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Niedersachsen Zahl der Verbrechen so niedrig wie lange nicht
Nachrichten Politik Niedersachsen Zahl der Verbrechen so niedrig wie lange nicht
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01:09 01.03.2018
Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover

Im Jahr 2017 wurden demnach landesweit 526 120 Straftaten registriert, das waren 6,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor und der niedrigste Wert seit zehn Jahren, wie Pistorius sagte. Die Aufklärungsquote stieg im Vergleich zu 2016 um fast einen Prozentpunkt auf 62,3 Prozent. Die Zahl der Wohnungseinbrüche, die die Menschen besonders umtreiben, sank im Vorjahresvergleich um rund 17 Prozent.

Dennoch befürchten mehr Menschen als früher, Opfer eines Verbrechens zu werden, wie die Ergebnisse einer Befragung für eine Dunkelfeldstudie zeigen, die der Präsident des Landeskriminalamtes (LKA), Uwe Kolmey, vorstellte. Viele Menschen fürchten sich demnach vor Diebstahl und Einbrüchen. Die Tatsache, dass die Kriminalitätsrate sinkt, während die Angst vor Kriminalität steigt, führte Kolmey auch auf die vermehrte Berichterstattung über Verbrechen zurück. 

In fast allen Bereichen wurden weniger Straftaten registriert: Bei Körperverletzungen und Nötigungen sank die Zahl der Fälle um 4,4 Prozent, bei Diebstählen um rund 10 Prozent, angezeigten Vergewaltigungen um 6 Prozent, Kindesmissbrauch um 9 Prozent, Autodiebstählen um 19 Prozent, Taschendiebstählen um 18 Prozent und Diebstählen aus Autos um 15 Prozent. Bei Rauschgiftdelikten hingegen setzte sich ein langjähriger Anstieg fort, in drei Viertel aller Fälle ging es dabei um Cannabis. In diesem Zusammenhang ermittelte die Polizei insbesondere an Schulen wesentlich häufiger als früher.

Die Zahl minderjähriger Tatverdächtiger, die zuletzt zehn Jahre lang rückläufig war, ist im vergangenen Jahr um 4 Prozent gestiegen. Die Zahl tatverdächtiger Kinder stieg um 21 Prozent. Woran das liegt, will das LKA untersuchen.

Erkennbar zurückgegangen ist auch die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge. „Die überwiegende Mehrheit der geflüchteten Menschen tritt nach wie vor nicht polizeilich in Erscheinung“, betont das Innenministerium. Wenn man die ausländerrechtlichen Verstöße unberücksichtigt lasse, seien im vergangenen Jahr 17 403 Personen, die sich als Flüchtlinge in Niedersachsen aufhielten, als Tatverdächtige einer Straftat ermittelt worden – 1252 weniger als im Vorjahr.

Leicht zugenommen hat aber erneut die Gewalt gegen Polizeibeamte – von 3057 Fällen im Jahr 2016 auf 3179 Fälle im vergangenen Jahr. In der Hälfte aller Fälle ging es hierbei um Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte.

Die Entwicklung der verschiedenen Verbrechen im Detail:

​Einbrüche

Um rund 17 Prozent ​ist im vergangenen Jahr die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. 13 595 Einbrüche wurden 2017 bei der niedersächsischen Polizei gemeldet – ein Rückgang von mehr als 2800 Fällen. Innenminister Boris Pistorius (SPD) führt diesen Trend auf gezielte Polizeiarbeit sowie auf verstärkte Bemühungen von Haus- und Wohnungseigentümern zurück, ihr Eigenheim besser zu sichern. „Wenn ein Einbrecher etwas nicht hat, dann ist es Zeit“, sagen die Experten vom LKA. Deshalb seien gesicherte Fenster und Türen ein großer Schutz.

Obwohl prozentual verhältnismäßig wenige Bürger Opfer eines Wohnungseinbruchs werden, ist die Furcht davor weit verbreitet, wie die Dunkelfeldstudie des LKA zeigt. Hier wurden Bürger nach ihren Ängsten befragt. 23,4 Prozent gaben an, „sehr wahrscheinlich“ Opfer eines Einbruchs zu werden – wesentlich mehr als in früheren Jahren. Die Furcht resultiere auch aus der vermehrten Medienberichterstattung über das Einbruchsthema, erklären LKA-Experten.

