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Deutschland / Welt US-Zwischenwahlen: Ein Besuch in der Trump-Hochburg
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09:34 23.10.2018
2016 hat Familie Bohrer für Trump gestimmt und würde es auch wieder tun. Quelle: privat
Augusta

Eigentlich ist von den leidenschaftlichen Debatten im Kongress und im Weißen Haus in Augusta wenig zu hören. An der Tankstelle liegt die wöchentliche Ausgabe der „Hampshire Review“ aus, die über den Beginn der Jagdsaison und die rasant steigenden Benzinpreise berichtet, und in der benachbarten Pizzeria drehen sich die Gespräche weniger um Donald Trump als vielmehr um den Landrat, der eine Gebühr von 100 Dollar von jedem Grundstückseigentümer verlangen will, um den medizinischen Notdienst zu verbessern.

Und dennoch ist Augusta politisch gesehen ein besonderer Ort. Als Donald Trump vor zwei Jahren zum US-Präsidenten gewählt wurde, lag das auch an den Menschen in dem Städtchen in West Virginia. Damals bekam Trump hier dreimal so viele Stimmen wie seine demokratische Mitbewerberin Hillary Clinton. Damals hatte ich den Ort besucht, um nachzufragen, warum sich hier abseits der Metropolen so viele Wähler nach einem radikalen Kurswechsel sehnten.

Nun, zwei Jahre später, hat sich das Land verändert. Donald Trump hat einen neuen, ungewöhnlichen Ton in der Politik etabliert. Er hat die Welt der internationalen Diplomatie mit allerlei Undiplomatischem durcheinandergewirbelt, die USA sind gespalten wie selten zuvor. Manche sprechen bereits von einem Kulturkampf, der die politische Auseinandersetzung in den USA ersetzt habe.

„Gut bezahlte Jobs werden immer seltener“

Wie ist das angekommen in Augusta? Haben sich die Erwartungen und Befürchtungen bestätigt? Sind die Trump-Wähler zufrieden mit ihrem Präsidenten, der so viel anders macht als das Washingtoner Establishment?

Zu den Wählern, die die Trendwende vor zwei Jahren herbeigesehnt haben, zählt Gregory Bohrer. Der Geschäftsmann betreibt die örtliche Tankstelle, in der vom Sandwich bis zum Jagdgewehr alles zu haben ist, und investierte vor wenigen Jahren viel Geld in einen familieneigenen Baumarkt. Bei einem Treffen vor zwei Jahren sagte der 59-Jährige, er hoffe, dass Trump dem Land einen wirtschaftlichen Aufschwung beschere.

„Schauen Sie sich doch mal um. Gut bezahlte Jobs werden hier immer seltener. Wie sollen die Leute ihre Hauskredite abbezahlen?“, sagte er damals. Heute sieht er sich in seiner Entscheidung für Trump bestätigt. Er steht vor seinem Laden und blickt über den Parkplatz. „Die Leute sind wieder zuversichtlich. Es geht aufwärts, und das haben wir zum Teil auch dem Präsidenten zu verdanken.“

Deborah Bohrer betreibt eine Pizzeria, ihr Bruder (rechts) eine örtliche Tankstelle Quelle: privat

Tatsächlich boomt die US-Wirtschaft: Die Konsumausgaben steigen, die Unternehmen investieren, die Exporte legen zu. Der Aufschwung reicht bis ins Hinterland. So ist die gute Auftragslage in der kleinen Gemeinde an nahezu jedem Betrieb abzulesen: Es werden Handwerker gesucht, Lastwagenfahrer und Servicekräfte. Augusta, die Trump-Hochburg, brummt. Auch wenn sich die Experten streiten, welchen Anteil Trumps Steuerreform und seine „America first“-Politik an dem Aufschwung haben – für die Familie Bohrer ist klar: Der Präsident hat geliefert.

Bohrer lacht verlegen, als er auf Trumps ebenso unkonventionellen wie umstrittenen Umgangsstil zu sprechen kommt. Auch meint er, dass es wohl besser sei, wenn sich der Chef des Weißen Hauses nicht ständig auf Twitter zu Wort melden würde: „Über Stilfragen kann man streiten. Aber die wirtschaftlichen Grunddaten stimmen.“

Dabei ist die persönliche Wirtschaftsbilanz der Bohrers weniger eindeutig als ihre Analyse. Vor wenigen Monaten eröffnete in einer nahe gelegenen Kleinstadt eine Filiale der großen Baumarktkette Tractor Supply, die seinen Handel mit Niedrigpreisen unter Druck setzt. Noch zeigt sich Bohrer zuversichtlich, da er auf Qualität, Service und gute Beratung setzt. Aber wie lange kann ein Familienbetrieb den Großmarktpreisen standhalten?

„Wir kleinen Leute werden auch irgendwann etwas von den Steuererleichterungen haben“

Nicht viel besser ergeht es Bohrers Schwester Deborah: Die 57-Jährige betreibt neben der Tankstelle seit mehr als 25 Jahren eine Pizzeria, die bei den vielen Fernfahrern beliebt ist, die den „Northwestern Turnpike“ entlangdonnern. Über all die Jahre hielt sie ihren Laden fast täglich offen, auch inmitten der schweren Wirtschaftskrise 2008. Vor wenigen Monaten siedelte sich eine Familie in Augusta an, renovierte an der Hauptstraße ein altes Haus, das nur wenige Hundert Meter entfernt liegt, und eröffnete dort ebenfalls eine Pizzeria – allerdings in wesentlich größeren Räumen und mit einer angeschlossenen Bierbar.

