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Niedersachsen Frauen in Niedersachsen verdienen 21 Prozent weniger
Nachrichten Politik Niedersachsen Frauen in Niedersachsen verdienen 21 Prozent weniger
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01:14 10.03.2018
Niedersachsens Teilhabebeauftragte Doris Schröder-Köpf (SPD)  fordert einen höheren Frauenanteil auch in den Parlamenten.  Quelle: dpa
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Hannover

Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ist hierzulande so groß wie in fast keinem anderen EU-Land. Das unbereinigte Verdienstgefälle lag in Deutschland 2016 bei 21,5 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat vor dem heutigen Weltfrauentag mitteilte. Höher war die Differenz nur in Estland und Tschechien, europaweit lag sie bei 16,2 Prozent.

Niedersachsen stand mit rund 21 Prozent Gefälle zwischen den Löhnen und Gehältern von Männern und Frauen nur unwesentlich besser da als Deutschland insgesamt. „Die Zahl ist leider weiter aktuell“, sagte eine Sprecherin von Ministerin Carola Reimann (SPD) der HAZ. Zwar würden die Statistiken für 2017 erst kommende Woche veröffentlicht. „Allerdings hat sich nach unserer Kenntnis an diesem Wert nicht viel verändert.“ Das unbereinigte Verdienstgefälle misst die Lohnlücke, ohne Tätigkeit, Qualifikation und Teilzeit zu berücksichtigen.

Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD) sagte in Berlin, auf dem Arbeitsmarkt müsse noch viel für die Gleichstellung getan werden. Diese passiere nicht von allein: „Im Gegenteil sehen wir, dass sicher geglaubte Fortschritte wieder in Frage gestellt werden.“

Im Langzeitvergleich ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen immerhin  kleiner geworden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlichte am Mittwoch eine Studie, wonach sie sich in den vergangenen 30 Jahren bei jungen Frauen und im niedrigen Einkommensbereich am stärksten geschlossen hat. Demnach ist der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostunden-Verdiensten von Männern und Frauen in Vollzeitjobs von 26,6 Prozent im Jahr 1986 auf zuletzt 16 Prozent gesunken.

„Gleichen Lohn für vergleichbare Arbeit“ forderte Marion Övermöhle-Mühlbach, Vorsitzende des Landesfrauenrats. Weiterhin würden typische Frauenberufe auch finanziell erheblich weniger wertgeschätzt. „Warum verdient ein Automechaniker deutlich mehr als eine Pflegerin?“, fragt auch  Naciye Celebi-Bektas vom Deutschen Gewerkschaftsbund Niedersachsen. Sie weist zudem darauf hin, dass ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit weiter ausstehe: „Das Bild vom Ernährer und der Zuverdienerin gilt leider immer noch.“  Positiv bewertet der DGB das neue Entgelttransparenzgesetz, das seit Januar bundesweit für Betriebe ab 200 Mitarbeiter gilt. „Frauen können sich, gern auch mit Hilfe des Betriebsrats, einen Überblick über den Verdienst von Kollegen in vergleichbaren Positionen verschaffen“, sagte die Gewerkschaftssekretärin. 

Erfolge ihrer Gleichstellungspolitik verzeichnet die Stadt Hannover: In der Verwaltung lag der Brutto-Stundenlohn für Frauen nach Angaben der Stadt im Jahr 2017 bei 21,90 Euro, bei Männern lag er mit 22,51 nur um 2,7 Prozent höher. Unter anderem seien im Erziehungs- und Sozialdienst Entgeltgruppen, in denen meist Frauen beschäftigt seien, aufgewertet worden. Auch die Reinigunggskräfte würden jetzt besser bezahlt. Zudem habe es gezielte Frauenförderprogramme für Führungspositionen gegeben.

Niedersachsens Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf kritisierte anlässlich des Weltfrauentags, dass Deutschland nach 100 Jahren aktivem und passivem Frauenwahlrecht immer noch weit entfernt von einer paritätischen Besetzung der Parlamente sei. „Der Frauenanteil ist sogar auffällig rückgängig, im Bundestag wie auch in vielen Länderparlamenten“, sagte sie in Hannover und und forderte „mehr aufrichtigen Willen und Engagement, um die Bedingungen für Frauen deutlich zu verbessern.“ 

 

Von Gabriele Schulte und Saskia Döhner

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