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Niedersachsen Andrea Nahles bringt Schwung in den SPD-Saal
Nachrichten Politik Niedersachsen Andrea Nahles bringt Schwung in den SPD-Saal
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00:22 17.04.2018
Ein Niedersachsen-Ross für die designierte SPD-Chefin: Stephan Weil überreicht Andrea Nahles beim SPD-Parteitag die Pferdefigur. Quelle: dpa
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Bad Fallingbostel

Wer rettet die SPD? Andrea Nahles hat darauf eine einfache Antwort. Sie erklärt die selbstgestellte Frage schlicht für falsch. „Niemand muss die SPD retten, denn sie wird gebraucht – gerade jetzt als Friedenskraft.“ Da gibt es Beifall in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel, in der Niedersachsens SPD am Sonnabend ihren Landesparteitag abhält - in einem ziemlich unterkühlten Raum. Vielleicht liegt es daran, dass hier die Jägerschaft noch vor einer Woche ihre Trophäenschau präsentierte, wie der ortskundige SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil berichtet. Nahles braucht heute keine „Strecke“ wie die Jäger hinzulegen. Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel ist gar nicht da.  Die SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende ist der Stargast einer Veranstaltung, in der die Landes-SPD ihr Führungsteam um Stephan Weil bestätigt. Nahles, die in einer Woche zur neuen Bundesvorsitzenden gekürt werden soll, bringt etwas Schwung in den rustikalen Saal.

„Nur nicht strunzen“

Sie redet frei und unter Einsatz ihres ganzen Körpers. Sie redet mit Worten, die nicht jeder versteht, aber sie redet lustig. Die SPD dürfe, sagt Nahles, jetzt nicht „strunzen“, das mit ihr erstmals nach 154 Jahren eine Frau an die Spitze der Partei gewählt werden soll. „Strunzen heißt prahlen“, erklärt die Frau aus der Vulkaneifel den nicht so sprachschöpferischen Niedersachsen. Sie habe schon einen gehörigen Respekt vor dem angestrebten Amt, wenn sie an der Bildergalerie im Willy-Brandt-Haus entlanggehe: „Uijuijuijui –lauter ernste Männer.“ Sie redet auch über ihre Vorgänger, bedankt sich ausdrücklich bei Gabriel, ihrem einstigen Chef und Intimfeind, der harte Wahlniederlagen hinzunehmen hatte, und von Schulz, der schnell gemerkt habe, wie sehr doch der Ruf „Hosianna“ und – hier bricht sie ab und fragt: „Sind Katholiken im Saal?“. Ja, signalisieren einige. So bleibt der Satz unvollendet, der da hätte lauten können: In der SPD hängen die Rufe „Hosianna“ und „Kreuziget ihn“ eng beieinander.    

Eine halbe Stunde redet Nahles, kurz und heftig. Über die Geschlossenheit, die die Niedersachsen-SPD den anderen vorgelebt habe: „Ihr habt uns wieder aufgerichtet.“ Das hören die Niedersachsen gerne. Beifall. Über die SPD als Friedenskraft. „Es kann nicht geduldet werden, dass der Einsatz chemischer Waffen in Syrien unkommentiert bleibt, aber dieser Krieg wird nur durch eine diplomatische Lösung mit Russland beendet.“ Auch dies hören die Niedersachsen gerne, zumal auch ihr mit 94,1 Prozent wiedergewählter Landesvorsitzender Stephan Weil klare Worte zu dem nach Donald Trumps Tweet vom Mittwoch gar nicht mehr überraschenden Militärschlag gefunden hat. Er habe die klare Erwartung an die Bundesregierung, „jetzt Signale der Entspannung anzusprechen, auch gegenüber Rußland“, sagt Weil.  Beifall. Im Gegensatz zu Weil, der für jeden Satz ein korrektes Ende findet, bricht Nahles zuweilen ab. Dafür braucht sie keinen Gebärdendolmetscher, wenn sie redet. Etwa über die Erneuerung der SPD, die den Mumm haben müsse, auch heiße Eisen anzupacken, etwa drohenden Arbeitsplatzverlust durch die Digitalisierung. Da führt Nahles die eigene Cousine Roswitha an, 23 Jahre sicher in einem gutdotierten Job, die nur durch einen Algorhythmus ersetzt werde. Und. Und. Und. Dicker Beifall, ein weißes Niedersachsen-Roß aus Porzellan, dann rauscht sie ab, die designierte SPD-Bundesvorsitzende.

Weil gilt als berechenbare Größe

„Ich weiß, dass sie sehr gut reden kann, sie ist schließlich ja auch meine Bundestagsvorsitzende“, sagt der Hildesheimer Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal. Er hätte es prinzipiell besser gefunden hätte, wenn neben Nahles auch die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange in Bad Fallingbostel vorgesprochen hätte. Schließlich kandidiere die auch für den Bundesvorsitz. Aber Nahles ist heute hier nicht die Hauptsache, in der sich die SPD als  „die Niedersachsen-Partei“ formieren will.

Unter diesem Motto (“wir sind die Niedersachsen-SPD“) hat Landeschef Weil, der die Partei unaufgeregt und souverän seit sechs Jahren führt, eine lange Rede gehalten. Unaufgeregt, souverän und frei – von seiner Syrienpassage einmal abgesehen – von Überraschungen. Aber so kennen und so achten seine Sozialdemokraten Weil, als berechenbare Größe. Den Kommunen sichert er im endlosen Streit um die Kitagebühren „einen fairen Ausgleich“ zu. Gegen die grassierende Angst auf allen Feldern will Weil mit einer geschlossenen und entschlossenen Politik entgegenwirken. Nach seiner Rede begibt sich Weil sofort in die Menge. Den langen Beifall quittiert er aus jener Mitte, in der er auch die SPD am liebsten sieht.

Von Michael B. Berger

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