anthony Rizzo (r.).

Quelle: dpa

Chicago. Noch heute wird Baseball in den USA gerne als „America‘s Pastime“, als die liebste Freizeitbeschäftigung der Amerikaner bezeichnet. Und tatsächlich hat die Major League Baseball (MLB) für viele Fans nichts von ihrer Faszination verloren: Über 73 Millionen Zuschauer verfolgten die Spiele im vergangenen Jahr in den Stadien und die Einschaltquoten der World Series, der Finalserie zwischen den Chicago Cubs und den Cleveland Indians, waren im Herbst so hoch wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Am 2. April startet die MLB jetzt in die neue Saison – die wichtigsten Fragen und Antworten zu einer Liga, die auch in Deutschland immer mehr Fans findet und hier erstmals im Free-TV zu sehen ist.

Was ist neu in dieser Saison?

Eine Handvoll Regeln, die das Spiel flotter machen sollen. Denn Baseballfans müssen Zeit und Geduld aufbringen, viele meinen zu viel: Genau drei Stunden dauerte in der vergangenen Saison ein Spiel im Durchschnitt, noch einmal vier Minuten mehr als im Vorjahr. Mit einigen Regeländerungen will die Liga die Spiellänge wieder reduzieren: Nur noch 30 Sekunden hat der Manager eines Teams Zeit, einen Videobeweis einzufordern; die sogenannten Replay Officials müssen sich die strittige Szene anschließend innerhalb von zwei Minuten ansehen und eine Entscheidung treffen – bisher ließen die sich gerne mal deutlich mehr Zeit. Und auch die Intentional Walks, ein taktischer Schachzug, bei dem ein Team einen gegnerischen Offensivspieler absichtlich zur ersten Base schickt, werden in Zukunft weniger Zeit in Anspruch nehmen: Bislang musste der Pitcher den Ball dafür vier Mal zu seinem Catcher werfen, jetzt reicht ein einfaches Signal des Trainers an den Hauptschiedsrichter.

Wer sind die Favoriten?

Zuallererst die Meister des vergangenen Jahres, die Chicago Cubs. Die haben im November zum ersten Mal seit 1908 die World Series gewonnen, den legendärsten Fluch der amerikanischen Sportgeschichte ( „The Curse of the Billy Goat“) gebrochen, und das ganz nebenbei im vielleicht denkwürdigsten Spiel aller Zeiten. In der entscheidenden siebten Partie der World Series lag Chicago kurz vor Ende schon mit 6:3 vorne, doch den Cleveland Indians, die selbst seit 1948 auf eine Meisterschaft warten, gelang gegen den sonst überragend werfenden Cubs-Closer Aroldis Chapman der Ausgleich. Als alles nach einem epischen Comback der Indians aussah, wurde das Spiel wegen Regens für 17 Minuten unterbrochen – im zehnten Inning hatten die Cubs dann doch das bessere Ende für sich. Die Ziege Billy, die der Legende zufolge bei der letzten World Series-Teilnahme der Cubs im Jahr 1945 aus dem Stadion geworfen wurde und deren Fluch seitdem über dem Team gelegen haben soll, war vergessen. Auch 2017 führt der Weg zur Meisterschaft nur über Chicago: Mit John Lester, Jake Arrieta und Kyle Hendricks haben die Cubs drei der besten Starting Pitcher der Liga, das Infield um Anthony Rizzo, Javier Baez und Kris Bryant sucht seinesgleichen und Jungstar Kyle Schwarber, der fast die komplette letzte Saison durch eine Verletzung verpasst hatte, ist zurück. Der Abgang von Closer Champman zu den New York Yankees konnte zudem mit der Verpflichtung von Wade Davis kompensiert werden.