Kriminalität in Schulen

Gegen den Trend ​hat die Kriminalität von minderjährigen Tatverdächtigen zugenommen – von 34 480 auf 35 900 Fälle im vergangenen Jahr. Auffällig ist dabei für die LKA-Experten auch der Anstieg von Straftaten, die an Schulen geschehen. Hier wurden im vergangenen Jahr 5556 Straftaten verzeichnet. 
Das sind deutlich mehr als die im Vorjahr registrierten 4199 Delikte. Nicht selten handelt es sich dabei um Raufereien zwischen Schülern, in 1130 Fällen wurde wegen Körperverletzungen ermittelt.

Ein weiteres häufiges Delikt an Schulen ist der Diebstahl.  Hier gab es im vergangenen Jahr 1781 Fälle, während es im Jahr zuvor noch 1491 Fälle waren. Dabei schlug der Diebstahl von Fahrrädern mit 772 Fällen zu Buche, obwohl hier im Laufe der Jahre immerhin ein großer Rückgang zu verzeichnen ist. 2008 wurden noch mehr als 2000 Fahrräder von Schulhöfen geklaut.

Die LKA-Experten führen den Anstieg der Straftaten in Schulen auch darauf zurück, dass mehr Taten zur Anzeige kommen. Auch die Schulen wurden vom Kultusministerium in einem Erlass aufgefordert, auffälliges Verhalten anzuzeigen. Die Tatsache, dass jetzt mehr Flüchtlingskinder in den Schulen unterrichtet würden, habe mit dem Anstieg nichts zu tun. 

Dunkelfeldstudie

Die Ängste der Bürger ​decken sich nicht immer mit den Fallzahlen der Kriminalisten. Um hier bessere Erkenntnisse zu gewinnen, erhebt Niedersachsen seit 2012 sogenannte Dunkelfeldstudien – 2017 zum dritten Mal. Dafür wurden 40 000 Menschen im Land angeschrieben, immerhin 45,2 Prozent antworteten auch. Ein Ergebnis der Wissenschaftler: Der Anteil von Menschen, die nur ein geringes Gefühl von Sicherheit haben, ist von 2015 auf 2017 erkennbar gestiegen – von 9,1 auf 12,3 Prozent der Befragten.

Knapp 6 Prozent der Menschen gab sogar an, sich mit Reizgas oder Messer bewaffnet zu haben, um sich gegebenenfalls verteidigen zu können. Mehr als ein Viertel aller Befragten vermieden es, bestimmte Straßen oder Plätze zu betreten, weil sie sich unsicher fühlten. Jeder Vierte habe Vorkehrungen für seine Wohnung getroffen, zusätzliche Riegel oder eine Alarmanlage.

Diebstahl

Immerhin ein Drittel aller Delikte, ​bei denen Niedersachsens Polizei ermitteln muss, sind Diebstähle – wobei die Beamten unterscheiden zwischen Diebstahl unter erschwerten Umständen (etwa mit Einbruch verbunden) oder leichteren Formen.

Der Diebstahl unter erschwerten Umständen ging im vergangenen Jahr um fast 11 Prozentpunkte zurück – von 107 339 Fällen auf 95 665 Fälle. Auch leichtere Formen des Diebstahls nahmen um rund 11 Prozentpunkte ab, von 98 714 Fällen auf 87 501 Fälle. Die Polizei konnte 44,8 Prozent der schweren Diebstähle aufklären, was eine etwas bessere Quote als im Vorjahr ist. Bei den
„leichteren“ Fällen blieb die Aufklärungsquote hingegen 2017 so gering wie 2016 – gut 21 Prozent.

Körperverletzung

Die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte ​ist mit 76 922 Fällen immer noch hoch, allerdings gab es hier im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Rückgang um 4,4 Prozentpunkte. 2016 waren noch 80 497 Rohheitsdelikte registriert worden. Bei Gewalttaten, die sich gegen Polizisten richten, stellen Körperverletzungen mehr als 40 Prozent der Taten dar. Hier macht sich nach Ansicht der Experten eine gewisse Verrohung der Gesellschaft insgesamt bemerkbar.

Alexander Zimbehl von der Deutschen Polizeigewerkschaft meint, dass bereits eingeleitete Gesetzesverschärfungen ihre Wirkung noch nicht voll entfaltet hätten. Zimbehl forderte aber auch Richter und Richterinnen auf, „deutliche“ Urteile bei Gewalt gegen die Polizei auszusprechen.

Von Michael B. Berger

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