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Deutschland / Welt Südafrika vor der zweiten Revolution
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Südafrika vor der zweiten Revolution
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20:49 17.07.2018
Menschen hören der Rede von Barack Obama zu Quelle: epa
Johannesburg

„An das Volk Südafrikas, Menschen aller Rassen und jeder Lebensart: Die Welt dankt Ihnen dafür, dass Sie Nelson Mandela mit uns geteilt haben.“ So hat es Barack Obama, der erste schwarze Präsident der USA, vor viereinhalb Jahren bei der Trauerfeier für Nelson Mandela, den ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, gesagt.

Am Dienstag, einen Tag vor dem 100. Geburtstag Mandelas, klingt Obama ganz anders. Wieder spricht er zu mehr als 15.000 Menschen in einem Stadion in Johannesburg. Aber er redet ihnen, kaum verschlüsselt, ins Gewissen. Obama spricht von einer „Welt, die sich abgewandt hat von Mandelas Erbe“. Einer Welt, „in der Rassismus lebt“. Einer Welt, „die in weiten Teilen wieder zurückgreift auf alte, brutale Methoden, um ihre Angelegenheiten zu regeln“.

Statt Welt hätte er auch Südafrika sagen können.

Das neue Südafrika, noch einmal vier Jahre jünger als die neue Bundesrepublik, ist ein großartiges Land, aber eine unfertige, unsichere Nation. Die Menschen haben nach der Apartheid, in der das Staatswesen auf der Entrechtung und Verarmung von 80 Prozent der Bevölkerung gründete, Enormes vollbracht. Unter Mandelas Ägide kam Licht in die Hütten der Townships, damit Kinder lernen können. Millionen Wohnungen wurden gebaut. Menschen, denen jede Perspektive verwehrt war, haben Karrierechancen. Das Hinterland ist durch gute Straßen mit den Zentren verbunden. Der Tourismus boomt. Die Verfassung ist die modernste der Welt.

Mandela wäre trotzdem zutiefst unglücklich mit dem Südafrika von heute.

Die gesellschaftliche Trennung nach Hautfarben in Wohnvierteln, Clubs, Schulen ist längst nicht überwunden. Das Misstrauen nagt auf beiden Seiten. Die Allmacht der einstigen Befreiungsbewegung, des regierenden ANC, hat die Politik korrumpiert. Die mafiöse Elite hat wie die alte die Schätze des Landes ausgebeutet. Das Wachstum der wichtigsten Volkswirtschaft Afrikas ist auf ein Prozent abgestürzt.

Präsident Cyril Ramaphosa, im Februar angetreten, kämpft redlich gegen die Korruption in den eigenen Reihen. Aber er holt auch beängstigende Umverteilungskonzepte aus der politischen Mottenkiste. Er spekuliert über die Enteignung weißer zugunsten schwarzer Farmer – ohne Entschädigung, wie es die Verfassung vorschreibt.

Wird es 24 Jahre nach der triumphalen Inauguration Nelson Mandelas zum Präsidenten am Kap wieder eine Revolution geben? Diesmal eine blutige? Viele fürchten es. Und in der Folge einen Zusammenbruch wie im nahen Simbabwe.

Nelson Mandela würde heute erneut kämpfen. Nicht aus Zuneigung zu den weißen Südafrikanern. Sondern aus Respekt vor dem Recht. Unrecht, das hat er vorgelebt, kann verziehen werden. Aber es darf nicht hingenommen werden.

Von Susanne Iden

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