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Niedersachsen Eltern machen gegen Schulpläne des Landes mobil
Nachrichten Politik Niedersachsen Eltern machen gegen Schulpläne des Landes mobil
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20:37 15.08.2017
Von Saskia Döhner
Quelle: dpa/Symbolbild
Hannover

„Wir Eltern werden nicht länger zusehen, wenn unseren Kindern dadurch weitere Bildungschancen verwehrt werden“, heißt es in dem Schreiben, das der HAZ vorliegt. „Es brennt an den Schulen“, sagt die Verbandsgeschäftsführerin Petra Wiedenroth, „und auch die Standorte, die jetzt noch nicht betroffen sind, werden bald betroffen sein.“

Nach Schätzungen des Philologenverbands müssen landesweit mehr als 1000 Lehrer vorübergehend an Grundschulen unterrichten. Die Rede ist von rund 10.000 fehlenden Lehrerstunden. Schulen müssen jeweils zwischen 30 und 130 Lehrerstunden abgeben.

Besondere Empörung herrscht darüber, dass offenbar viele der abgeordneten Pädagogen gar nicht für den Kernunterricht benötigt werden, sondern für den Zusatzbedarf. Das heißt, sie machen Pausenaufsicht, helfen bei Hausaufgaben oder sind Zweitkraft in Sprachlernklassen. Andere werden völlig fachfremd eingesetzt: Eine Englischlehrerin erteilt Religion, ein Biologie- und Chemielehrer macht jetzt Sport mit Grundschülern. Bei einer Dienstbesprechung an einer Schule in der Region Hannover wurde der Satz eines Mitarbeiters aus dem Kultusministerium publik: An den Grundschulen würden „warme Körper“ benötigt.

„Da werden wertvolle Unterrichtsstunden verplempert“, kritisiert Philologenchef Horst Audritz. Mit fatalen Folgen: Gymnasien müssten ihre Oberstufenangebote einschränken, moniert Wiedenroth. Für Aufsichten könnten doch auch pädagogische Mitarbeiter oder notfalls Eltern eingesetzt werden.

Laut Ministerium sollen die abgeordneten Pädagogen vorrangig für den Fachunterricht eingesetzt werden. In den Jahrgängen 3 und 4 gehörten auch Arbeitsgemeinschaften zum Pflichtunterricht.

Sindy Czaja, dreifache Mutter aus der Wedemark, hat jetzt unter www.fehlstunden-nds.de ein Portal eingerichtet, in dem Eltern, Schüler und Lehrer ausgefallene Stunden eintragen können. Vorbild ist eine Elterninitiative aus Schleswig-Holstein. „Es reicht jetzt mit dem Unterrichtsausfall“, findet auch der niedersächsische Landeselternratsvorsitzende Mike Finke. Abordnungen seien die pädagogisch schlechteste Lösung. Besser sei es, wenn Grundschullehrer vier Überstunden in der Woche machten oder die zahlreichen Teilzeitkräfte ihre Stunden einfach aufstockten. Auch Kinder hätten lange Tage: „Viele Schüler gehen um 6.30 Uhr aus dem Haus und kommen vor 16 Uhr nicht zurück, und dann machen sie auch noch Hausaufgaben.“ Wenn viel Unterricht ausfalle, müssten auch die Arbeiten angepasst werden. Das geschehe bislang nicht: „Ein Unding.“

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