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Deutschland / Welt Verschwinden von Reporter: USA erhöhen Druck auf Saudi-Arabien
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06:39 11.10.2018
Donald Trump, US-Präsident spricht während einer Wahlkampfveranstaltung in Erie. Quelle: Evan Vucci/dpa
Washington

Nach dem Verschwinden des Reporters Dschamal Chaschukdschi hat US-Präsident Donald Trump Antworten von Saudi-Arabien verlangt. Er wisse nicht, was mit dem 59 Jahre alten Journalisten geschehen sei, hoffe aber, er sei noch am Leben, sagte Trump am Mittwoch (Ortszeit). Ranghohe US-Senatoren leiteten eine Untersuchung im Fall Chaschukdschi ein, die Trump eventuell zu Sanktionen gegen Riad zwingen könnte. Geheimdienstinformationen zeichneten mit Blick auf den Verbleib des Reporters ein düsteres Bild.

Chaschukdschi verschwand in der vergangenen Woche, nachdem er das saudi-arabische Konsulat in der türkischen Metropole Istanbul besucht hatte. In seinen Berichten unter anderem für die „Washington Post“ schrieb er kritisch über Saudi-Arabien und die Königsfamilie. Die türkischen Behörden gehen davon aus, dass eine saudi-arabisches Mordkommando den Reporter getötet hat. Die Regierung in Riad hat das zurückgewiesen.

Die „Washington Post“ berichtete unter Berufung auf Informationen der US-Geheimdienste, dass Saudi-Arabien eine Festnahme Chaschukdschis von langer Hand geplant habe. Kronprinz Mohammed bin Salman habe angeordnet, den Journalisten von den USA nach Saudi-Arabien zu locken und ihn dort festzunehmen.

„Die Saudis haben eine Menge zu erklären“

Der republikanische Senator Bob Corker hatte als Vorsitzender des Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten Zugang zu den Geheimdiensterkenntnissen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Chaschukdschi an dem Tag getötet worden sei, an dem er das Konsulat betreten habe, sagte Corker. Was auch immer mit dem Journalisten geschehen sei, es habe eine saudi-arabische Verwicklung gegeben. „Die Saudis haben eine Menge zu erklären, weil alles darauf hindeutet, dass sie mindestens an seinem Verschwinden beteiligt waren“, sagte Corker. „Alles deutet auf sie hin.“

Gemeinsam mit mehr als 20 anderen republikanischen und demokratischen Senatoren drang er auf eine Untersuchung des Falls. In einem Brief an Trump schrieben sie, Chaschukdschis Verschwinden deute auf „eine gravierende Verletzung international anerkannter Menschenrechte hin“. In dem Schreiben beriefen sie sich auf den Global Magnitsky Human Rights Accountability Act – ein nach dem Russen Sergej Magnitski benanntes Gesetz, das Menschenrechtsverletzungen in aller Welt ahnden soll. Es schreibt vor, dass der Präsident dem Kongress binnen 120 Tagen einen Report zum untersuchten Fall vorlegen muss.

Unter Trump stark in Beziehungen zu Saudi-Arabien investiert

Trump selbst sagte am Mittwoch, er wolle Chaschukdschis Verlobte Hatice Cengiz ins Weiße Haus einladen. Mit Saudi-Arabien habe er über die „schlechte Situation“ gesprochen, ergänzte er. Konkret wurde er aber nicht. Schon am Dienstag sollen der Nationale Sicherheitsberater John Bolton und Präsidentenberater Jared Kushner mit Kronprinz Mohammed über den Fall gesprochen haben. Auch US-Außenminister Mike Pompeo rief ihn demnach an.

Der demokratische Senator Chris Murphy sagte, wenn Saudi-Arabien tatsächlich einen Mann mit Wohnsitz in den USA in ein Konsulat gelockt und dort getötet habe, sei es für die Vereinigten Staaten an der Zeit, die militärischen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Riad zu überdenken. Unter Trump haben die USA stark in die Beziehungen mit Saudi-Arabien investiert. Die erste Auslandsreise des Präsidenten führte ins Königreich, damals kündigte er Waffenverkäufe in Höhe von 110 Milliarden Dollar an.

Von RND/dpa