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Das wissen wir bisher zu den Anschlägen

Terror in Paris Das wissen wir bisher zu den Anschlägen

Zehn Monate nach "Charlie Hebdo" ist Paris erneut Ziel einer Terrorattacke. An mehreren Orten gleichzeitig fallen Schüsse, sind Explosionen zuhören. In einem Konzertsaal richten Unbekannte ein Massaker an. Die Zahl der Toten und Verletzten ist riesig. Noch ist vieles unklar. Ein Überblick.

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Trauer in Paris - bei den Terroranschlägen kamen Dutzende Menschen ums Leben.

Quelle: dpa

Was ist passiert?

Paris. Bei einer beispiellosen Terrorserie in Paris mit mehreren fast zeitgleichen Anschlägen sind mindestens 120 Menschen getötet worden. Mehr als 200 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Attentäter schossen am Freitagabend an verschiedenen Orten der französischen Hauptstadt wild um sich und zündeten mehrere Bomben. Hier geht es zum Liveticker zu den Ereignissen.

An welchen Orten hat es Attacken gegeben?

An mindestens sechs Orten der Stadt griffen die Terroristen an - die Anschläge begannen kurz nach 21 Uhr. Während in dem Musicclub "Bataclan" während eines Konzertes etwa zwei bis drei Männer den Saal stürmen, spielen gleichzeitig die Fußballnationalmannschaften von Frankreich und Deutschland vor 78 000 Menschen im Stade de France bei Paris. Dort sind drei Explosionen zu hören: die erste gegen 21.16 Uhr, die zweite sechs Minuten später, die dritte zwischen 21.45 und 22.00 Uhr.

Weitere Ziele waren neben dem Konzertsaal im 10. Arrondissement auch drei Cafés und Restaurants in der Nähe. Im Café "Le Carillon" gab es mindestens 14 Tote, im Café "La Belle Équipe" mindestens 18 Tote. Wegen der vergleichsweise milden Temperaturen saßen zu Beginn des Wochenendes in Paris noch sehr viele Menschen draußen.

Was ist in der Konzerthalle "Bataclan" passiert?

"Mitten im Konzert sind Männer reingekommen, sie haben im Bereich des Eingangs zu schießen begonnen", sagte Konzertbesucher Louis dem Sender France Info. "Sie haben voll in die Menge geschossen, ich glaube mit Pumpguns und dabei "Allahu akbar" gerufen." Eine offizielle Bestätigung für diese Darstellung gab es zunächst nicht. Der Musicclub "Bataclan" ist am Freitagabend mit etwa 1500 Plätzen für ein Konzert der US-Band "Eagles of Death Metal" ausverkauft.

Der Journalist Julien Pearce vom Radiosender Europe 1, der selbst im Saal war, berichtete: "Es waren zwei oder drei Leute, die nicht maskiert waren. Sie hatten Maschinengewehre wie Kalaschnikows dabei und haben sofort angefangen, wild um sich zu schießen." Er fügt an: "Das hat 10, 15 Minuten gedauert. Das war von extremer Gewalt. Es gab Panik. Alle sind Richtung Bühne gerannt. Die Attentäter hatten Zeit, mindestens drei Mal nachzuladen. Sie waren nicht maskiert. Sie traten sehr beherrscht auf. Sie waren sehr jung."

Nach Polizeiangaben gab es bei dem Angriff, der gegen 21.30 Uhr begann, etwa hundert Tote. Auch drei Täter seien getötet worden, als die Polizei die Geiselnahme beendete. Das Konzertgebäude am Boulevard Voltaire liegt nur wenige Straßenzüge von der Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" entfernt, das im Januar Ziel eines Anschlags war.

Wer sind die Täter?

Die genauen Hintergründe der Angriffe sind auch am Samstagmorgen noch unklar. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Terrorismus ein. Befürchtet wird, dass sich Attentäter oder Komplizen noch auf freiem Fuß befinden könnten. Nach Polizeiangaben starben mindestens acht Angreifer.

Alle Indizien deuten darauf hin, dass es sich um eine minutiös vorbereitete Aktion handelte. Bei dem Überfall auf das "Bataclan" soll einer der Männer "Allah ist groß" gerufen haben. Ein Augenzeuge berichtete ferner, dass die Angreifer ihre Tat mit Frankreichs Militäreinsatz in Syrien begründet hätten. Der Mann habe gerufen: "Das ist die Schuld von Hollande. Das ist die Schuld Eures Präsidenten. Er hätte nicht in Syrien eingreifen dürfen." Von Anhängern der Terrormiliz Islamischer Staat wurde die Attacken im Internet gefeiert.

