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„Das Verbrechen wandert in den virtuellen Raum“

Gespräch mit Niedersachsens LKA-Chef Uwe Kolmey „Das Verbrechen wandert in den virtuellen Raum“

Mehr als 40 Jahre hat Uwe Kolmey, scheidender Präsident des Landeskriminalamtes Niedersachsen, sich der Verbrechensbekämpfung gewidmet. Heute stehen die Internetkriminalität und die Terrorbekämpfung obenan.

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Ein Teamworker: der scheidende LKA-Präsident Uwe Kolmey in seinem Büro am Waterloo-PLatz.

Quelle: Foto: Heusel

Hannover.  So ändern sich die Zeiten. „Die Delikte haben sich ins Internet verlagert, das Verbrechen ist international geworden“, sagt Uwe Kolmey, scheidender Präsident des niedersächsischen Landeskriminalamtes. Als er 1975 kurz nach dem Abitur am Hildesheimer Scharnhorst-Gymnasium als Polizist anfing,  habe man beispielsweise noch mit Straftätern zu tun gehabt, die Kinderpornografie verschämt hinter ihrem Ladentisch vertrieben hätten, während sie heute eine internationale Angelegenheit sei,  deren Tätern nur  IT-Spezialisten auf die Spur kämen. Und auch Terroristen, meist mit islamistischen Hintergrund, bewegen sich heute verstärkt im Netz. „Der Kampf gegen den Terrorismus wird uns nicht loslassen, es ist das prägende Thema der kommenden Jahre.“

Früher die RAF, heute der IS

Am 12. März wird der 62-jährige Kolmey als Chef Landeskriminalamtes (LKA) in den regulären Ruhestand  verabschiedet – nach knapp 13 Jahren an der Spitze der 1100  Mitarbeiter starken Behörde. Als Kolmey als Polizist begann, beschäftigte auch die Terrorismusbekämpfung die Sicherheitsbehörden. Allerdings waren die Verbrechen der Rote-Armee-Fraktion (RAF) noch wesentlich greifbarer, als der Islamistenterror, der jeden treffen kann. Die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates (IS), sagt Kolmey, seien heute, da sie im Nahen Osten militärisch zurückgeschlagen seien, noch gefährlicher geworden. Auch durch Rückkehrer aus dem Syrienkrieg, die, militärisch ausgebildet, oft heftig verroht und schwer traumatisiert seien.

Auch die Dynamik, mit der sich der militante Salafismus in den Netzen verbreite, sorgt den LKA-Chef, zumal die Salafisten meist über eine „jugendaffine Sprache“ verfügten und orientierungslosen Jugendlichen über die Vorstellung, zu einer vermeintlich „guten, internationalen Glaubenselite“ zu gehören, Halt vermittelten. „Die Wirkmechanismen sind oft nicht anders als bei Rechtsextremisten.“

Kolmey hat sich als Teamworker über die Jahre einen hervorragenden Ruf erworben. Er entspricht in seiner ruhigen, sachlichen Art sogar nicht dem Bild eines LKA-Chefs, wie er im „Tatort“ vermittelt wird. Er ist mit Leib und Seele Polizist, sein Vater war schon Kriminalbeamter, zwei seiner drei erwachsenenen Kinder sind auch Polizisten. 

Zu den meist diskutierten Fällen seiner Amtszeit zählen die Ermittlungen gegen (den später freigesprochenen) Bundespräsidenten Christian Wulff wie auch gegen den SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy. Aber auch der Mord von sieben Vietnamesen in Sittensen, der im Jahr 2007 geschah, und als „eskalierende Raubtat“ aufgeklärt wurde, zählt dazu.

Der Übergang in eine Zeit ohne Termindruck und wird dem Spitzenpolizisten gewiss nicht nur leicht fallen, auch wenn er sich darauf freut. Aber alte Hobbys will er wiederbeleben, etwa die Tischlerei und Bildhauerei. Auch das Klavier wird man in seinem Haus in der Nähe von Hildesheim wohl öfter hören.

Von Michael B. Berger

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