Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt NRW wirft Aktivisten vor, die Trauerphase auszunutzen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt NRW wirft Aktivisten vor, die Trauerphase auszunutzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:06 20.09.2018
Aktivisten stellen im Hambacher Wald vor einer Polizeikette Kerzen auf. Während der großen Räumungsaktion im rheinischen Braunkohlerevier Hambacher Wald ist ein Journalist aus einem Baumhaus abgestürzt und hat tödliche Verletzungen erlitten. Quelle: Oliver Berg/dpa
Kerpen

Der Hambacher Wald klingt anders als in den vergangenen Tagen. Keine schweren Laster mit Hebekränen bahnen sich ächzend ihren Weg, keine „Hambi bleibt!“-Rufe schallen aus den Untiefen des Waldes. Stattdessen hört man ganz leise ein Lied. „Bella ciao, bella ciao, bella ciao ciao ciao“ singt eine Gruppe junger Menschen. Sie sitzen vor einem improvisierten Schrein, auf dem sie Kerzen angezündet und Zweige abgelegt haben. Ein Mann fängt heftig an zu schluchzen. Ein anderer umarmt ihn.

Es ist die Stelle, an der am Tag zuvor ein Journalist aus rund 15 Metern auf den Waldboden stürzte und starb. Er war zu den Waldbesetzern geklettert, die zum Teil seit Jahren hoch oben in Baumhütten leben. Sie wollen verhindern, dass der Wald gerodet wird, um dort Braunkohle zu baggern. Viele hier kannten den 27-Jährigen, weil er die Besetzung des Waldes mit Kameras dokumentierte. Die Besetzer bezeichnen ihn als Freund.

Seit dem Sturz ist alles anders im Hambacher Wald. Die Räumung der Baumhäuser wurde von der Landesregierung bis auf weiteres gestoppt. Die Polizei hält sich zurück. Die Aktivisten trauern. Es ist eine Zäsur im schier endlosen Ringen um den Wald, den der Energiekonzern RWE im Herbst zu einem großen Teil weiter abholzen will. Nach einer Räumaktion vor zwei Wochen riefen die Aktivisten den „Tag X“ aus. Für den nun eingetretenen Zustand gibt es keinen Namen.

In der emotionalen Debatte um den Wald gibt es bereits neue Vorwürfe

„Wir fordern, dass jetzt erstmal ein Moment der Ruhe und des Friedens für den Wald und alle Menschen, die beteiligt sind und sich betroffen fühlen, einkehrt“, sagt eine junge Frau, die sich „Lykke“ nennt und immer wieder um Worte ringt. „Und dass der Irrsinn dieses Einsatzes nicht einfach so weitergeführt werden kann.“ Einen Toten habe es in sechs Jahren Besetzung noch nicht gegeben. Man dürfe das Unglück aber auch nicht politisch instrumentalisieren, sagt sie.

Das dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Auch Lykke selbst verweist bei der Frage nach den Umständen für das Unglück schnell auf den Polizeieinsatz im Wald. Die Diskussion um den Wald wird emotional geführt, es geht um die großen Fragen: Klima, Kohle, Konzerne. Auch zwei junge Männer, die lange vor dem Schrein für den Toten gekniet haben, deuten an, wen sie für den Schuldigen halten: „Ohne RWE gäbe es hier keine Besetzung.“ Und damit, so sehen sie es, keinen Toten.

Die Aachener Polizei spricht dagegen von einem tragischen Unglück und betont, es habe zum Zeitpunkt des Sturzes keine Polizeimaßnahmen an dem Baumhaus gegeben, in dessen Nähe sich der 27-Jährige aufhielt. Er soll durch die Bretter einer Hängebrücke gebrochen sein. Die Waldbesetzer selbst sind in der Regel stets an Seilen gesichert. Was genau passierte, wird nun untersucht.

Die Landesregierung macht den Aktivisten unterdessen Vorwürfe: „Einige Aktivisten oder Gewalttäter benutzen dieses Moratorium, um neue Häuser zu bauen und – was ich noch schlimmer finde – Rettungswege mit Barrikaden wieder zuzusperren“, kritisierte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Eine Polizeisprecherin vor Ort bestätigte, dass offenbar Wege blockiert worden seien. Dies könne auch während des Moratoriums nicht geduldet werden, da die Rettungswege frei bleiben müssten.

Die Gefühlslage ist diffus

Im Wald wird der Twitteraccount des 27-Jährigen herumgezeigt. Auf einem Video sieht man ihn hoch oben in einem Baumhaus. Ein Besetzer - er nennt sich „Jos“ und spricht Englisch - sagt, er werde den Journalisten immer mit Kamera in Erinnerung behalten. Stets habe er Equipment dabei gehabt. Damit habe er alles dokumentiert, durchaus im Sinne der Besetzer. Jos nennt das „sympathische Medien“ und sagt: „Er war immer an der Frontlinie.“

Weit über ihm quietschen die Baumhäuser. Ein anderer Besetzer ruft, Jos solle nicht mit der Presse reden, es gebe Anwälte. Jos erwidert brüllend: „Stille ist auch ein Statement!“ Die Gefühlslage im Hambacher Wald ist an diesem Tag diffus. Trauer, Wut, Widerstand - alles mischt sich. Dass die Rodung nun einfach abgesagt wird, daran glaubt aber kaum jemand.

Er und die anderen seien im Hambacher Wald, um Aufmerksamkeit für etwas zu erzeugen, das größer sei als sie selbst, sagt Jos - und auch größer als das, was am Mittwoch passiert sei. „Das ist, warum wir hier alle unser Leben riskieren.“

Von RND/dpa/ngo

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nach dem zweitägigen EU-Gipfel in Brüssel zu den Ergebnissen geäußert. Bei der Partnerschaft mit Afrika müsse man noch lernen, wie man Entwicklungszusammenarbeit und private Investitionen mit diesen Ländern besser hinbekomme.

20.09.2018

Die Mieten in Deutschland steigen, in Berlin allein um 20,5 Prozent im Jahr 2018. Gleichzeitig steigt die Zahl der Wohnungslosen. Auf einem Wohngipfel sollen Lösungen entwickelt werden. Ein Bündnis hat jedoch geringe Erwartungen. Und lädt zu einem alternativen Gipfel ein.

20.09.2018

Nach jahrelangem Streit über die Verteilung von Flüchtlingen forciert die Europäische Union nun die Zusammenarbeit mit nordafrikanischen Ländern. EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker geht im Streit um die solidarische Verteilung auf die östlichen EU-Staaten ein.

20.09.2018