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08:30 24.03.2018
Die Präsidentschaftswahl war auch eine Frage an das Volk, ob es für die Fahrt gegen den Strom bereit sei. Quelle: imago/ITAR-TASS
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Berlin

Die ganze Woche gab ich Interviews, die Journalisten wollten wissen, ob die Russen wirklich ihren Putin so sehr mögen und wenn ja, wofür?

Wir sind ein traumatisiertes Volk, erzählte ich, von Kindheit an wurde uns gesagt, wir seien die Avantgarde der Menschheit, die Wiege einer neuen Welt. Das Land genoss großen Respekt, wir flogen zu den Sternen und waren die Besten im Ballett. Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist die Karre von der Fahrbahn ab und zum Stehen gekommen. Die Russen haben lange gehupt, doch die Welt raste an ihnen vorbei, keiner wollte sich mit ihren Problemen beschäftigen.

Dann kam der neue Fahrer, höchstwahrscheinlich einer mit einem Knall. Sein Plan war: Wir fahren rückwärts auf die Gegenfahrbahn und retour in die Sowjetunion. Die Präsidentschaftswahl war auch eine Frage an das Volk, ob es für die Fahrt gegen den Strom bereit sei. „Jawoll!“, haben 76 Prozent der Russen gesagt, nur die Jungen protestierten heftig. Die Welt weiß nicht, was sie damit machen soll, außer Warnsignale zu verschicken: „Achtung! Geisterfahrer!“

Und so wird es weitergehen: Während die freie Welt sich weiter modernisiert, bildet und zu den Sternen fliegt, wird ihr der Geisterfahrer Russland mit Fähnchen und lautem Hupen entgegenfahren.

Sollten uns eines Tages die Außerirdischen besuchen, werden sie sich vielleicht wundern: Wer ist denn das? Ach, das sind unsere Russen, die sind eigentlich voll in Ordnung, müssen nur ihren Größenwahn therapieren. Kommen Sie in hundert Jahren wieder, bis dahin wird alles gut sein.

Wladimir Kaminer ist gebürtiger Moskauer und Autor in Berlin.

Von Wladimir Kaminer/RND

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