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Deutschland / Welt Syrer plündern UN-Hilfskonvoi für Ost-Ghuta
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Syrer plündern UN-Hilfskonvoi für Ost-Ghuta
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18:04 05.03.2018
Ein Konvoi des Roten Kreuzes auf dem Weg nach Ost-Ghuta. Hunderttausende Menschen sind in diesem heftig umkämpften und belagerten Gebiet in Not. Quelle: dpa
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Damaskus

Erstmals seit der Eskalation der Gewalt im belagerten Ost-Ghuta hat eine große Hilfslieferung die syrische Region erreicht. Einige lebensrettende medizinische Produkte allerdings ließ die syrische Regierung nicht durch.

Ein Konvoi aus Dutzenden Lastwagen sei am Montag in das heftig umkämpfte Gebiet nahe der Stadt Duma eingefahren, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Ingy Sedki, der dpa. Die Lieferung besteht nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha unter anderem aus Nahrung für 27.500 Menschen.

Drei Lastwagen mussten beinahe leer losfahren

Viele medizinische Güter mussten auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden, wie Ocha berichtete. Sie durften auch nicht durch andere Gegenstände ersetzt werden. Dadurch seien drei der 46 Lastwagen, die am Morgen losgefahren waren, fast leer gewesen. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge waren unter den blockierten Hilfsgütern das gesamte Material für die Behandlung von Verletzungen und für Operationen sowie Insulin und andere Dialyse-Artikel.

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus hat seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe der Regierung seit Beginn des Syrienkrieges 2011 erlebt. Mehr als 660 Zivilisten starben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge durch Bombardements und Artilleriebeschuss. Tausende wurden verletzt und sind dringend auf medizinische Versorgung angewiesen. Über gefallene Kämpfer dort gibt es keine entsprechenden Angaben.

Lage in Ost-Ghuta ist „Hölle auf Erden“

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte die Lage in Ost-Ghuta als „Hölle auf Erden“ bezeichnet. Bewohner berichteten, es fehle an Essen, Wasser und Strom. Ärzten mangele es an Material, sie müssten wegen der großen Anzahl Verletzter sehr lange am Stück arbeiten. In dem seit 2013 von der Regierung belagerten Ost-Ghuta sollen etwa 400.000 Menschen eingeschlossen sein. Hilfe traf in den vergangenen Wochen – wenn überhaupt – nur über Tunnel ein.

Am Wochenende verschärften sich auch die Bodenkämpfe in der Region. Der Beobachtungsstelle zufolge konnten Einheiten der Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad etwa 35 Prozent des Rebellengebietes im Osten erobern. Nach den heftigen Bombardierungen des Gebietes will die syrische Armee Ost-Ghuta nun offensichtlich erobern. Die Lage erinnert an das 2016 von Assads Truppen gestürmte Aleppo.

Hunderte Familien flohen vor den Kämpfen in andere Teile der Region. Auch während der Hilfslieferung am Montag wurde Ost-Ghuta den Menschenrechtlern zufolge mit Artillerie beschossen.

Gebiet wird von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert

Der UN-Menschenrechtsrat verlangte angesichts der Gewalt eine Untersuchung. In einer Resolution forderte er, dass diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden müssten, die Menschenrechte verletzt hätten. UN-Hochkommissar Said Raad al-Hussein hatte die Angriffe auf Zivilisten als mögliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet.

Die Regierung wirft den Rebellen dagegen immer wieder vor, die Hauptstadt Damaskus zu beschießen. Ost-Ghuta wird von verschiedenen, mehrheitlich islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Unter ihnen sind auch Kämpfer von Gruppen mit Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Kaida.

In den kommenden Tagen sollen weitere Hilfslieferungen nach Ost-Ghuta folgen. „Die UN und ihre Partner haben die Genehmigung erhalten, Hilfe für 70.000 Menschen in Not zu liefern“, hieß es in einer Ocha-Mitteilung. An dem Konvoi vom Montag waren auch der Syrische Rote Halbmond und mehrere UN-Agenturen beteiligt. Die Vereinten Nationen lieferten das letzte Mal am 14. Februar Hilfe für etwa 7200 Menschen nach Ost-Ghuta.

Hilfslieferung kam in Feuerpause

Die Forderung des UN-Sicherheitsrates Ende Februar nach einer 30 Tage langen Waffenruhe für ganz Syrien zeigte bislang kaum Wirkung. Allerdings vermindert die syrische Regierung nach Ankündigung ihres Verbündeten Russland ihre Angriffe seit einer Woche täglich für eine fünfstündige Feuerpause. Während dieser traf am Montag auch die Hilfslieferung ein. Die Vereinten Nationen hatten wiederholt beklagt, dass das Zeitfenster für größere Hilfslieferungen zu kurz sei.

Von RND/dpa

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