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Niedersachsen Dem alten Text demokratischen Geist eingehaucht
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00:39 13.04.2018
Stephanie Springer (links), Präsidentin des Landeskirchenamtes, hier bei der Einsegnung einer Pastorin, die sie als Kirchenvorsteherin wahrnahm. Quelle: unknown
Hannover

 Die hannoversche Landeskirche möbliert sich derzeit geistig neu. Sie diskutiert auf Kirchenkreisversammlungen, Akademietagungen über ihr inneres Gerüst – über eine neue Verfassung, die möglöichst im kommenden Jahr beschlossen werden soll. Die alte stammt in ihren Grundzügen noch aus der Monarchie und aus den Anfängen der Weimarer Republik, als die Einheit zwischen Thron und Altar zerbrochen war. Überarbeitet wurde sie in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie ist nach den Worten von Stephanie Springer, der Präsidentin des hannoverschen Landeskirchenamtes, ziemlich weit von der Lebenswirklichkeit der heutigen Gemeinden entfernt. „Ein Bewusstsein für die plurale Gesellschaft fehlte völlig. Und der Gedanke, dass man für ein Engagement in den Gemeinden auch werben muss, lag ziemlich fern“, sagt Springer. Deshalb habe man sich entschlossen, die gesamte Verfassung hier und da auf Vordermann beziehungsweise Vorderfrau zu bringen, denn die Gleichstellung aller Menschen wird in dem neuen Grundsatzwerk auch großgeschrieben.  „ Ein minimalinvasiver Eingriff reichte nicht aus, deshalb haben wir uns zu einem großen Diskussionsprozess entschieden. Wir reden auch darüber, wie wir uns die Kirche der Zukunft vorstellen.“

Das haben Theologen, Juristen sowie zahlreiche Ehrenamtliche auf einer Tagung in der Evangelischen Akademie in Loccum getan, in der kürzlich die Grundzüge der neuen Verfassung vorgestellt wurden. So sollen die rund 1260 Gemeinden der Landeskirche mehr Möglichkeiten bekommen sich zu organisieren. Neben die traditionelle Ortsgemeinde, die Parochie, sollen auch themenorientierte Personalgemeinden treten können, was früher vollkommen verpönt war, etwa eine Jugendgemeinde oder auch eine Gospelkirche. Auch Klöstergemeinschaften oder spezielle Profilgemeinden werden als gleichberechtige Formen der Kirchengemeinde aufgewertet – ohne mit der bewährten Ortsgemeinde zu brechen.

Ging die alte Verfassung noch sehr sparsam mit theologischen Aussagen in den Rechtstexten um, so werden jetzt der Verfassung in einer Präambel einige theologische Grundaussagen vorangestellt, die auf die „Barmer Theologischen Erklärung von 1934“ Bezug nehmen – ein Bekenntnis, mit der sich damals Christen gegen die Übernahme der Kirche durch die Nationalsozialisten zur Wehr setzten. Neu ist auch ein Bekenntnis der Kirche zum freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat, der in einem speziellen Artikel zum Verhältnis  von Kirche, Staat und Gesellschaft festgehalten ist. Dass die hannoversche Kirche sich in einem Verfassungstext positiv zur demokratischen Grundordnung stellt, ist nach Springers Worten ein Novum. Wichtig kann dieser Vorsatz werden, wenn etwa Radikale die Kirchenvorstände erobern wollten.

Auch das Verhältnis zu anderen Religionen wird angesprochen, der Gedanke einer Judenmission verworfen wie auch jegliche Form von Diskriminierung. Die Kichenkreise werden in ihrer leitenden Funktion gestärkt und der Landessuperintendent als das bezeichnet, was er ist: Kein Chefermittler von Scotland Yard, sondern ein Regionalbischof. Wie zu hören ist, gibt es gegen diesen pragmatischen Reformvorschlag das größte Gegrummel.

Von Michael B. Berger

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