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Deutschland / Welt Versuchte Vergewaltigung? Trumps Favorit gerät ins Schlingern
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Versuchte Vergewaltigung? Trumps Favorit gerät ins Schlingern
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09:30 17.09.2018
Brett Kavanaugh will in den US Supreme Court. Quelle: AP
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Fords

Neubesetzungen im Obersten Gerichtshof zählen zu den folgenreichsten Entscheidungen der US-Regierungen. Die insgesamt neun Richter sind auf Lebenszeit gewählt und entscheiden oftmals über grundlegende Fragen des amerikanischen Rechtssystems. An diesem Donnerstag sollte der Justizausschuss des Senats den Bundesrichter Brett Kavanaugh als Nachfolger des altersbedingt ausscheidenden Anthony M. Kennedy vorschlagen. Noch im September sollte dann der gesamte Senat abstimmen.

Ob es bei diesem Fahrplan bleibt, erscheint zurzeit allerdings zweifelhaft: Christine Blasey Ford, eine renommierte Psychologieprofessorin aus Kalifornien, wirft dem Karrierejuristen vor, sie vor mehr als 30 Jahren sexuell belästigt zu haben. „Es war ein eindeutiger Versuch, mich zu vergewaltigen“, sagt Ford gegenüber der Washington Post.

Kavanaugh bestreitet die Vorwürfe

Dagegen bestreitet Kavanaugh die Vorwürfe: „Ich weise die Anschuldigung kategorisch und unmissverständlich zurück“, ließ der 53-Jährige am Wochenende mitteilen. „Ich habe das weder während der Highschool-Zeit noch sonst wann getan.“

Laut Ford soll es bei einer Highschool-Party Anfang der achtziger Jahre im Elternhaus eines Mitschülers zu einem gewaltsamen Übergriff gekommen sein: Der damals 17-jährige Kavanaugh soll gemeinsam mit einem Schulkameraden der damals 15-jährigen Ford im Obergeschoss aufgelauert haben, sie in ein Schlafzimmer gedrängt und aufs Bett geworfen haben. Beide Jungs seien sturzbetrunken gewesen - gleichwohl hätte Kavanaugh versucht, sie zu vergewaltigen. Ford sei es nur äußerst knapp gelungen, den Jungs zu entkommen und sich allein im Badezimmer einzuschließen.

FBI stellte eigene Nachforschungen an

Die Erinnerungen an diesen Überfall hätten sie ihr Leben lang begleitet und belastet. Mit ihrem Ehemann habe sie erst 2012 im Rahmen einer Paartherapie über den Vorfall gesprochen. Wie die Washington Post berichtet, hätten sich entsprechende Hinweise in der Patientenakte des Psychologen gefunden – wobei damals keine Namen genannt und einige Details etwas anders geschildert wurden.

Im Juli diesen Jahres hatte Ford die Senatorin Dianne Feinstein informiert, als bekannt wurde, dass der Präsident möglicherweise Kavanaugh für den „Supreme Court“ nominieren könnte. Feinstein wiederum informierte umgehend die Bundespolizei FBI, die ihre sogenannten Hintergrundinformationen um diesen Bericht ergänzte und eigene Nachforschungen anstellte - bisher offenbar ohne Ergebnis.

Erinnerungen an einen Vorfall aus dem Jahr 1991

Ältere Amerikaner fühlen sich angesichts der Auseinandersetzung um Kavanaugh an einen umstrittenen Vorfall aus dem Jahr 1991 erinnert: Damals hatte die Professorin Anita Hill ähnliche Vorwürfe gegen Clarence Thomas erhoben, der ebenfalls für den Obersten Gerichtshof nominiert war - und später tatsächlich am Obersten Gerichtshof Platz nehmen konnte. Damals sah sich Hill nach wenigen Tagen schweren Angriffen von Senatsmitgliedern ausgesetzt, wurde der Falschaussage bezichtigt und verlor obendrein ihre Professur. Fast zwei Jahrzehnte später entschuldigte sich der frühere Vizepräsident Joe Biden bei ihr für seine damalige Passivität während der Senatsanhörung.

Dass die Professorin Ford ein ähnliches Schicksal ereilen könnte, erscheint jedoch eher unwahrscheinlich. So ist die Juristin Hill mittlerweile mit der Aufarbeitung des Skandals rund um den Filmproduzenten Harvey Weinstein beschäftigt, dem sexuelle Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung vorgeworfen werden. Und nicht zuletzt beginnt unter den Republikaner ein Umdenken: Bis zum Sonntagabend (Ortszeit) hatten sich bereits zwei Senatoren dafür ausgesprochen, die Nominierung zu verschieben. Sowohl Jeff Flake als auch Bob Corker wollen zunächst eine Anhörung Fords abwarten, um die Vorwürfe zu bewerten.

Andere Republikaner sprechen dagegen von einem durchsichtigen politischen Manöver, zumal Ford eine Anhängerin der Demokratischen Partei sei und sich die Frage stelle, warum die Vorwürfe erst unmittelbar vor der Nominierung erhoben werden. Eine Entlastung sehen sie zudem durch einen Brief, den 65 Weggefährtinnen Kavanaughs aus dessen High-School-Zeit unterschrieben haben. Demnach habe der Jurist „Frauen immer mit Anstand und Respekt behandelt“.

Von Stefan Koch/RND

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