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Deutschland / Welt Zu viele Morde – Mexikos Tote lagern in Kühllastern
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Zu viele Morde – Mexikos Tote lagern in Kühllastern
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11:11 22.09.2018
Container mit Leichen: In Mexiko sind die Leichenschauhäuser zu klein für die vielen Opfer der ständig zunehmenden Gewalt. Quelle: Foto: Francisco Guascox/Imago
Mexiko-Stadt

Im Stadtteil Paseos del Valle parkte schon länger ein Kühl-Lkw. Ein Blick in den Hänger zeigte tatsächlich die Ursache des Gestanks: Dort lagerten 273 Leichen, deponiert von den Justizbehörden des Bundesstaates Jalisco.

Mexikos Leichenschauhäuser sind überfordert

Angesichts völlig außer Kontrolle geratener Gewalt sind die gerichtsmedizinischen Institute und Leichenschauhäuser überfordert. 180 Morde monatlich werden im Schnitt in dem Bundesstaat begangen. Fast alle stehen im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität. Eine neue Leichenhalle wird gebaut, ist aber erst Ende Oktober fertig.

Deshalb kam Luis Cotero, Direktor des Gerichtsmedizinischen Instituts von Jalisco (IJCF), auf die Idee, Lkw anzumieten und die leblosen Körper dort zwischenzulagern, bis sie untersucht werden können. Da der Totentransporter mit seiner unheimlichen Fracht aber nirgends wirklich gern gesehen ist, parkten ihn die Justizbehörden mal hier, mal dort. Mexiko habe sich einmal mehr in makabrem Surrealismus selbst übertroffen, sagt der Autor Jorge Zepada Patterson: „Die Kartelle morden schneller, als die Behörden Leichenschauhäuser bauen können.“

Früher verbrannten die Behörden einfach die Leichen, die nicht identifiziert wurden und nach denen keine Angehörigen fragten. Aber seit zwei Jahren zwingt ein Gesetz dazu, die Körper immer zu obduzieren, falls der Verdacht eines Verbrechens besteht.

Ausufernde Gewalt bricht alle Rekorde

Über Horrorsituationen wie in Jalisco berichten auch die Justizbehörden im Bundesstaat Guerrero mit seiner Metropole Acapulco oder in Puebla, Veracruz und auch in Guanajuato. Sie sind Ergebnis einer ausufernden Gewalt in Mexiko, die immer neue Rekorde bricht. 2017 war das blutigste Jahr in der jüngeren Geschichte des zweigrößten Landes in Lateinamerika. 85 Morde am Tag ließen die Statistik vergangenes Jahr auf 31.000 Tote ansteigen, berichtete das staatliche Statistikinstitut INEGI. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Ein Drittel der Toten wies Schussverletzungen auf.

In Jalisco wütet das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG). Es ist eine Abspaltung des Sinaloa-Kartells von „El Chapo“ Guzmán. Das CJNG gilt inzwischen als die mächtigste Mafia Mexikos, und es will alle kriminellen Geschäftszweige an sich reißen.

Die Kartelle kämpfen heute auch um Benzin und Öl

Ging es früher vor allem um den Transport und die lokalen Verteilungsmärkte für Drogen aller Art, sind längst andere Delikte dazugekommen wie Menschenhandel und der Diebstahl von Benzin und Gas. Dabei werden die Pipelines des staatlichen Ölkonzerns Pemex angezapft und vor allem der Treibstoff mit hoher Marge verkauft. Der Markt dafür ist angesichts stark gestiegener Benzinpreise in Mexiko groß und entsprechend hart umkämpft.

Es existiere eine auffällige Verbindung zwischen dem Anstieg der Gewalt und der Zunahme des Treibstoffraubs, sagt Gustavo Mohar, Ex-Chef des Geheimdienstes CISEN. „Sie verlaufen fast parallel.“ Das Gleiche wiederhole sich in vielen Regionen, in denen die Kartelle um die Kontrolle der Rauschgiftmärkte kämpfen, betont der Experte.

Allein im Juli 2018 gab es 2599 Morde in Mexiko

Die Zahlen des laufenden Jahres deuten darauf hin, dass 2018 ein neuer trauriger Rekord erreicht werden wird. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden 16.400 Menschen ermordet. Der Juli war der tödlichste Monat in Mexikos Geschichte mit 2599 Morden.

Luis Cotero, Direktor des Gerichtsmedizinischen Instituts von Jalisco, wurde vom Gouverneur von Jalisco wegen des Totentransporters von seinen Aufgaben entbunden. Cotero sucht übrigens selbst seine Tochter, die vor zwei Monaten verschwand. Vielleicht ist auch sie in einem der Kühl-Lkw.

Von Klaus Ehringfeld/RND

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