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Durchsuchung im Raum Hannover

Razzia bei mutmaßlichen SS-Kriegsverbrechern

Mehr als 67 Jahre nach einem Massaker der Waffen-SS an den Bewohnern eines kleinen französischen Ortes bei Limoges haben Ermittler die Wohnungen von Verdächtigen durchsucht. Auch im Großraum Hannover gab es eine Durchsuchung, berichtete die federführende Staatsanwaltschaft Dortmund am Montag.
Blick auf die Ruinen von Oradour-sur-Glane. Eine Gruppe von Männern wurde hier von den Deutschen massakriert und verbrannt

Blick auf die Ruinen von Oradour-sur-Glane. Eine Gruppe von Männern wurde hier von den Deutschen massakriert und verbrannt

© dpa

Hannover/Dortmund. Die Behörden gingen gegen insgesamt sechs Verdächtige vor, die als Angehörige der Waffen-SS-Einheit "Der Führer" an der Ermordung von 642 Menschen beteiligt gewesen sein sollen, sagte Staatsanwalt Andreas Brendel am Montag in Dortmund. Wesentliche Beweismittel seien bei den Durchsuchungen aber nicht entdeckt werden. Man habe gehofft, Tagebücher, Dokumente oder Fotos aus der damaligen Zeit sicherstellen zu können. Die Beschuldigten, gegen die wegen Beihilfe zum Mord ermittelt werde, hätten ihre Tatbeteiligung bestritten oder seien nicht vernehmungsfähig gewesen, hieß es von der Staatsanwaltschaft Dortmund.

Die Verdächtigen leben im Großraum Hannover, nahe Berlin, in Köln, im Raum Bielefeld und im Raum Darmstadt. Die Ermittlungen sollen durch einen Hinweis aus der Stasi-Unterlagenbehörde ins Rollen gekommen sein. Dort waren in DDR-Akten Spuren auf die damals 18 und 19 Jahre alten Männer entdeckt worden. Am 10. Juni 1944 war die Waffen-SS in den Ort Oradour-sur-Glane eingefallen und hatte fast die gesamte Bevölkerung ermordet. Frauen und Kinder - auch Babys - wurden in eine Kirche gesperrt, die dann gesprengt und angezündet wurde. Die Männer des Ortes wurden in Scheunen und Garagen getrieben und dort erschossen. Sämtliche Häuser wurden von der SS angezündet. Der völlig zerstörte Ortskern wurde nicht wieder aufgebaut und ist noch heute eine Mahn- und Gedenkstätte. Anlass des Massakers soll die Gefangennahme eines SS-Sturmbannführers durch Widerstandskämpfer gewesen sein.

Wegen der Gräueltat hatte es Gerichtsprozesse in Frankreich und in der DDR gegeben. In der Bundesrepublik war zwar mehrfach ermittelt worden, die Ermittlungen mündeten aber nie in eine Anklage. Bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft ist die Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen in Nordrhein-Westfalen angesiedelt.

dpa


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