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Niedersachsen Bienensterben: Müssen mehr Pflanzengifte verboten werden?
Nachrichten Politik Niedersachsen Bienensterben: Müssen mehr Pflanzengifte verboten werden?
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00:16 26.03.2018
Experten machen sich Sorgen um Bienen und denken über das Verbot von weiteren Pflanzenschutzmitteln nach. Quelle: dpa
Hannover/Brüssel

In der EU und Niedersachsen entbrennt ein neuer Streit um ein mögliches Verbot von Pflanzenschutzmitteln. Nach Glyphosat geht es diesmal um die sogenannten Neonicotinoide, die im Verdacht stehen, Bienen und andere nützliche Insekten zu schädigen. Umweltverbände, Imker und die Grünen fordern, die Anwendung dieser Insektizide sofort zu verbieten. Landwirtschaft und Obstbauern warnen dagegen vor den wirtschaftlichen Folgen.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) ist gegen ein generelles Verbot. „Ob der Einsatz von neonicotinoidhaltigen Pestiziden Risiken für Bienen birgt, hängt von vielen Faktoren ab“, sagte sie der HAZ. „Eine pauschale Aussage lässt sich deshalb dazu leider nicht treffen.“ Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) twitterte gestern, Deutschland gehe beim Schutz der Bienen „schon weit über die geltenden EU-Vorschriften hinaus“.

Nach einem Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) stellen Neonicotinoide eine große Gefahr für Bienen, Wildbienen und Hummeln dar. Eine Entscheidung auf EU-Ebene wurde aber am Donnerstag vertagt. Anders als erwartet, stimmte das zuständige Komitee der EU-Kommission bei seiner Sitzung noch nicht über ein Freiland-Verbot der Insektizide ab.

Niedersachsens Ex-Agrarminister Christian Meyer (Grüne) kritisierte die Verschiebung der Abstimmung auf Mai. „Die EU muss diese Gifte verbieten“, sagte Meyer der HAZ. „Wenn man in der diesjährigen Saison noch etwas erreichen will, muss man das jetzt stoppen.“

Das Landvolk Niedersachsen befürchtet ohne den Einsatz der Insektizide Ernteausfälle „im zweistelligen Prozentbereich“. Wenn das Risiko für die Insekten zu groß sei, werde man ein Verbot akzeptieren. „Aber dann brauchen wir dringend Ersatzstoffe“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Hartmut Schlepps. „Wir machen uns große Sorgen.“ Die Obstbauern in Niedersachsen betonen, dass es auch ungefährliche Neonicotinoide gebe. „Ein generelles Verbot ist nicht zweckmäßig und nicht hilfreich“, sagte Wolfram Klein vom Obstbauversuchsring des Alten Landes in Jork. Ernteausfälle würden vor allem kleine Familienbetriebe treffen.

Der Umweltverband BUND in Niedersachsen dagegen fordert ein Verbot. Die Anwendung der Neonicotinoide sei „ein großer Eingriff ins Ökosystem“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Tilman Uhlenhaut. Die Gifte hätten bei Bienen massive Auswirkung auf Orientierung und Fortpflanzung. „Das Insektensterben wird dadurch mit ausgelöst.“

Der Deutsche Imkerbund (DIB) wandte sich mit einem Schreiben an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Wissenschaftliche Studien hätten die Giftigkeit der Wirkstoffe nachgewiesen, sie müssten im Freiland verboten werden.

Die drei Wirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid aus der Gruppe der Neonicotinoide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sind seit 2013 in der EU für die Saatbeize verboten, aber im Freiland noch erlaubt. In der Oberrheinebene starben 2008 Tausende Bienenvölker nach dem Kontakt mit Clothianidin. Die EU-Kommission beziffert den volkswirtschaftlichen Wert von Bienen und anderen Insekten Berichten zufolge auf jährlich 22 Millionen Euro.

Von Marco Seng

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