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Niedersachsen Wie kommen Sie mit den vielen Studenten klar?
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00:16 02.12.2017
Wolfgang-Uwe Friedrich, Vorsitzender der Hochschulkonferenz. Quelle: Archiv
Hannover

Die HAZ hat mit dem Vorsitzenden der Landeshochschulkonferenz, Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich, über die hohe Zahl der Studierenden gesprochen.

Herr Professor Friedrich, die Studierendenzahlen sind in Niedersachsen mit fast 210 000 so hoch wie nie zuvor. Haben Sie mit diesem massiven Andrang gerechnet?

Wir haben seit Jahren bundesweit einen Anstieg der Studierendenzahlen. Dieser Trend war also erwartbar. In Niedersachsen haben wir noch zwei Schübe durch die doppelten Abiturjahrgänge und den Wegfall der Studiengebühren bekommen. Die starken Jahrgänge sind jetzt im System und gleichzeitig gehen die Anfängerzahlen nicht zurück.

Kommen die Hochschulen mit diesem Andrang gut klar?

Na, „gut“ nicht, aber wir kommen damit klar. Durch den Hochschulpakt 2020 von Bund und Ländern haben wir zusätzliche Mittel zur Abdeckung der starken Jahrgänge bekommen. Aber das ist nur eine Überbrückungszahlung. Das Land Niedersachsen hat einen ersten Schritt gemacht durch den Hochschulentwicklungsvertrag, mit dem das Land seinen Finanzierungsanteil verstetigt. Nun setzen wir Hochschulen und das Land darauf, dass die Verhandlungen mit dem Bund dazu führen, dass auch der seiner Verpflichtung nachkommt, die Mittel zu verstetigen.

Wann wird die Kurve wieder abflachen?

Erst einmal gar nicht. Es gab immer wieder Prognosen, dass die Studierendenzahlen zurückgehen, doch die haben sich nicht bewahrheitet. Wir sind jetzt gewissermaßen auf einem Hochplateau. Das heißt, dass das jetzt erreichte hohe Niveau weit bis ins nächste Jahrzehnt erhalten bleibt.

Was heißt denn das für das Zahlenverhältnis von Lehrenden und Lernenden, für die Qualität der Ausbildung?

Das bedeutet, dass wir uns in einer schwierigen Lage befinden, die in Zukunft noch schwieriger wird. So bekommen wir durch den Hochschulpakt 2020 nur Projektmittel, die zeitlich befristet sind. Um die Betreuungssituation langfristig zu verbessern, brauchen wir eine Grundfinanzierung, die dauerhaft gesichert werden muss. Dafür braucht man aber eine dauerhafte Regelung zwischen dem Bund und den Ländern, den eine lediglich geschäftsführende Bundesregierung aber nicht abschließen kann. Deshalb haben die Hochschulen ein großes Interesse, dass der Bund wieder handlungsfähig wird.

In den Siebzigerjahren, als die geburtenstarken Jahrgänge an die Hochschulen drängten und siebzig bis achtzig Leute in Seminaren saßen, sprach man von Massenuniversität. Ist es heute wieder soweit?

Ja, wenn auch 70 bis 80 Studierende in einem einzigen Seminar eher die Ausnahme sind. Aber solche Extremfälle gibt es an allen Universitäten. Durch die großen Zahlen, die wir jetzt haben, leidet ohne Frage die Qualität der Lehre. Um einen wirklich guten Betreuungsschlüssel zu erzielen, braucht man tatsächlich eine Sockelerhöhung. Momentan helfen wir uns mit Hilfskonstruktion. Die scheinbar gute Betreuungssituation ergibt sich dadurch, dass Lehrbeauftragte mit eingerechnet werden, ja in einer vor Monaten erstellten Übersicht des Wissenschaftsministeriums wurden sogar die wissenschaftlichen Hilfskräfte mit eingerechnet. Das geht natürlich gar nicht. Die grundständige Lehre muss durch hauptberufliches Personal erbracht werden, das ist nur zum Teil der Fall.

Wie hoch ist der Anteil von Lehrbeauftragten und Hiwis am Lehrpersonal?

Das variiert von Hochschule zu Hochschule und von Studiengang zu Studiengang. Das Land Niedersachsen hat angesichts der doppelten Abiturjahrgänge vor Jahren erklärt, dass der Anteil von Lehrbeauftragten bis zu 30 Prozent betragen kann. Das kann nur ein Notbehelf sein.

In Niedersachsen ist nun eine Große Koalition angetreten. Welche Wünsche haben die Hochschulen an die neue Regierung.

Was die Hochschulen brauchen, ist vor allem eine Erhöhung der Grundfinanzierung mit dem Ziel, mehr hauptamtliche Mitarbeiter zu bekommen mit ordentlichen Laufzeiten der Verträge. Der zweite Wunsch ist die Sanierung der hochulinternen Infrastruktur. Ferner brauchen wir einen Masterplan Digitalisierung. Das Koalitionsabkommen bewerten wir in dieser Hinsicht als äußerst positiv. 

Zur Person

Wolfgang-Uwe Friedrich ist Politikwissenschaftler und Vorsitzender der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen. Seit 2001 ist der heute 65-Jährige im Hochschulmanagement tätig: von 2001 bis 2002 als Vizepräsident der Universität Hildesheim und seit 2002 als ihr Präsident.  Am 28. November 2016 bestätigte ihn die Landeshochschulkonferenz für eine weitere Amtszeit als Vorsitzenden, d.h. bis zum 31. Dezember 2018.

Von Michael B. Berger

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