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Deutschland / Welt Die Nato probt den Ernstfall
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die Nato probt den Ernstfall
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17:38 25.10.2018
Bundeswehr-Schützenpanzer des Typs „Marder“ beim Nato-Großmanöver in Norwegen. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Allein die Zahlen haben eine Wucht: 50.000 Soldaten, 10.000 Militärfahrzeuge, 250 Flugzeuge und 65 Schiffe machen die Nato-Übung „Trident Juncture“, die in Norwegen begonnen hat, zum größten Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges. Alle 29 Mitgliedstaaten sind beteiligt, zudem Finnland und Schweden. Und dass dabei 4,6 Millionen Wasserflaschen und 660.000 Kilogramm Wäsche zum Einsatz kommen werden, ist ein Detail, mit dem das Donnern nicht übertönt wird.

Zwei Wochen lang rollen Panzer durch das Übungsgebiet in Mittel- und Ostnorwegen, werden Stellungswechsel geprobt, Übungsminen verlegt. Kampfflugzeuge proben ihren Einsatz. Abläufe werden eingeübt und Offiziere stoppen die Zeiten der einzelnen Schritte.

Geübt wird die Reaktion auf den Angriff auf einen Bündnispartner der Nato.

Tödliche Wirkung

Es richte sich „gegen kein bestimmtes Land“, beteuert Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Das klingt nett und ist sehr diplomatisch. Aber natürlich ist das Unsinn. Genauso wie es semantische Weichspülerei ist, wenn ein hoher deutscher Militär erklärt, es gehe darum zu üben, die Truppe innerhalb weniger Tage „zur Wirkung zu bringen“.

„Südliche Kräfte“ gegen „nördliche Kräfte“, so steht es in der Übungsbeschreibung. Aber an wen da gedacht ist und um was es geht, liegt auf der Hand. Das Szenario ist: Russland gegen die Nato und die Auseinandersetzung wäre eine verwüstende, tödliche. Seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 ist die Blockkonfrontation wieder da, die Rolle des einstigen Warschauer Paktes übernimmt Russland nun alleine. Erst vor wenigen Wochen hat Russland an der mongolischen Grenzen seine eigene Übung abgehalten. So geht das nun schon seit ein paar Jahren. Einer Stärkedemonstration auf der einen folgt die auf der anderen Seite.

Man kann das beruhigend finden, wie es die baltischen Staaten tun. Litauen, Lettland und Estland, befürchten, dass Russland sie in einem unbeobachteten oder sogar beobachteten Moment einfach ebenso einverleiben würde wie die Krim – weil die internationale Staatengemeinschaft dieses Vorgehen missbilligen und sanktionieren, aber nicht verhindern oder gar rückgängig machen konnte. Polen, in seiner Geschichte vielfach überrannt, hat ähnliche Bedenken. Eine Nato, die ihre Verteidigungsbereitschaft nicht nur beteuert, sondern auch demonstriert und einübt, ist für diese Länder eine Art Rückversicherung.

Trumps Gezeter

Man kann „Trident Juncture“ auch normal finden: Wer die Nato nicht grundsätzlich in Frage stellt und sie für mehr hält als einen Papierdrachen, muss Testläufe einkalkulieren. Es ist ein militärisches Bündnis mit einer Aufgabe, für die es nicht reicht, sich in Theorien zu verlieren. Wenn erfolgreich Landkarten hin- und hergeschoben wurden, ist deswegen noch kein Manöver geglückt. Wenn mehrere Teilnehmer, in diesem Falle Länder, gemeinsam agieren sollen, ist es äußerst hilfreich, wenn die sich schon aufeinander eingespielt haben.

Und auch die Nebeneffekte sind beachtlich: Als zweitgrößter Truppensteller bei der Übung widerspricht Deutschland auf buchstäblich offenem Feld dem US-Präsidenten, der wieder und wieder das mangelnde Engagement der Bundesrepublik beklagt hat. Und die Nato versichert sich auch ihrer selbst: In Norwegen zelebriert sich die Nato als Gemeinschaft, die USA fest untergehakt. Vom Auseinanderbrechen des Bündnisses, das Donald Trumps Gezeter noch im Sommer möglich erscheinen ließ, ist nicht mehr die Rede.

Aber bei allem Kollateralnutzen, bei allem Pragmatismus und allem Verständnis für Ängste - der Wettlauf der Muskelspiele ist vor allem auch eines: bedrohlich. Er findet statt in einer Zeit, in der die USA mit der Aufkündigung des INF-Abrüstungsvertrags droht. In der die Nato-Botschafterin der USA sich mal eben ein wenig unklar ausdrückt, und damit den Eindruck auslöst, die USA plane einen Präventivschlag gegen Russland. In der die Präsidenten der Atommächte Russland und USA ihre Politik aus einem Gefühl der Demütigung heraus gestalten.

So sind die Übungsschlachten auf beiden Seiten vor allem eines: Die Mahnung an die Politik, sich nicht in einem Gleichgewicht des Schreckens einzurichten, sondern sich mit mindestens ebenso großer Wucht wieder auf andere, friedlichere Ebenen zu begeben.

Von Daniela Vates/RND

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