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Niedersachsen Das Comeback der Kraniche
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10:15 09.04.2018
Singende Partnersuche: Zu Tausenden sind die Kraniche zurück im Land – etwa in der Heide.  Quelle: Lüneburger heide/Kleinert
Ströhen

Die ersten brüten zwar schon, aber Tausende tanzen noch für die Balz: Die Kraniche sind aus ihren Winterquartieren zurück in Niedersachsen – im Land liegen wichtige Reviere des Zugvogels. Die gute Nachricht: Der Bestand wächst seit Jahren kontinuierlich, dabei war der Kranich in Niedersachsen Anfang der 1970er-Jahre beinahe ausgestorben.

Gerade einmal acht Paare zählten Naturschützer damals noch. „Heute sind es ungefähr 1400“, sagt Thorsten Obracay von der niedersächsischen Landesarbeitsgruppe (LAG) Kranichschutz Deutschland aus Ströhen (Kreis Diepholz). „Und der Brutbestand steigt weiter an.“ Der Kranichschutz zeigt Erfolge – darauf deutet auch die Zahl der Zugvögel hin, die in Niedersachsen rasten. Mehr als 100.000 waren es in den vergangenen Jahren im Durchschnitt – vor 30 Jahren sind es gerade einmal einige Tausend gewesen.

Angefangen hatte der Kranichschutz in den Siebzigerjahren damit, bei Gartow (Kreis Lüchow-Dannenberg) im äußersten Osten Niedersachsens die Brutplätze vor Eierdieben zu bewachen. Weiter ging es mit der Wiedervernässung der bekannten ehemaligen Vorkommen in dem Landkreis. Bis heute sind dort 32 neue Feuchtgebiete entstanden, denn der Kranich braucht es nass. Ihre Nester bauen die Paare in etwa knietiefem Wasser, um sich und ihre Gelege vor Fressfeinden wie zum Beispiel dem Fuchs zu schützen. Wiedervernässte Hochmoore sowie das Elbeeinzugsgebiet sind ihnen daher besonders lieb. 

Heute ist die Diepholzer Moorniederung der zentrale Ort für Kraniche in Niedersachsen. Vor genau sechs Jahren gründete sich dort die Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Niedersachsen, heute zählt das Gebiet mit seinen zahlreichen renaturierten Mooren, eigens für den Kranich vernässt, zu den größten Rast- und Brutgebieten der Vögel in Niedersachsen. Den vom Menschen vorbereiteten Rastplatz nehmen sie auf ihrem Weg durch Europa gut an. Es handelt sich um nasse, von Landwirtschaft umgebene Flächen – sie seinen ideal zu sein für die Vögel. 

So ideal, dass viele von ihnen auch aufgrund des Klimawandels mittlerweile sogar in Niedersachsen überwintern. „Früher flogen sie bis nach Afrika, heute höchstens bis nach Spanien“, sagt Thorsten Obracay von der LAG Kranichschutz, die ihren Sitz inmitten der Diepholzer Moore hat. „Manche bleiben in Nord- oder Südfrankreich, und manche bleiben auch hier.“ Insgesamt zählt Niedersachsen elf Rastregionen für Kraniche. 

300 bis 400 Kilometer schaffen die Vögel am Tag, sie fliegen ein Durchschnittstempo von 40 bis 60 Kilometer pro Stunde. Manche schlafen im Moor, manche ziehen sogar in der Nacht weiter. Wer die Kraniche am Himmel beobachten möchte, erkennt sie an ihren langen Hälsen und ihren, im Gegensatz zu Gänsen, ebenfalls langgestreckten Beinen. „Zu verwechseln sie sind höchsten mit Störchen“, sagt Obracay. „An ihrem Ruf allerdings sind sie wirklich immer zu erkennen.“ 

Wer den berühmten Tanz der Kraniche erleben will, also die Balz der zukünftigen Paare, der sollte sich in der Dämmerung auf den Weg machen – ob morgens oder abends. „Die Balzzeit dauert noch bis etwa Ende April“, sagt Stefan Wormanns vom Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide. Denn auch in der Heide finden die Vögel feuchte Moorgebiete ganz nach ihren Bedürfnissen. „Einige brüten zwar bereits, aber die Balz geht weiter. Die Vögel singen auch weiterhin, um ihr Revier zu verteidigen.“

Die besten Beobachtungsplätze in Niedersachsen

Neben der Diepholzer Moorniederung bietet das Teufelsmoor nördlich von Bremen Plätze zur Beobachtungen von Kranichen. Im Kreis Rotenburg sind die Breddorfer Moorniederung und das Tister Bauernmoor mit zwei Aussichtstürmen der beste Tipp. In der Lüneburger Heide lassen sich die Vögel im Postmoor bei Bargfeld von einem Aussichtsturm aus beobachten. Ein Parkplatz findet sich am Imkerweg in Bargfeld. Vier Türme stehen an den Meißendorfer Teichen nahe Winsen/Aller (Parkplatz beim NABU am Gut Sunder). Zu den bedeutendsten Brutplätzen Niedersachsens zählt das Schweimker Moor mit Aussichtsturm an der Schützenstraße in Lüder. Parken: am Ende der Teerstraße an der Informationstafel.

Unter www.kraniche.de finden sich sämtliche Rast- und Brutplätze Niedersachsens sowie weitere Informationen.

Von Carolin George

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