Präsident Hollande sagte am Abend in einer Rede an die Nation: "Was die Terroristen wollen, ist uns Angst zu machen - dass uns das Entsetzen befällt. Man kann tatsächlich Angst haben, Entsetzen haben. Aber gegenüber dem Entsetzen gibt es eine Nation, die sich zu verteidigen weiß, die ihre Kräfte mobilisieren kann, und die einmal mehr die Terroristen besiegen wird. Französinnen, Franzosen, wir haben die Einsätze noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch einige, die äußerst schwierig sind. In diesem Moment stürmen die Sicherheitskräfte einen Ort in Paris. Ich bitte sie, weiter darauf zu vertrauen, was wir mit den Sicherheitskräften tun können, um unsere Nation vor Terrorakten zu bewahren. Es lebe die Republik, es lebe Frankreich."

Wie ist die Sicherheitslage in Frankreich?

Präsident Hollande hat den Notstand über ganz Frankreich verhängt und die Grenzen geschlossen - das Miltär ist im Einsatz. Ausnahmezustand bedeutet, dass bestimmte Orte geschlossen werden, der Verkehr unterbunden werden kann und dass auch überall in der Region Ile-de-France Hausdurchsuchungen veranlasst werden können. Der Ausnahmezustand wurde im gesamten Staatsgebiet verhängt, wie Hollande am Abend erklärte.

Wie ist die Lage am Sonnabendmorgen in Paris?

Die Straßen in Paris sind menschenleer, die Metrostationen werden kontrolliert. Der Bereich um den Musikclub ist noch immer weiträumig abgesperrt - ein ARD-Korrespondent berichtete, dass es aus Sicherheitskreisen heißt, die Einsatzkräfte suchten noch nach weiteren Tätern im Bereich des Konzertsaales. Überall ist Polizei und Militär auf den Straßen, heißt es.

Wie war die Situation beim Länderspiel im Stadion?

Gleich der erste unglaublich laute Knall sorgt für ein mulmiges Gefühl auf den vollbesetzten Rängen. Das Stade de France scheint kurz zu erzittern. Die Bombendrohung des Nachmittags am DFB-Teamhotel ist sofort wieder in Erinnerung. Dann, wenig später - es läuft noch die erste Spielhälfte - folgt ein zweiter Knall, irgendwo hinter der riesigen Betonschüssel. Eine Explosion? Doch der Ball rollt im Länderspiel der deutschen Weltmeister gegen den EM-Gastgeber Frankreich vor fast 80 000 Zuschauern weiter.

Im Stadion herrscht eine merkwürdig gedrückte Stimmung. Hubschrauber kreisen am Himmel. Was hat das alles zu bedeuten? Nach und nach sickern erste Informationen durch. Frankreichs Präsident Francois Hollande hat die Arena verlassen, heißt es. Die schrecklichen Geschehnisse in der Stadt werden nach und nach bekannt.

Dann folgt der Schlusspfiff. Das Stadion war während der Partie zeitweise abgeriegelt - damit es keine Massenpanik gibt, werden jetzt die Tore geöffnet. Nach draußen, aber auch nach drinnen zum Rasen hin. Tausende strömen in den Innenraum der Arena. Vor dem Stadion laufen kurzzeitig Menschen hektisch durcheinander, als ein Tor wieder geschlossen wird. Hunderte Menschen rennen zurück, die Treppen ins Stadioninnere hinauf - aber es gibt offensichtlich keine Verletzten.

Vor dem Stadion gibt es drei Tote. Das erzählt Noel Le Graet, der französischen Fußballverbandspräsident, in der Mixed Zone. Alle anderen Medienaktivitäten der Spieler und Offiziellen sind abgesagt. Die deutschen Akteure und Bundestrainer Joachim Löw harren in der Kabine aus - stundenlang. "Wir werden uns jetzt beraten, was wir tun", hatte Löw unmittelbar nach dem verlorenen Spiel gesagt.

Auf dem Rasen warten immer noch Tausende darauf, dass sie die Arena verlassen können. Unter den Besuchern sind auch 1200 Helfer der Germanwings-Katastrophe vom März, ein Dankeschön für ihren Einsatz in den französischen Alpen. Wie gerade sie sich an diesem Abend fühlen müssen?

Die rund 1000 Fans aus Deutschland saßen im Oberrang. Sie wurden wohl eher nach draußen geführt. Nach und nach werden die Besucher von Ordnern in gelben Overalls vom Rasen aus dem Stadion geleitet. Es bleibt erstaunlich ruhig, das Krisenmanagemet in der EM-Endspielarena funktioniert gut. Der Stadionsprecher trägt mit ruhiger Stimme dazu bei. Er verspricht Informationen auf der Verbandsseite am nächsten Tag.

Wo ist die deutsche Fußballnationalmannschaft jetzt?

Nach den Terroranschlägen in Paris ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstagmorgen aus Frankreich abgereist. Um kurz nach neun Uhr startete die Sondermaschine LH 343 mit der deutschen Delegation nach Frankfurt/Main. Das Flugzeug war extra aus Frankfurt gekommen und stand auf dem Flughafen Charles de Gaulle auf einer Außenposition weit weg vom Terminal. Polizeiwagen und zwei Beamte mit Maschinengewehren waren neben der Maschine postiert.

dpa/sup

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