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Niedersachsen Diskriminierung Homosexueller: Bischof entschuldigt sich
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00:18 03.12.2017
Bittet um Verzeihung: Landesbischof Ralf Meister.  Quelle: dpa
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Hannover

Hannovers Landesbischof Ralf Meister hat das Parlament seiner Kirche am Donnerstag mit einem ungewöhnlichen Akt überrascht. Meister bat um Verzeihung für die Kränkungen und Diskriminierungen von Homosexuellen, die in seiner Landeskirche geschehen seien. Kaum ein anderes Thema sei in der hannoverschen Landeskirche in den vergangenen Jahrzehnten „so intensiv und leidenschaftlich, aber auch so kämpferisch im Ringen um Wahrheit und sogleich oft menschlich kränkend und sozial diskrimierend behandelt worden“ wie die Homosexualität kirchlicher Mitarbeiter. „Ich bitte dafür um Verzeihung“, sagte Meister unter Beifall der Synodalen.

Noch bis zum Anfang des neuen Jahrtausends mussten Pastoren, die ihre Homosexualität offen lebten, in der hannoverschen Landeskirche um Entfernung aus dem Amt bangen. Viele zogen die Konsequenz und schwiegen.  Erst Meisters Vorgängerin im Bischofsamt, Margot Käßmann, änderte diesen Kurs –und ließ auch schwule und lesbische Theologen ihr Amt ausüben. Meister äußerte seine Bitte um Verzeihung im Rahmen seines Bischofsberichtes, in dem er sich ausführlich mit der vom Bundestag beschlossenen „Ehe für alle“ auseinandersetzte –ein Beschluss, den Meister begrüßte. Auch wenn für ihn das biblische Vorbild eines Paares von Mann und Frau das „Urbild“ für die Zweiergemeinschaft bleibe, müsse die Kirche eine größere Vielfalt akzeptieren, auch wenn dies manche Menschen als bedrohlich empfänden. Meister erläuterte, dass sich auch das Bild der Ehe über die Jahrhunderte erheblich verändert habe – von einer reinen Zweck- und Vernunftgemeinschaft  zur Liebesehe.

Der Verein „Homosexuelle und Kirche“ begrüßte Bischof Meisters Erklärung. „Das ist die größte Versöhnungsgeste, die wir uns vorstellen können“, sagte Hans-Jürgen Meyer. Der früherere hannoversche Pastor war selbst von der Ausgrenzung der Schwulen betroffen. Er wurde 1984 wegen gelebter homosexueller Partnerschaft vom Dienst suspendiert und sechs Jahre später bei gekürzten Bezügen in den Wartestand versetzt. 16 Jahre konnte er seinen Beruf nicht ausüben,. bevor er im Jahr 2000 wieder Pastor im Henriettenstift wurde.

Inzwischen können Homosexuelle in der Kirche sogar Karriere machen. Vor einem Jahr wurde etwa der Hannoveraner Mirko Peisert in Hildesheim zum Superintendenten gewählt. Peisert, der auch in der Synode sitzt, bezeichnete Meisters Rede als „mutig, stark und zukunftsweisend“, weil sie weit über das frühere Streitthema hinausgegangen sei. 

Im Unterschied zur Württembergischen Landeskirche, die noch diese Woche entsprechende Vorschläge ablehnte, bietet die hannoversche Kirche auch Gottesdienste nach der standesamtlichen Trauung von Schwulen und Lesben an. Eine entsprechende Handreichung für den Ablauf solcher Gottesdienste werde jetzt überarbeitet, kündigten Meister und Synodenvertreter an – die entsprechenden Segenswünsche werden der „Ehe für alle angepasst“. Die Trauung findet nach wie vor auf dem Standesamt statt.

Feiertag für alle Länder?

Landesbischof Ralf Meister begrüßt die Absicht von SPD und CDU, einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag in Niedersachsen einzuführen. Ministerpräsident Stephan Weil hatte hierfür den Reformationstag vorgeschlagen –aufgrund guter Erfahrungen mit dem diesjährigen Reformationsjubiläum. Meister forderte die Kirchengemeinden auf, sich zu diesem Vorschlag zu äußern. „Das wäre sehr hilfreich.“ Der neue CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer forderte die Große Koalition auf, bei dem Feiertag keinen Alleingang zu unternehmen, sondern eine norddeutsche Lösung anzustreben. Dies wäre nicht nur gut für die Wirtschaft, die die Kosten zu tragen hätte, sondern auch für die vielen Pendler in den norddeutschen Ländern. Bislang plädieren nur Niedersachsen und Bremen für den Reformationstag, während Hamburg auch eine Reihe weltlicher Feiertage in die Diskussion gebracht hat. Gegen den Reformationstag als zusätzlichen Feiertag hat allerdings die katholische Kirche ziemliche Bedenken. Vom jetzigen Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) wurde der „Buß-und-Bettag“ ins Gespräch gebracht, der bis 1993 gesetzlicher Feiertag war und von seiten der Kirche der Pflegeversicherung „geopfert“ wurde.

Von Michael B. Berger

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