Es sind harte Auseinandersetzungen, in der mit Kampfpreisen und möglichst langen Öffnungszeiten um jeden einzelnen Kunden gebuhlt wird. „Wir spüren, dass die kleinen Gewerbetreibenden ziemlich zu kämpfen haben“, sagt Bohrer. „Die Spritpreise schießen in die Höhe, ebenso die Kosten für Elektrizität.“ Daran ändere leider auch Trumps Steuerreform nichts. Zurzeit profitierten von den trumpschen Steuererleichterungen vor allem die großen Unternehmen und Vermögende, weniger die kleinen Familienbetriebe, meint Bohrer. Er sagt das mit Bedauern, aber ohne Anklage. Würde er sich nicht wünschen, dass auch er profitiert? „Ich glaube, wir kleinen Leute werden irgendwann auch etwas von den Steuererleichterungen haben. Wichtig ist jetzt, dass Amerika wieder in der Welt respektiert wird.“

Respekt in der Welt – vielleicht ist das ja tatsächlich einer der Schlüssel zum Verständnis der mitunter widersprüchlichen Welt der Trump-Wähler. Das Gefühl des persönlichen Abgehängtseins, des drohenden Abstiegs, es wird vielleicht gemildert durch die guten Wirtschaftsdaten und die starken Worte des Präsidenten in der Welt.

Brummende Wirtschaft kurbelt Pferdemarkt an

Nicht jeder teilt diese Logik, auch nicht in Augusta. Die Schmitts waren vor zwei Jahren entsetzt, als sich Trump den Weg ins Weiße Haus bahnte. Als wir sie damals zum Gespräch trafen, konnten sie es kaum fassen, wie ein Politiker so erfolgreich sein kann, der mit sexuellen Übergriffen protzt, seinen Reichtum zur Schau stellt und politische Gegner beleidigt. „Bei der Wahl ging es um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen“, sagte Katrina Schmitt damals.

Die Schmitts gehört zu den wenigen liberalen Demokraten in Augusta Quelle: privat

Eigentlich haben die Schmitts für Politik nur wenig Zeit: Auf mehr als 50 Hektar Weideland züchtet die fünfköpfige Familie an die 100 Wettkampfpferde. Ihre Ranch bietet ein malerisches Bild: Das Wohnhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert, die modernen Stallungen und die Reithalle stehen inmitten einer weitläufigen Landschaft mit unzähligen Pferdekoppeln. All der Ärger in Washington erscheint unendlich weit weg, zumal hier Mobiltelefone keinen Empfang haben.

Wie ist es ihnen ergangen seit der Wahl? „Die Nachfrage nach unseren Pferden zieht seit Monaten kräftig an“, sagt Katrina Schmitt, die als älteste Tochter den Ton auf dem Hof angibt. Ihre Farm genieße einen guten Ruf, sagt die 30-Jährige. Angeheizt werde die Nachfrage allerdings nicht allein durch die Reitprofis. Brummt die Wirtschaft, so Schmitts Beobachtung, wachse auch der Wunsch nach Pferden. Gerade die Turnierpferde seien zurzeit in den gehobenen Kreisen an der amerikanischen Ostküste als Prestigeobjekte begehrt: „Die Pferde, die mehr als 1. 000 oder 15.000 Dollar kosten, verkaufen sich zurzeit besser als Tiere für 1000 oder 3000 Dollar.“ Katrina Schmitt wiegt ungläubig den Kopf. Es sei eine „Ironie des Schicksals“, sagt die Trump-Gegnerin. „Aber der Boom auf dem Pferdemarkt wird sicherlich durch die jüngste Steuerreform befeuert.“

„Die Trump-Regierung beschädigt die politische Kultur“

So gut die Geschäfte aber auch laufen, das turbulente Geschehen in der Hauptstadt bleibt in der Familie Gesprächsthema– vor allem nun, vor den richtungsweisenden Zwischenwahlen am 6. November: Bei den sogenannten Midterms steht zwar nicht der Präsident zur Abstimmung, aber mit der Wahl der Abgeordneten und Senatoren entscheiden die Amerikaner, ob der Präsident seine Mehrheit in beiden Parlamentskammern behält – oder ob ihm der Kongress in Zukunft das Regieren deutlich erschweren kann. Umfragen zufolge ist noch nichts entschieden. Es wird auf die Mobilisierung der Lager ankommen.

Die Schmitts werden für die Demokraten stimmen. „Die Trump-Regierung beschädigt die gesamte politische Kultur“, sagt Katrinas Bruder Nikolaus Schmitt. So habe die hochumstrittene Berufung von Richter Brett Kavanaugh an den Obersten Gerichtshof seine Familie erschüttert. Nicht ohne Folgen bleiben seiner Meinung nach auch Trumps verbale Angriffe auf das Justizministerium, auf die Bundespolizei FBI und auf die unabhängigen Medien: „Unser Land verändert sich in einem atemberaubenden Tempo. Wir müssen unbedingt dagegenhalten.“

Eine Prognose zu den Zwischenwahlen mag aber Schmitt nicht abgeben: Sicherlich verfüge Trump über eine treue Anhängerschaft, es gebe aber auch viele Gegner. Der junge Mann ist sich sicher: „Die Mehrheit der Amerikaner steht nicht hinter dem Präsidenten.“ Die Mehrheit in Augusta wird das womöglich anders sehen.

Von Stefan Koch

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