Navigation:
AboPlus Anzeigen- und Abo-Service

Gutachten in Auftrag gegeben

Roma-Räumung in Frankreich verärgert Brüssel

Die EU-Kommission fordert bezüglich der Abschiebung von Roma durch die französischen Behörden Antworten aus Paris - und hat ein Rechtsgutachten, das die Vereinbarkeit der französischen Praxis mit dem EU-Recht überprüfen soll, in Auftrag gegeben.
Warmes Essen und ein paar Zelte: Aktivisten haben diesen Roma einen neuen Lagerplatz verschafft, nachdem der alte geräumt worden war.

Warmes Essen und ein paar Zelte: Aktivisten haben diesen Roma einen neuen Lagerplatz verschafft, nachdem der alte geräumt worden war.

© afp

Mit entschlossenem Gesichtsausdruck empfingen Viviane Reding und Cecilia Malmström ihre Gäste. Der französische Europaminister Pierre Lel­louche sowie sein Kollege aus dem Einwanderungsressort, Eric Besson, mussten sich am Dienstag bei den EU-Kommissarinnen für Justiz und Inneres erklären. Grund: die Abschiebungen der Roma durch die französischen Behörden.

Noch in dieser Woche will die EU-Kommission ein Gutachten vorlegen, das die Vereinbarkeit der französischen Praxis mit dem EU-Recht überprüfen soll. Mit einer großen Delegation war Frankreich am Dienstag nach Brüssel gereist. Galt es doch, die EU-Kommission von der ­eigenen Abschiebepraxis der Roma zu überzeugen. Seit Anfang des Jahres hat Paris mehr als 8000 Roma des Landes verwiesen und nach Bulgarien oder Rumänien ausgeflogen. Insgesamt sind rund 130 Roma-Lager von den Behörden aufgelöst worden. Das Vorgehen hatte europaweit bei Kirchen, Hilfsorganisationen und Politikern Proteste ausgelöst.

Dass die EU-Kommission das Pariser Vorgehen missbilligt, hat sie bereits durchblicken lassen. „Es ist klar, dass niemand ausgewiesen werden darf, nur weil er Roma ist“, so Justizkommissarin Viviane Reding. Missfallen erregt in Brüssel vor allem die Tatsache, dass Paris die Roma massenweise außer Landes verweist. Juristische Probleme sieht hierbei auch das Brüsseler Centre for European Policy Studies: Ausweisungen dürften nicht kollektiv vorgenommen werden, sondern nur nach Prüfungen des Einzelfalles, heißt es aus dem Institut.

Während sich sogar in der französischen Regierung die Gräben vertiefen – Außenminister Bernard Kouchner gab zu, an Rücktritt gedacht zu haben – kommt aus dem Europaparlament ebenfalls scharfe Kritik. Die Ausweisungen verletzten „in eklatanter Weise das in der EU-Grundrechtecharta festgeschriebene Diskriminierungsverbot“, sagt Barbara Lochbihler, Abgeordnete der Grünen. Zudem widerspreche die Praxis dem Recht auf Bewegungsfreiheit, das den Roma wie jedem EU-Bürger zustehe.

Die französischen Regierungsvertreter pochten am Dienstag erneut darauf, im Sinne des EU-Rechtes zu handeln. Wer letztendlich Recht behält, wird das Gutachten zeigen. Dass Frankreich sich von einem negativen Urteil beeindrucken lassen wird, darf bezweifelt werden.

Hanna Roth


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige

Umfrage der Woche

Neuer Umweltminister

Peter Altmaier ist neuer Umweltminister. Wird er seinen Job besser machen als Vorgänger Norbert Röttgen?

Bild der Woche

Ein großer Star bei Volkswagen: Herbert Grönemeyer besichtigte mit Tochter Marie und Mitgliedern seiner Band die Produktion im VW-Werk.

Ein großer Star bei Volkswagen: Herbert Grönemeyer besichtigte mit Tochter Marie und Mitgliedern seiner Band die Produktion im VW-Werk.

zur Galerie

Magazine

Videos aus Wolfsburg und Gifhorn

Freitags neu: Videos aus unserer Region

Film ab in Wolfsburg und Gifhorn: In Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender tv38 zeigen wir ausgewählte Ereignisse in der Region auch als Video. Schauen Sie rein! mehr


 

Videos

Die Welt im Film

Hier können Sie sich zu allen Bereichen informieren, egal ob es sich um Nachrichten aus aller Welt handelt oder die Filmtrailer der aktuellen Kinowoche. Für jeden ist etwas dabei. mehr