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Deutschland / Welt Nur knapp jeder Fünfte mit Wahlausgang zufrieden
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Nur knapp jeder Fünfte mit Wahlausgang zufrieden
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21:04 26.09.2017
Ob Kanzlerin Angela Merkel zu den 19 Prozent gehört, die mit dem Wahlausgang zufrieden sind?   Quelle: AP
Berlin

 Der Wahlsonntag hat keinen Machtwechsel gebracht, dafür fehlte offenbar die Wechselstimmung beim Wähler. Das historisch schlechteste Ergebnis der SPD und das zweitschlechteste der CDU zeigen aber klar, dass es sich trotzdem um ein politisches Erdbeben gehandelt hat, das den Begriff „Volkspartei“ mit einem großen, vielleicht sogar sehr großen Fragezeichen versieht. Selbst die CSU in Bayern fiel unter die Grenze von 40 Prozent, die normalerweise als Grenze für eine Volkspartei angesetzt wird. Hinzu kommt mit der AfD im Bundestag ein neuer Wettbewerber am rechten Rand. Der Wiedereinzug der FDP und das am stärksten zersplitterte und polarisierte Parlament seit Anfang der 1950er Jahre vervollständigen das Bild eines starken Umbruchs. Begleitet wird der Wahlausgang von der wohl kompliziertesten Regierungsbildung der Bundesrepublik. Und das, obwohl eigentlich nur eine Option auf dem Tisch liegt: Noch nie lagen die Parteien, welche die Regierung bilden wollen, politisch derart weit auseinander. Das Politik Panel Deutschland der Universität Freiburg hat deshalb über 5200 Wähler zum Wahlausgang befragt.

 

 

AfD-Wähler sind am zufriedensten – SPD-Wähler am unzufriedensten

Das überraschendste Ergebnis: Nur 19,3 Prozent der Befragten sind zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Wahlergebnis. Mehr als die Hälfte (52,2 Prozent) ist unzufrieden oder sehr unzufrieden und 28,5 Prozent sind gespalten (teils/teils). Der größte Anteil der Unzufriedenen ist bei den Wählern der SPD auszumachen, dort sind nur 3,4 Prozent der Wähler zufrieden. Die meisten Zufriedenen finden sich dagegen mit deutlichem Abstand bei der AfD: 52,4 Prozent ihrer Wähler sind zufrieden oder sehr zufrieden. Bei der Union sind immerhin 22,8 Prozent, bei der FDP 27,2 Prozent und bei den Grünen – trotz der Machtoption – nur 11,4 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden.

Bei diesem hohen Grad an Unzufriedenheit könnte man vermuten, dass die Wähler ihre Stimmabgabe bereuen. Doch weit gefehlt: 95,0 Prozent der Befragten bereuen ihre Wahlentscheidung nicht. Ein Teil der Wähler würde so kurz nach der Wahl dennoch sein Kreuz an einer anderen Stelle machen wie am Wahlsonntag. Die CDU/CSU würde bei diesen Wählern noch weiter verlieren und käme nur noch auch 27,5 Prozent, ein nochmaliger Verlust gegenüber dem bereits herben Wahlsonntag. Leicht zulegen kann dagegen die FDP. Die Grünen wiederum, deren Wähler deutlich unzufriedener sind als die der anderen Parteien, würden rund 1,4 Prozentpunkte gegenüber dem Wahlabend einbüßen. Von diesen Verlusten profitieren würde die SPD, die nach der Aufkündigung der Koalition deutlich zulegen kann. Auch die Linke und die AfD können sich gegenüber dem Niveau vom Wahlsonntag noch verbessern.

Die Wähler freunden sich mit der Jamaika-Koalition an

Vor der Bundestagswahl galt die Koalitionsoption aus CDU/CSU, FDP und Grünen, also die Jamaika-Lösung, als äußerst unbeliebt. Bei der letzten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vor der Bundestagswahl befanden nur 25 Prozent der Befragten diese Option für „gut“. Dies hat sich nach der Wahl völlig geändert. Auf die Frage im Politik Panel Deutschland: „Welche Parteien sollten Ihrer Meinung nach die Koalition bilden und zusammen regieren?“ wünschten sich 76,6 Prozent die Jamaika-Koalition und nur 23,4 Prozent eine Neuauflage der großen Koalition, welche die SPD zwischenzeitlich aber ausgeschlossen hat. Bemerkenswert ist dabei: Die CDU/CSU-Anhänger haben eine leicht erhöhte Präferenz für die Große Koalition (26,1% würden sie befürworten, 73,9% ablehnen). Besonders Wähler der Linken lehnen dagegen die Große Koalition ab, während AfD-Anhänger sich mit über 35,5 Prozent deutlich für die GroKo aussprechen. Das ist der höchste Anteil für diese Option im Panel überhaupt. Grüne und FDP-Wähler sprechen sich – nicht überraschend – mit 88 bzw. 89 Prozent für Jamaika aus.

Die Wählerwünsche: Mehr Ausgaben, Solidaritätszuschlag abschaffen

Die Wünsche der Wähler für die neue Legislaturperiode sind zweigeteilt. Die eine Hälfte der Befragten wünscht sich mehr Ausgaben des Bundes (41,1 Prozent). Von diesen möchte aber nur rund ein Viertel hierfür auch die Steuern erhöhen und dreiviertel davon möchte die Steuern gleich lassen. Auf der anderen Seite plädieren immerhin 44,0 Prozent der Befragten für Ausgabenkürzungen bei gleichzeitigen Steuerkürzungen.

Auf die Frage „Für welche Politikbereiche sollte die neue Bundesregierung Ihrer Meinung nach mehr, gleich viel oder weniger Geld als bisher ausgeben?“ äußern über 91,2 Prozent der Befragen, dass für Bildung, Schulen und Hochschulen mehr Geld ausgegeben werden soll. Und 75,5 Prozent wollen mehr Ausgaben für die Innere Sicherheit, 71,3 wollen, dass mehr für Rente und Pensionen ausgegeben wird. Rund 70 Prozent der Befragten möchten mehr Investitionen in den Verkehr. Für mehr Ausgaben bei Migration und Zuwanderung sind dagegen nur 20,9 Prozent der Befragten.

Auf der anderen Seite wollen über 58 Prozent der Wähler, dass die Steuern gesenkt werden. Und gar 77 Prozent wünschen sich die Abschaffung des Solidaritätszuschlages. Bei fast allen Politikfeldern sind sehr große Unterschiede zwischen den Wünschen von FDP- und Grünen-Wählern zu beobachten, was sich mutmaßlich auch als Spannungen in den Koalitionsverhandlungen niederschlagen wird. Deutlich werden die Unterschiede etwa bei der Entwicklungspolitik und bei der Umweltpolitik. Während bei Thema Umwelt über 85 Prozent der Grünen-Anhänger mehr ausgeben möchten, sind es bei den FDP-Anhängern nur 28 Prozent.

Von RND