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Deutschland / Welt Urnengang im Schatten Erdogans
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Urnengang im Schatten Erdogans
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20:06 04.01.2018
Grenzen durch die Hauptstadt Nikosia: Zypern ist seit 1974 nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt. Quelle: dpa
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Ankara/Nikosia

Auf Zypern wird gewählt: Am Sonntag gehen die türkischen Zyprer im Norden der geteilten Insel zu den Urnen, um ein neues Parlament zu bestimmen. Drei Wochen später finden im Süden, der international anerkannten Republik Zypern, Präsidentenwahlen statt. Der konservative Amtsinhaber Nikos Anastasiades hofft auf eine zweite Amtszeit. Nachdem vergangenes Jahr die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung Zyperns scheiterten, gelten die Wahlen auf der Insel als wichtiges Votum, vor allem im Norden: Viele türkische Zyprer suchen eine Annäherung an die EU. Nach dem Misserfolg der Wiedervereinigungsgespräche könnten allerdings jene Kräfte Oberwasser bekommen, die auf engere Bindungen an Ankara hinarbeiten.

Nordzypern hängt am Tropf der Türkei

Zypern ist gespalten, seit die Türkei im Sommer 1974 den Inselnorden besetzte, um die geplante Annektierung Zyperns durch die damalige Athener Obristenjunta zu verhindern und die türkische Volksgruppe vor einer befürchteten Vertreibung zu schützen. 1983 etablierte sich in der Besatzungszone die „Türkische Republik Nordzypern“ (KKTC), die aber nur von Ankara völkerrechtlich anerkannt wird.

Das Scheitern der Einigungsgespräche war für viele türkische Zyprer eine große Enttäuschung. Sie hofften auf ein Ende ihrer internationalen Isolation und den Beitritt zur EU, der die Republik Zypern bereits seit 2004 angehört. Der Inselnorden hat zwar in den vergangenen Jahren einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, ist aber gegenüber dem Süden immer noch weit abgeschlagen. Die KKTC hängt finanziell am Tropf der Türkei.

Vor allem Konservative wollen die engere Bindung an Ankara

Die sozialdemokratische Partei CTP will eine Wiedervereinigung. Sie wurde bei der Wahl von 2013 stärkste Kraft und gewann 21 der 50 Mandate, landete aber trotzdem auf den Oppositionsbänken. Die Regierung im Inselnorden wird von der Nationalen Einheitspartei und der konservativen Demokratischen Partei gestellt. Sie stehen einem Zusammenschluss mit dem Inselsüden skeptisch gegenüber. Nach dem Schiffbruch der Einigungsverhandlungen propagieren Regierungspolitiker nun engere Bindungen an die Türkei.

Bei der Abstimmung am Sonntag hoffen die Sozialdemokraten auf ein starkes Mandat zur Regierungsbildung, um die Wiedervereinigungsbemühungen am Leben zu erhalten. Auf die Parlamentswahl fällt allerdings der lange Schatten des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. Alle im Inselnorden wissen: Über ihr Schicksal wird letztlich in Ankara entschieden. Das gilt nach dem Scheitern der Einigungsverhandlungen mehr denn je. Viele der 270 000 türkischen Zyprer sehen den wachsenden Einfluss der Türkei mit Unbehagen. Vor allem die unter Erdogan forcierte Islamisierung des Inselnordens, der traditionell säkular geprägt ist, geht vielen gegen den Strich.

Der Präsident der Republik Zypern, Nikos Anastasiades, ist Vereinigungsbefürworter. Quelle: KEYSTONEKEYSTONE

Aber selbst wenn sich die Türkei-kritische Opposition bei der Wahl im Inselnorden am Sonntag durchsetzen könnte und im griechischen Süden Nikos Anastasiades, der ebenfalls ein Einigungsbefürworter ist, wiedergewählt werden sollte, gibt es kaum Hoffnung auf einen Neustart der gescheiterten Gespräche.

Von Gerd Höhler/RND

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