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Niedersachsen Niedersachsen lernt von Kriminalprävention in USA
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19:37 10.05.2017
Von Michael B. Berger
Will von den USA lernen: Antje Niewisch-Lennartz. Foto: dpa Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz würde als Grünen-Politikerin gewiss nicht den Spruch als Lehrsatz akzeptieren, dass von Amerika lernen, siegen lernen heißt. Dennoch fand sie den jüngsten Trip, den sie mit Experten des Landespräventionsrates nach Pennsylvania unternahm, äußerst lehrreich. Der Bundesstaat etwas südlich von New York gelte als Vorzeigeregion für Kriminalprävention. Kriminologen aus aller Herren Länder pilgerten dort hin - vor allem wegen der systematischen Art, in der die Amerikaner Daten über potenzielle Gefahren und Täter sammeln.

Wie geht es dem Mittelstand?

„Es fehlt vor allem an Daten aus dem Dunkelfeld - ein Phänomen wie Mittelstandsverwahrlosung schlägt sich nicht in den Kriminalstatistiken nieder, dabei ist es oft der Nährboden, aus dem Kriminalität erwächst“, sagt Erich Marks, Geschäftsführer des Landespräventionsrates, der die Ministerin auf ihrer USA-Reise begleitet hat.

„Communities that care“ (CTC) heißt das Programm: „Kommunen, die sich kümmern“. Es wurde vor mehr als 20 Jahren in Pennsylvania entwickelt und wird vom Landespräventionsrat seit einigen Jahren auch in mehr als 25 niedersächsischen Kommunen angewandt. Um Daten zu bekommen, werden Schüler systematisch nach ihren Erfahrungen mit Alkohol, Drogen, Gewalt, Cybermobbing und auch Schulverweigerung befragt - auch um Aufschluss über mögliche Kriminalitätsentwicklungen zu bekommen. Am Anfang eines Lebens auf der schiefen Bahn stehe oft das systematische Schwänzen der Schule, sagen die Experten im Justizministerium. Der USA-Besuch hat die Ministerin bestärkt, das CTC-Programm auszubauen und im kommenden Jahr eine Bestandsaufnahme zu machen. „Es geht darum, unser Wissen über Fehlentwicklungen zu erweitern. Je mehr Kommunen etwa Schülererhebungen machen und sich Programmen wie dem CTC anschließen, um so besser“, sagt die Ministerin.

Kriminologen unter Druck

Zwar gebe es in Deutschland bereits eine Fülle von Präventionsprogrammen aber wenig detaillierte Kenntnis über die nachhaltigen Wirkungen, die sie auslösten - oft mehr als eine Generation zeitversetzt. Mit Schülern einen Jugendknast besuchen, um mit den „harten Jungs“ abzuschrecken, gehe meist nach hinten los und habe eher gegenteilige Effekte, berichtet Präventionsexperte Marks.

Dabei sei die Datensammelwut der Amerikaner aus einem ganz anderen Leidensdruck entstanden und steht im Schatten eines Rechtssystems, das Normabweichungen drakonisch bestrafe und den Jugendrichtern wenig Spielraum bei ihren Entscheidungen lasse. „Wer dreimal fehlt, kommt in den Knast“, laute die Devise in den USA. Egal, ob es sich dabei um Drogenkonsum, Schwarzfahren oder andere Vergehen handele. Entsprechend belegt sind in den USA die Gefängnisse. So säßen in Pennsylvania mit seinen rund 12,5 Millionen Einwohnern 50 000 Menschen in Gefängnissen - zehnmal mehr als in Niedersachsen. Angesichts dieser bedrückenden Situation stünden Kriminologen geradezu unter Druck, kreative Präventionsprogramme zu entwerfen.

Davon, dass sich Präventionsarbeit rechne, sind die Experten nach ihrem USA-Besuch überzeugt - dies zeigten auch Untersuchungen im Staate Washington. Dort wurde auf den Neubau eines Gefängnisses verzichtet und das Geld stattdessen für vorbeugende Sozialmaßnahmen ausgegeben.

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