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Armut

Schere zwischen Arm und Reich in Niedersachsen öffnet sich

Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet: Nach Angaben des Landesbetriebs für Statistik ist die Armutsgefährdungsquote in Niedersachsen zwar um 0,1 Punkte gesunken, die Reichtumsquote aber um 0,3 Punkte gestiegen.
© dpa

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Niedersachsen im vergangenen Jahr wieder leicht gewachsen. Das geht aus dem am Freitag vorgelegten Armuts- und Reichtumsbericht hervor. Danach galt etwa jeder siebte der 7,86 Millionen Einwohner Niedersachsens im vergangenen Jahr als arm oder war von Armut bedroht.

Zwar sank die Armutsgefährdungsquote trotz der Wirtschaftskrise geringfügig um 0,1 Punkte auf 14,6 Prozent. Zugleich stieg die Reichtumsquote aber um 0,3 Punkte auf 7,4 Prozent. 1,148 Millionen Niedersachsen galten im vergangenen Jahr als arm, 582 000 nach den Kriterien der Statistik als reich.

Als armutsgefährdet in Niedersachsen gilt, wer von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens lebt. Diese Grenze lag für Alleinstehende im vergangenen Jahr bei 790 Euro und für eine Familie mit zwei Kindern bei 1658 Euro netto pro Monat. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das durchschnittliche Nettoeinkommen in Niedersachsen 2009 von 1280 auf 1317 Euro. Die Steigerung um 2,9 Prozent lag deutlich über der Inflationsrate von 0,4 Prozent.
Von Armut besonders betroffen sind weiterhin Alleinerziehende und ihre Kinder, große Familien mit drei und mehr Kindern, Arbeitslose, Menschen mit geringer Qualifikation sowie Migranten. Die Altersarmut stieg im vergangenen Jahr um 0,4 Punkte an.

Im Vergleich der Bundesländer nimmt Niedersachsen einen Mittelplatz ein. Armut tritt besonders stark in den großen Städten auf. Besonders betroffen ist nach der Statistik Hannover, wo jeder fünfte Einwohner arm oder von Armut bedroht ist. Damit liegt die Landeshauptstadt nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit an der Spitze der Armutsstatistik.

Deutlich geringer sind die Probleme im Westen Niedersachsens, in Ostfriesland, Osnabrück und Oldenburg.

Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) beklagte, dass noch immer Kinder von Armut betroffen seien. „Jedes von Armut betroffene Kind ist eins zu viel“, meinte sie. Die Ministerin kündigte eine Aktionswoche „Gemeinsam gegen Armut und Ausgrenzung“ an.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte vom Land mehr Engagement in dieser Problematik. „Die niedersächsische Landesregierung ist aufgerufen, sich endlich für die Einführung von Mindestlöhnen nicht unter 8,50 Euro in allen Branchen stark zu machen“, sagte DGB-Landeschef Hartmut Tölle. „Arbeit zu fairen Bedingungen schützt am Besten vor Armut.“

Armut in Deutschland leicht angestiegen

Die Armutsgefährdung in Deutschland ist leicht angestiegen: 14,6 Prozent der Bundesbürger waren 2009 von Armut bedroht, 0,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mit. Als armutsgefährdet gilt, wer von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens lebt. Das sind für einen Alleinstehenden 801 Euro und für eine Familie mit zwei Kindern 1683 Euro, wie die Statistiker errechnet haben. Dabei gibt es einen deutlichen Ost-West-Unterschied: So hatte in den neuen Ländern und Berlin fast jeder Fünfte ein erhöhtes Armutsrisiko, im früheren Bundesgebiet aber nur 13 Prozent.

dpa


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