Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt Putin: Keine vorschnellen Schuldzuweisungen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Putin: Keine vorschnellen Schuldzuweisungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:05 06.04.2017
Russlands Präsident Wladimir Putin. Quelle: AP POOL
Moskau

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien hat der russische Präsident Wladimir Putin vor vorschnellen Schuldzuweisungen an wessen Adresse auch immer gewarnt. Das sei unannehmbar, sagte er in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Donnerstag. Erst müsse es eine „sorgfältige und unvoreingenommene internationale Untersuchung“ geben, teilte der Kreml zu dem Gespräch mit.

Der mutmaßliche Gasangriff der syrischen Luftwaffe auf den Ort Chan Scheichun vom Dienstag mit mehr als 70 Toten hat weltweit Empörung ausgelöst. Russland ist mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbündet und nimmt ihn traditionell gegen Vorwürfe in Schutz.

Das russische Verteidigungsministerium hat erklärt, bei dem Angriff sei eine Werkstatt zur Herstellung von Giftgas-Munition der Assad-Gegner getroffen worden. Die Moskauer Angaben decken aber nicht mit den Befunden vor Ort.

Syrien bestreitet Einsatz von Giftgas

Syriens Regierung hat den Einsatz von Chemiewaffen bestritten. „Ich betone, dass wir diese Art von Waffen nicht eingesetzt haben und nicht einsetzen werden, weder gegen Zivilisten noch gegen Terroristen“, sagte Außenminister Walid al-Muallim. Er bekräftigte Angaben Russlands, dass die syrische Luftwaffe in dieser Woche in der Stadt Chan Scheichun ein Lager mit Chemiewaffen von „Terroristen“ bombardiert habe.

In dem Ort im Nordwesten Syriens waren am Dienstag Aktivisten zufolge mindestens 86 Menschen durch Einwirkung von Giftgas ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Die syrische Opposition und Augenzeugen sprechen von einem Angriff der Regierungstruppen mit Chemiewaffen. Auch die USA und andere westliche Regierungen werfen der Regierung in Damaskus vor, dafür verantwortlich zu sein.

Merkel: „Es ist ein barabrischer Angriff“

Angela Merkel kritisierte Russland wegen der Blockade einer UN-Sicherheitsratsresolution zum Giftgas-Angriff. Ohne Moskau direkt zu nennen, sagte die Kanzlerin: „Es ist eine Schande, dass keine UN-Sicherheitsratresolution zustande kommt. Und hier müssen gerade diejenigen, die sich verweigern, überlegen welche Verantwortung sie damit auf sich nehmen.“ Es spreche leider manches dafür, dass der Angriff vom Regime des Machthabers Baschar al-Assad ausgegangen sei, „auch dann die anschließende Bombardierung des Krankenhauses, wo die Opfer versorgt wurden“.

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats hatten am Mittwoch keine Einigung auf eine von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachte Resolution erzielt, mit der der Angriff verurteilt und eine rasche Aufklärung gefordert werden sollte. Russlands UN-Vizebotschafter Wladimir Safronkow sagte: „Zu diesem Zeitpunkt sehen wir keinen besonderen Bedarf, eine Resolution anzunehmen.“ Merkel betonte: „Es ist ein barbarischer Angriff, der unbedingt aufgeklärt werden muss. Chemiewaffeneinsätze sind Kriegsverbrechen.“

Türkei: Es gibt Hinweise auf Sarin

Nach der Autopsie von Opfern des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien geht das türkische Gesundheitsministerium von einem Einsatz der Chemiewaffe Sarin aus. „Ersten Untersuchungsergebnissen zufolge wurden bei den Kranken Symptome gefunden, die darauf hinweisen, dass sie einem chemischen Stoff (Sarin) ausgesetzt waren“, teilte das Gesundheitsministerium in Ankara am Donnerstag mit.

Die Autopsie sei im südtürkischen Adana an drei Leichen aus der nordsyrischen Provinz Idlib erfolgt. Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff vom 4. April in Idlib waren rund 30 Verletzte in die Türkei gebracht worden, von denen drei starben.

Von dpa/RND