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Deutschland / Welt Schiff mit Atommüll unterwegs - Gegner protestieren mit Mahnwache
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Schiff mit Atommüll unterwegs - Gegner protestieren mit Mahnwache
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17:30 21.09.2017
Ein Spezialschiff mit hoch radioaktivem Atommüll fährt auf dem Neckar aus einer Schleuse.   Quelle: dpa
Obrigheim

 Trotzig wehen die dottergelben Protestfahnen der Atomkraftgegner im Wind. „Stopp Castor! Stopp Atomkraft!“, steht am Mittwoch bei der Mahnwache in Lauffen groß auf einem der Banner. Etwa 50 Aktivisten sind an diesem grauen Septembertag an den Neckar gekommen, um gegen ein vorbeifahrendes Spezialschiff mit Atommüll zu demonstrieren. „Dieser Transport ist unsinnig und gefährlich“, sagt einer von ihnen. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, und ich denke, das ist gelungen.“

342 ausgediente Brennelemente müssen untergebracht werden

Der 107,05 Meter lange Schubverband mit der heiklen Fracht hatte am Morgen am stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim abgelegt - mit Kurs Richtung Neckarwestheim. Im dortigen Zwischenlager will der Energieversorger EnBW insgesamt 342 ausgediente Brennelemente aus Obrigheim unterbringen. Das Argument des Unternehmens: Besser eine Lagerung in Neckarwestheim, wo noch Platz sei, als der Bau eines weiteren Zwischenlagers in Obrigheim. Von den Behörden in Stuttgart und Berlin ist das abgesegnet. Kritiker sind aber skeptisch.

„Falls es zu einem Schiffsunglück kommt und Radioaktivität austritt, wäre das Wahnsinn. Ein Super-Gau! Am Neckar und Rhein wären Millionen Menschen betroffen“, sagt Anete Wellhöfer. Die Angestellte hat sich extra frei genommen, um gegen den Transport zu demonstrieren. „Mir macht Angst, dass wir eine zusätzliche Gefährdung schaffen, wenn wir die Atomkraft auf Schiffen durch die Gegend schippern“, meint die 54-Jährige. Castoren sollten daher nur auf Straße und Schienen transportiert werden - nicht jedoch auf Flüssen.

„Es gibt kein Konzept“

Während am träge dahin fließenden Neckar ein Polizeihubschrauber vor dunklen Wolken rattert, halten immer wieder Fußgänger und Radfahrer an, um sich bei den Aktivisten zu informieren. Die Stimmung am Infostand ist insgesamt entspannt. Es gibt Kaffee und Kuchen. Von Protesten bei früheren Castor-Transporten auf der Straße oder auf der Schiene ist der Zuschauer andere, gewaltsamere Szenen gewöhnt.

Einer, der Auskunft gibt, ist Jürgen Hellgardt. Der Lauffener engagiert sich bereits seit Jahren gegen das Atomkraftwerk in Neckarwestheim. „Bei der dortigen Atomtechnologie gibt es kein Konzept. Wir holen immer weiteren Atommüll hierher, obwohl sich ein Endlager für hoch radioaktiven Müll in ferner Zukunft abspielt“, sagt Hellgardt. Bis dahin werde der Müll in Neckarwestheim gelagert.

Der 56-Jährige ist Vorsitzender des BUND Heilbronn-Franken. An seinem grünen Hemd steckt eine Metallnadel mit der Aufschrift „Atomkraft? Nein danke“. Daneben ein gelbes X - das Zeichen des Widerstands gegen Castor-Transporte. Das Argument, dass Deutschland doch aus der Atomkraft aussteige, hält er kaum für stichhaltig. „Den Atomausstieg werden wir abschließen in Deutschland - die Frage ist nur, wie lange das dauern wird“, meint Hellgardt. Es sei „noch ein langer Weg“, bis Atomkraft-Gegner nicht mehr auf die Straße müssten.

Demonstranten bemängeln schlechte Kommunikation

Die Demonstranten bemängeln besonders eine aus ihrer Sicht schlechte Kommunikation von EnBW. „Die Schwierigkeit ist schlichtweg, dass es im Voraus keine Infos zum Transporttag gibt“, sagt Herberth Würth, Sprecher des Bündnisses Neckar-Castorfrei. „Der Vorlauf - also, dass sich die Menschen freinehmen können, um zu demonstrieren, ist relativ kurz“, kritisiert er. Auch Würth denkt nicht, dass die Zeit der Proteste angesichts des Atomausstiegs ganz vorbei sein könnte.

Immerhin drei weitere Fahrten mit hoch radioaktivem Müll auf dem Fluss zwischen Obrigheim und Neckarwestheim will EnBW in diesem Jahr noch unternehmen. Den bundesweit ersten Castor-Transport auf dem Neckar hatte der Energieversorger Ende Juni organisiert. EnBW und Polizei argumentieren, dass eine Beförderung auf der Schiene oder auf der Straße aufwendiger sei. Die Sicherheit sieht der Chef der Kernkraft GmbH von EnBW, Jörg Michels, nicht gefährdet: der Transport sei „sorgfältig und gewissenhaft vorbereitet“, betont er. Vertrauen hat Michels auch in das Schiff - dieses sei „praktisch unsinkbar“.

Von dpa/RND

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