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Niedersachsen Land will die Organspende fördern
Nachrichten Politik Niedersachsen Land will die Organspende fördern
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20:37 08.11.2018
Durch ein neues Landesgesetz will Niedersachsen die Bereitschaft zur Organspende erhöhen und die Kliniken besser dafür vorbereiten. Quelle: dpa
Hannover

Nur langsam steigt die Zahl lebensrettender Organspender in Deutschland, die im letzten Jahr mit 2594 Organen einen Tiefstand erreicht hatte. Mit einem neuen Transplantationsgesetz, das der Landtag am kommenden Dienstag verabschieden soll, will Niedersachsen die Bereitschaft der Bürger steigern, ihre Organe todkranken Menschen zu vererben. Wesentlicher Bestandteil der neuen gesetzlichen Regelung sind freigestellte Transplantationsbeauftragte – kundige Ärzte, die unabhängig und sensibel sich um Patienten, Organspender und ihre Angehörigen kümmern sollen. „Dieses Gesetz bietet die Möglichkeit, einen entscheidenden Schritt nach vorn zu kommen, indem wir künftig an den Krankenhäusern echte Kümmerer bekommen werden“, sagt die Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer, Martina Wenker, der HAZ.

Strukturreformen vonnöten

Mit bundesweit 2594 gespendeten Organen war 2017 der niedrigste Stand von Organspenden in den letzten zwanzig Jahren erreicht worden. Im Jahr 2016 sind nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplation noch 2867 Organe an einen todkranken Menschen „vererbt“ worden. Fachleute schauen mit Neid auf Spanien, wo auf eine Million Einwohner mehr als vierzig Spender kommen, während in Deutschland die Marke bei etwa zehn Spendern liegt. Kliniken in Spanien, die die Organentnahme praktizierten, seien mit den Abläufen bestens vertraut, erläutert Ärztekammerpräsidentin Wenker. Zudem gelte die Widerspruchslösung, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kürzlich in die Debatte geworfen hat. So dürfen in Spanien jedem Hirntoten die Organe entnommen werden, wenn er oder seine Angehörigen dem nicht ausdrücklich widersprochen haben – eine Lösung, die Wenker nicht behagt: „Für mich ist eine Spende nur dann eine Spende, wenn sie freiwillig geschieht.“ Der Vorzug des niedersächsischen Gesetzes bestehe darin, dass die Krankenhäuser andere Strukturen aufbauen müssten. Wenker empfiehlt, erst einmal den Weg der Strukturreformen zu gehen, bevor man womöglich über den Bundesgesetzgeber die umstrittene Widerspruchslösung einführen könnte.

„Unser Gesetz hat mit der Widerspruchslösung zunächst gar nichts zu tun“, betont der Sozialexperte der SPD-Landtagsfraktion, Uwe Schwarz. Denn Niedersachsen schließe mit dem geplanten Ausführungsgesetz nur den Spielraum, den der Bund bewusst gelassen habe. Die Vorschläge orientierten sich eng an einem bayerischen Gesetz sowie Reformvorschlägen aus Berlin. Sie sehen vor, dass die etwa 100 Kliniken, in denen überhaupt Organentnahmen vorgenommen werden können, mindestens eine halbe Stelle mit einem Transplantationsbeauftragten zu besetzen. Das sei wichtig, da diese Ärzte im Klinikbetrieb, der gerade auf den Intensivstationen durch Arbeitsüberlastung geprägt sei, auch den Kopf frei hätten für die sensible Aufgabe.

Breite Mehrheit in Sicht

Nach dem neuen Gesetz, das im niedersächsischen Landtag voraussichtlich eine breite Mehrheit findet, sollen die Beauftragten „frühzeitig an allen Entscheidungen beteiligt werden“, die die Organspende betreffen. Auch sollen sie jederzeit zu den Intensivstationen Zugang erhalten und Einblick in die entsprechenden Krankenakten bekommen. Das sei wichtig im Krankenhausbetrieb, sagen Experten, da in den Kliniken selbst Menschen, die einen Spenderausweis hätten, nicht als potenzielle Lebensretter identifiziert würden.

Im Landtag hat sich nur die AfD gegen das Gesetz ausgesprochen. Abgeordneter Stefan Bothe findet, es sei sinnvoller, den Bundesgesetzentwurf abzuwarten. Die Grünen wollen nach Worten von Meta Janssen-Kucz jetzt doch zustimmen, bisher waren sie abwartend. CDU und SPD sind dafür. „Wir diskutieren seit 2003 über dieses Gesetz – es wird jetzt Zeit“, meint Sozialexperte Schwarz.

Von Michael B. Berger

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