Gute Chancen ausrechnen dürften sich auch wieder die Cleveland Indians. Bei der denkbar knappen Finalniederlage fehlten dem Team mit Danny Salazar und Carlos Carrasco verletzungsbedingt zwei der besten Starting Pitcher und mit Michael Brantley der vielleicht talentierteste Offensivspieler – alle drei meldeten sich rechtzeitig zu Saisonbeginn wieder fit. Im Winter verpflichteten die Indians außerdem Edwin Encarnacion, einen der gefährlichsten Schlagmänner der vergangenen Jahre, und dass sie mit Terry Francona einen ausgewiesenen Taktikfuchs auf der Trainerbank haben, schadet auch nicht. Alles andere als eine erneute Finalteilnahme wäre für die erfolgshungrigen Fans in Cleveland eine Enttäuschung.

Groß sind die Erwartungen auch bei den traditionsreichen Boston Red Sox. Vom anderen Team aus Chicago, den White Sox, kam Chris Sale, einer der besten Pitcher der Liga. Mit Andrew Benintendi, Mookie Betts und Xander Bogaerts hat Boston drei der aufregendsten jungen Nachwuchsstars in seinen Reihen, dazu mit Hanley Ramirez und einem in der Saisonpause auf Diät gesetzten Pablo Sandoval zwei gefährliche Schlagmänner, die jederzeit für einen Home Run gut sind. Schwer wiegt allerdings der Abgang von Red Sox-Legende David Ortiz, der im Winter seine Karriere beendet hat. Trotzdem gehört Boston wieder zu den ganz heißen Titelkandidaten.

Vier Mal in Folge haben die Los Angeles Dodgers den Titel in der National League West gewonnen, doch damit will sich das Team von Mitbesitzer und Basketball-Legende Magic Johnson in diesem Jahr nicht zufrieden geben: Die World Series ist das klar ausgegebene Ziel. Damit das klappt, haben die Dodgers in der Saisonpause keine Kosten gescheut: Die Verträge von Closer Kenley Jensen (80 Millionen Dollar über fünf Jahre), Third Baseman Justin Turner (64 Millionen über vier Jahre) und Starting Pitcher Rich Hill (48 Millionen über drei Jahre) wurden verlängert; dazu Second Baseman Logan Forsythe von den Tampa Bay Rays und Relieve Pitcher Sergio Romo vom Erzrivalen aus San Francisco verpflichtet. Am Ende ist es aber Clayton Cershaw, der für die Dodgers den Unterschied ausmachen soll: Der 29-jährige Linkshänder ist unbestritten der beste Werfer der Welt, hatte aber vergangenes Jahr erstmals in seiner Karriere mit einer langwierigen Verletzungen zu kämpfen. Bleibt er gesund, wird das Team aus Kalifornien ein gehöriges Wort um den Titel mitreden.

Bei welchen Stars lohnt es sich, genau hinzuschauen?

Zuallererst natürlich beim besten Spieler der Welt, bei Mike Trout. Der kann auf dem Baseballfeld einfach alles: Trout ist schnell, hat einen starken Wurfarm und spielt gute Verteidigung. Seine Schlagfähigkeit ist es aber, die den Center Fielder der Los Angeles Angels von anderen talentierten Spielern unterscheidet. Die vergangene Saison beendete er mit 29 Home Runs, 100 RBI und einem Schlagdurchschnitt von .315, er sicherte sich außerdem die Auszeichnung als MVP, als wertvollster Spieler der Liga. Obwohl Trout erst 25 Jahre alt ist, sehen ihn viele Experten schon jetzt schon auf dem Weg zum „Greatest of all Time“, zum Besten aller Zeiten.

Der wohl schnellste Baseballspieler der Welt ist Trae Turner. Der Shortstop der Washington Nationals schaffte vergangene Saison den Durchbruch in der MLB, beendete das Jahr mit einem sensationellen Schlagdurchschnitt von .342 und mit 33 Stolen Bases in nur 73 Spielen; bei der Wahl zum „Rookie of the Year“, dem besten Neuling der Saison, landete der 23-Jährige auf dem zweiten Platz. Und das alles, obwohl er wegen zahlreicher Verletzungen von Mitspielern auf der für ihn ungewohnten Position im Center Field spielen musste. In dieser Saison kehrt er auf seine Stammposition zurück und kann beweisen, dass er nicht nur der schnellste, sondern auch schon einer der besten Spieler der Welt ist.

