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Deutschland / Welt „Naturkatastrophen werden zum traurigen Normalfall“
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10:50 31.01.2018
„Wenn Menschenleben in Gefahr sind, zählt jede Stunde“: EU-Krisenschutzkommissar Christos Stylianides. Quelle: picture alliance / Wiktor Dabkow
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Berlin

Christos Stylianides (59) ist seit November 2014 EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz. Der christdemokratische zypriotische Politiker studierte Zahnmedizin, stieg aber bald in die Politik ein. Stylianides ist verheiratet und hat einen Sohn.

EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz reisen Sie oft in Krisenregionen. Zurzeit aber arbeiten Sie daran, die EU-Regierungen von „rescEU“ zu überzeugen, einem Katastrophenschutzsystem für Europa. Sind wir in Gefahr?

Naturkatastrophen werden auch bei uns zum traurigen Normalfall. Der Klimawandel ist nicht Fake News, wie einige in Washington meinen. Er schreitet voran, und zwar vor unseren Augen. Vor zwei Jahren gab es Waldbrände in Schweden – wer hätte das je für möglich gehalten? Immer häufiger ziehen verheerende Stürme durch Zentraleuropa. Vielerorts erhöht sich das Risiko von Überschwemmungen an Flüssen – auch in Deutschland. Dieser neuen Wirklichkeit müssen wir uns anpassen.

Sind die EU-Staaten schlecht gerüstet?

Die Herausforderungen sind groß, und die auf Freiwilligkeit beruhende Kooperation der Mitgliedstaaten im Krisenfall stößt leider an Grenzen. Zuletzt mussten wir dies bei den tödlichen Waldbränden in Portugal im vergangenen Herbst schmerzlich erfahren, als Hilfe aus dem Ausland nicht schnell genug eintraf.

Lassen die Europäer einander im Stich?

Nein. Im Fall von Waldbränden etwa kommen die Mittelmeeranrainer einander oft mit Löschflugzeugen zu Hilfe. Das allerdings setzt voraus, dass sie ihre Flugzeuge im fraglichen Moment auch wirklich entbehren können. Im Falle einer Hitzewelle in weiten Teilen Europas aber stellt diese auf Freiwilligkeit basierende Zusammenarbeit ein Risiko dar. Wenn Menschenleben in Gefahr sind, zählt jede Stunde.

Was schlagen Sie vor?

Wir schlagen eine von der EU verwaltete und finanzierte Reserve von Löschflugzeugen, Hochleistungspumpen, Ausrüstungen für Such- und Rettungsmaßnahmen und Feldlazarette vor. Sie sollen zusätzlich zum Einsatz kommen, wenn die Möglichkeiten eines EU-Mitglieds ausgeschöpft sind und es Hilfe wünscht. Außerdem bieten wir uns wie bisher für die Koordination bestehender Hilfsangebote und Vorsorgemaßnahmen an.

Und dafür braucht Brüssel mehr Geld.

Nicht unbedingt. Die Staaten sind gut ausgestattet. Wir müssen jedoch das vorhandene Material im Fall von Überschwemmungen oder Waldbränden besser, das heißt vor allem: schneller zum Einsatz bringen können. Ein Beispiel: Canadairs sind die effizientesten Löschflugzeuge. Will jedes EU-Land für die Eventualität eines Waldbrandes gerüstet sein, bräuchten wir jetzt EU-weit etwa 80 neue Canadairs. Teilen wir uns jedoch die Last der Krisenbekämpfung , müssten wir bloß zwölf Canadairs anschaffen. Darum geht es doch in der EU: Wir teilen uns die Aufgaben und senken so die Kosten. Diesen Ansatz verfolgen wir bereits in vielen anderen Bereichen.

Rechnen Sie jetzt, da die USA ihr humanitäres Engagement reduzieren, mit mehr Aufgaben für die EU im globalen Krisenmanagement?

Der Bedarf an Geldgebern ist sehr groß, schließlich haben wir es mit einer Vielzahl humanitärer Krisen zu tun. Dass mit den USA ausgerechnet jetzt einer der größten Förderer von Entwicklungs- und humanitärer Hilfe seinen Beitrag zurückfährt, ist sehr problematisch. Das wird Folgen haben. Die EU ist bereits der größte Geldgeber in der humanitären Hilfe. Das macht mich stolz. Wir leben unsere Werte. Und unser Einsatz kostet jeden einzelnen EU-Bürger lediglich 2 Euro im Jahr.

Von Marina Kormbaki/RND

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