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Deutschland / Welt Umstrittener Geldgeber der US-Konservativen zieht sich zurück
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14:33 06.06.2018
David Koch, einer der einflussreichsten Geldgeber Amerikas, zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Quelle: AP
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Washington

Das Schreiben passt zu den Brüdern. Schnörkellos und mit überraschender Offenheit teilt Charles Koch den etwa 100.000 Mitarbeitern mit, dass sich sein Bruder aus dem gleichnamigen Firmengeflecht zurückzieht. Auch seine politischen Aktivitäten werde er beenden. Die gesundheitlichen Probleme seien nicht gelöst, es gehe ihm von Tag zu Tag schlechter. Es ist eine Nachricht, die im konservativen Teil Amerikas einem Erdbeben gleichkommt.

David Koch zählt seit bald 40 Jahren zu den Hauptsponsoren der sogenannten Libertären. Zeit seines Lebens setzt sich der studierte Chemiker für die Begrenzung des Staates ein und unterstützt gleichgesinnte Republikaner. Gerade erst vor wenigen Tage stieß der Industrielle eine breite Kampagne gegen den drohenden Handelskrieg der US-Regierung an.

Eintritt für liberale Einwanderungsgesetze

Von ihren Gegnern oftmals als stramm-konservativ bezeichnet, stehen die Koch-Brüder eher für einen speziellen Flügel der Republikaner: Anders als viele Parteifreunde in der „Grand Old Party“ sprechen sie sich für einen liberalen Umgang mit sanften Drogen wie Marihuana aus. Auch streiten sie für eine grundlegende Reform des Justizwesens: Die ungewöhnlich hohe Anzahl von Strafgefangenen in den USA halten sie für einen Skandal, auch ist es ihrer Meinung nach unverhältnismäßig, dass Straftäter für nicht-gewalttätige Verbrechen jahrzehntelang eingesperrt werden. Ihrer eigenen Philosophie folgend, zählt ihr Konzern zu den wenigen US-Unternehmen, die ausdrücklich auch frühere Häftlinge einstellen und ihnen eine zweite Chance geben.

Im Gegensatz zum amtierenden Präsidenten treten sie für einen freien Handel und nicht zuletzt für liberale Einwanderungsgesetze ein. So schrieb Charles Koch gemeinsam mit Apple-Chef Tim Cook zum Jahreswechsel einen Kommentar im „Wall Street Journal“, in dem sie von der politischen und moralischen Pflicht sprechen, jungen Zuwanderern eine seriöse Perspektive zu bieten.

Und erst vor wenigen Tagen begannen im US-Fernsehen diverse Spots, die für einen fairen Umgang mit den „Dreamern“ werben. Den knapp zwei Millionen Menschen, die als Kinder illegal über die Grenze in die USA geschmuggelt wurden und die mittlerweile das Erwachsenenalter erreicht haben, soll endlich eine vernünftige Perspektive gegeben werden. Unter Barack Obama waren sie – per präsidialem Dekret – vor Abschiebungen geschützt. Da sich der Kongress nicht auf einen Kompromiss einigen konnte und Trump sich weigert, das Dekret seines Vorgängers fortzuschreiben, droht den De-Facto-Amerikanern nun die Rückkehr in eine Heimat, die ihnen oftmals völlig fremd ist.

Koch gilt bei vielen als Feindbild

Nichtsdestotrotz gilt David Koch vielen Amerikanern jenseits des republikanischen Lagers als Feindbild. Da er die Ergebnisse der Klimaforschung in Zweifel zieht und sich gegen eine allgemeine Krankenversicherung stemmt, lehnen gerade Forschungsinstitute seine finanziellen Hilfen ab. Auch mit seinen Kampagnen zur Steuersenkung und zur Abschaffung von „Obamacare“ sorgte er unter den Demokraten für Empörung.

Die Koch-Brüder zählen zu den reichsten Menschen der Welt, deren Vermögen – jeweils – auf etwa 35 Milliarden Euro geschätzt wird. Die Anfänge von „Koch Industries“ gehen auf ihren Vater Fred Koch zurück, der in den 20er und 30er Jahren neue Verfahren zur Ölverarbeitung entwickelte. Und bereits David Kochs Großvater Harry, der einen holländisch-ostfriesischen Hintergrund besaß, war für seinen strikt libertären Kurs als Zeitungsverleger bekannt.

Von Stefan Koch/RND

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