Den mit 101 Meilen in der Stunde (rund 162 km/h) härtesten Wurf aller Starting Pitcher hat Noah Syndergaard. Seinen Spitznamen Thor, angelehnt an die Superhelden-Comicfigur, hat sich der Spieler der New York Mets aber nicht nur durch die schiere Gewalt verdient, mit der er die Bälle an den gegnerischen Schlagmännern vorbei schleudert: Der knapp zwei Meter große Syndergaard erinnert mit seinen langen, blonden Haaren auch optisch an den Marvel-Superhelden. Nicht von dieser Welt sind auch seine Statistiken: In der vergangenen Saison gelangen ihm in 183 Innings überragende 218 Strikeouts. In der Saisonpause legte Syndergaard noch einmal knapp acht Kilo an Muskelmasse zu, stand außerdem für einen Gastauftritt in der Fantasyserie „Game of Thrones“ vor der Kamera.

Die Offensivleistungen von Kevin Kiermaier wird niemand mit denen eines Superhelden verwechseln – sein Schlagdurchschnitt lag in der vergangenen Saison lediglich bei .246, dazu gelangen ihm zwölf Home Runs und 37 RBI. Dafür ist der Center Fielder der Tampa Bay Rays der beste Verteidiger der Liga, kaum ein Spiel vergeht ohne eine spektakuläre Defensivaktion des 26-Jährigen. Sogenannte  "Diving Catches", gefangene Bälle, bei denen er in vollem Lauf abspringt, um die kleine Lederkugel in den Handschuh zu holen, sind ebenso seine Spezialität wie „geraubte“ Home Runs: Bälle, die die Spielfeldbegrenzug eigentlich schon verlassen haben, holt er auf atemberaubende Weise zurück. Seine Defensivleistungen haben die Rays gerade mit einem neuen Sechs-Jahres-Vertrag über 66 Millionen Dollar belohnt.

Spielen Deutsche mit?

Ja, einer. Und der könnte endgültig den Durchbruch in der besten Baseballliga der Welt schaffen. Max Keppler von den Minnesota Twins wird von Experten als großes Talent gesehen, in der vergangenen Saison kam er in 113 Spielen zum Einsatz, schlug dabei 20 Doubles und 17 Home Runs. Vor allem im letzten Saisondrittel tat sich der gebürtige Berliner aber schwer – nicht ungewöhnlich für einen Liga-Neuling. Zwar lief auch die Saisonvorbereitung nur durchwachsen für den 24-Jährigen, trotzdem dürfte er als Right Fielder bei den Twins gesetzt sein, zumindest vorerst.

Wo gibt es die Spiele in Deutschland zu sehen?

Beim Pay-TV-Sender Sport1 US und erstmals auch im frei empfangbaren Fernsehen bei Sport1. Mindestens 75 Spiele wird Sport1 US nach eigenen Angaben live und mit amerikanischem Originalkommentar übertragen, darunter auch das All-Star Game, die Playoffs und die World Series. Dazu sollen erstmals auch ausgewählte Spiele live und mit deutschem Kommentar im Free-TV auf Sport1 laufen. Zum Saisonauftakt steht am Sonntag, 2. April, das Duell zwischen den Arizona Diamondbacks und den San Francisco Giants auf dem Programm - Sport1 steigt ab 23.15 Uhr in das laufende Spiel ein. Sogar 600 Spiele zeigt die Streaming-Plattform DAZN live. Und wer das volle Programm will, setzt auf den Liga-eigene Streamingdienst MLB.TV: Für gut 100 Euro gibt es sämtliche Spiele im Originalkommentar live und auf Abruf.

Von Sebastian Heintz

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