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Niedersachsen Land will Abschuss von Problemwölfen erlauben
Nachrichten Politik Niedersachsen Land will Abschuss von Problemwölfen erlauben
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18:17 25.09.2018
Ein Wolf steht im Nationalpark Bayerischer Wald. Niedersachsen will bundesweit klare Regeln für den Umgang mit den Raubtieren. Quelle: Patrick Pleul/ dpa
Hannover

Niedersachsen will den Abschuss von Problemwölfen, die Nutztiere töten oder sich Menschen nähern, künftig ermöglichen. Nach den jüngsten Wolfsrissen und der Umzäunung eines Wald-Kindergartens im Landkreis Nienburg hat die rot-schwarze Landesregierung am Dienstag beschlossen, eine entsprechende Initiative in den Bundesrat einzubringen. Auch die Schaffung von „wolfsfreien Zonen“ soll möglich werden. Die Opposition kritisierte den Vorstoß – aus unterschiedlichen Gründen.

„Die Rückkehr des Wolfes stellt vor allem die Menschen auf dem Lande vor neue Herausforderungen“, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) nach der Kabinettssitzung. Deshalb sei die Akzeptanz gerade dort der Schlüssel für den erfolgreichen Artenschutz eines großen Beutegreifers wie dem Wolf. „Ein bedingungslo­ser Schutz auch problematischer Wölfe würde jedoch in eine Sackgasse führen“, sagte Lies. „Wir brau­chen daher in allen Bundesländern ein abgestimmtes Vorgehen und Rechtssicherheit. Dafür wollen wir im Bundesrat werben.“ Um ernste Schäden in der Weidetier­haltung zu verhindern und die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, könne es erforderlich sein, problematische Tiere zu entnehmen.

„Das energische Insistieren der CDU in den vergangenen Monaten zeigt Wirkung“, sagte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer. „Die Bürger in den betroffenen Gebieten verlangen zu Recht, dass der Schutz ihrer Kinder und auch der ihrer Nutztiere höchste Priorität hat“, sagte Toepffer. „Wir werden nicht dabei zusehen, wie Kindergärten und Schafherden weiträumig umzäunt werden, damit der Wolf in Freiheit leben kann. Der Abschuss des Wolfes ist dort, wo keine anderen Abwehrmaßnahmen zielführend sind, die einzig richtige Antwort auf die zunehmende Bedrohung.“ Wenn sein Fortbestand nicht länger gefährdet sei, gehöre der Wolf wie jedes andere Wildtier auch ins Jagdrecht aufgenommen.

Der FDP geht der Vorstoß nicht weit genug. „Die Initiative des Umweltministers hinkt der Situation massiv hinterher. Der Bestand des Wolfs ist in Niedersachsen längst gesichert, uns fehlt trotzdem immer noch ein effektives Wolfsmanagement“, kritisierte der FDP-Landtagsabgeordnete Hermann Grupe. Weidetierhalter holten ihre Tiere mittlerweile viel früher als nötig in die Ställe, weil sie sie auf den Weiden nicht schützen könnten. „Statt die Ausnahmetatbestände zu erweitern, muss der Wolfsbestand jetzt endlich kontrolliert und die Gefahr für die Menschen in den Griff bekommen werden.“

Die Grünen forderten die Landesregierung auf, eine eigene Weidetierprämie für Rinder, Schafe und Ziegen einzuführen – wie in Bayern und Thüringen. Dafür seien 30 Millionen Euro notwendig, erklärte Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer. „Eine Weidetierprämie wäre eine wichtigere Hilfe für die Arbeit der Schäfer als ungedeckte Versprechungen zu wolfsfreien Zonen.“ Dies sei rechtlich nicht möglich und damit auch vollkommen unseriös, da eine Tierart entweder überall geschützt sei oder nicht.

In Niedersachsen breitet sich der Wolf schneller aus als in anderen Teilen Deutschlands. Das führt insbesondere im Zusammenhang mit der Tierhaltung im Freiland zu teilweise erheblichen Konflikte. In diesem Jahr starben bis Anfang September 203 Nutztiere bei 75 Wolfsattacken. Im vergangenen Jahr wurden bei 159 Übergriffen 403 Nutztiere gerissen oder mussten später eingeschläfert werden. Betroffen sind vor allem Schafe, Ziegen und Dammwild, aber auch Rinder und Pferde. Im Vergleich: 2011 wurde noch kein einziger Angriff registriert.

Vor zweieinhalb Jahren war im Heidekreis erstmals ein Wolf gezielt und legal getötet worden. Das „Kurti“ genannte Tier fiel durch sein wenig scheues Verhalten auf. Weil er einen Hund angegriffen hatte und seine Nähe zu Menschen zu gefährlich erschien, wurde er erschossen. Umweltminister Lies hat im Sommer einen Erlass auf den Weg gebracht, der das Füttern und Fotografieren von Wölfen unter Strafe stellt. Es besteht die Gefahr, dass die Raubtiere zunehmend ihre Scheu vor dem Menschen verlieren.

Von Marco Seng

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