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Niedersachsen

Betroffene Gemeinden bewerten längere AKW-Laufzeiten kritisch

Der Atomkompromiss der Bundesregierung sorgt an den AKW-Standorten in Niedersachsen nicht nur für Freude. Zwar sichern die längeren Laufzeiten Arbeitsplätze. Die Kommunen fürchten aber auch Risiken - etwa aufgrund des wachsenden Atommüll-Berges vor der eigenen Haustür.
Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont: Längere Laufzeiten sind in den betroffenen Gemeinden umstritten.

Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont: Längere Laufzeiten sind in den betroffenen Gemeinden umstritten.

© dpa

Die drei Atomkraftwerke in Niedersachsen werden nach den Plänen der Bundesregierung noch viele Jahre am Netz bleiben. Damit sind Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen an den Standorten weiterhin gesichert. Bei den betroffenen Kommunen stoßen die längeren AKW-Laufzeiten jedoch auf geteilte Meinung.

„Einerseits sehe ich natürlich durchaus die Vorteile, gerade was Arbeitsplätze angeht. Auf der anderen Seite sind aber die Risiken:
Keiner weiß, was für Probleme entstehen, wenn ein Meiler älter wird“, sagte der Bürgermeister von Emmerthal, Andreas Grossmann (SPD). In seiner Gemeinde befindet sich der Atommeiler Grohnde, der nach bisheriger Planung 2018 vom Netz gehen sollte. Nun darf er aber bis 2032 weiter laufen.

Dadurch wachse der Berg von Atommüll im Zwischenlager direkt am Kraftwerk im Kreis Hameln-Pyrmont weiter, ohne dass absehbar sei, wo ein Endlager entstehen solle, kritisierte Grossmann. Die Kommunen müssten zudem etwas von den geplanten Sonderabgaben für die Energiekonzerne abbekommen. Denn ein Atomkraftwerk sei auch ein Standortnachteil, beispielsweise für den Tourismus.

So sieht es auch der Erste Stadtrat von Lingen, Ralf Büring (parteilos), wo das Kraftwerk Emsland nun bis 2034 Strom liefern soll. Die zusätzlichen Abgaben würden die Gewinne der Energieversorger schmälern, so dass diese weniger Gewerbesteuer zahlen müssten. „Wir möchten nicht schlechter dastehen als bisher.“ Zugleich forderte er, dass die Sicherheit des Kraftwerks in Zukunft gewährleistet bleiben müsse. „Ich habe Verständnis für die Laufzeitverlängerung, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

Der Bürgermeister der Gemeinde Stadland, wo Niedersachsens ältestes Atomreaktor steht, begrüßt dagegen das Energiekonzept der Bundesregierung ohne Einschränkung. „Das Kernkraftwerk möge so lange laufen wie technisch vertretbar“, sagte Boris Schierholz (parteilos). Bereits im vergangenen Jahr habe der Gemeinderat mehrheitlich für eine Verlängerung gestimmt.

Eigentlich sollte das AKW Unterweser schon 2012 abgeschaltet werden. Jetzt ist eine Verlängerung bis 2020 vorgesehen. Für die strukturschwache Region im Kreis Wesermarsch sei das Kernkraftwerk von großer Bedeutung, betonte Schierholz. 400 Mitarbeiter seien dort beschäftigt. Außerdem würden zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferern in der Region davon abhängen.

Die Atomkraftgegner in Niedersachsen bereiten sich bereits auf eine neue Welle von Protesten vor. Für den 18. September haben Organisationen aus ganz Deutschland zu einer Kundgebung in Berlin aufgerufen. „In Niedersachsen gibt es eine große Mobilisierung“, sagte Christoph Bautz von der Initiative Campact in Verden. Ein Sonderzug und zahlreiche Busse würden tausende Demonstranten in die Hauptstadt bringen.

dpa


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